Hinter jedem intelligenten Mann steht eine noch clevere Frau. Im Fall von Nicolas Barreau ist es Daniela Thiele. Mit deutscher Gründlichkeit hat sie ihrem Pseudonym nicht nur eine Vita, sondern auch ein Gesicht verpasst. Charmant, jungenhaft lächelt der vermeintliche Barreau in die Kamera. Als „Das Lächeln der Frauen“ erscheint, soll er Anfang 30 sein und nur zu gern hält die Leserschaft ihn für einen unverbesserlichen, französischen Romantiker. Nur Elmar Krekeler, Kritiker bei „Die Welt“ äußert bereits in seiner Rezension zu „Das Lächeln der Frauen“ den Verdacht, dass es sich bei Barreau um ein Pseudonym von Daniela Thiele (*1956) handelt. Allerdings fehlten ihm die letzten Beweise. Weiterlesen
Alle Artikel von Angela Perez
Carolyn McHugh: Taylor Swift Superstar
Man kann um ihre Musik herumkommen, die Swifties – wie sich ihre Fans nennen – belächeln, über ihre Rekordalben und Grammys mit einem Schulterzucken hinweggehen, sich fragen, warum über eine 34jährige eine Biografie geschrieben wird (und das ist nicht die erste oder einzige Biografie). Aber: die Frau, die laut seriösen US-amerikanischen Journalisten mit einem Wort die Wahlen in Amerika entscheiden kann, sollte man schon einmal genauer unter die Lupe nehmen. Wie Carolyn McHugh. In ihrer inoffiziellen Auseinandersetzung mit der Künstlerin fokussiert sie sich auf die künstlerische Entwicklung und die bisherige Karriere von Taylor Swift, die immerhin schon gute 20 Jahre währt. Während McHugh jeden Song und jedes Album Weiterlesen
Sophie Bonnet: Provenzalische Flut
Die Fans von Kommissar Durand werden sich freuen, dass der 10. Band von Sophie Bonnets Reihe um den französischen Kommissar endlich erschienen ist und die Leserinnen und Leser, die ihn jetzt erst entdecken, werden sich vielleicht wundern, warum sie Durand noch nicht auf dem Schirm hatten. Mich hat Bonnet schon mit dem Prolog für ihre Story eingenommen. Spannend vom Anfang bis zum Ende, viel Lokalkolorit, was den Gedanken „man-müsste-mal-wieder-nach-Frankreich-reisen“ aufkommen lässt. Ich freue mich mit Pierre und Charlotte, die sich getraut haben und drücke die Daumen, dass sie ihre Flitterwochen genießen können. Wann kommt ein Mord schon gelegen? Für das Opfer wohl nie. Und so richtig passt der Fall auch Weiterlesen
Yaniv Iczkovits: Fannys Rache
Yaniv Iczkovits Roman ist wie das pralle Leben und ihn auf ein Genre zu reduzieren, würde diesem Werk nicht gerecht werden. Sicher, es ist ein Historienroman, immerhin spielt er im 19. Jahrhundert. Iczkovits ist sogar präzise: die Geschichte beginnt am 8.2.1894, es ist ein Freitag, und ist in 12 Teile gegliedert mit Angabe des genauen Datums. Die Geschichte ist also im zaristischen Russland Nikolai I. angesiedelt. Die jüdische Bevölkerung leidet unter Diskriminierung und Ausgrenzung und die gesamte Bevölkerung unter Ausbeutung, Denunzierung und den Schergen des Zaren – den Agenten der Ochrana, der Geheimpolizei. Da hätten wir dann den Agententhriller. Sie halten die Menschen in Schach, vermuten hinter jedem Baum einen Spitzel oder Attentäter Weiterlesen
Carla Berling: Glück für Wiedereinsteiger
Um „Glück für Wiedereinsteiger“ zu haben, muss man erst einmal aussteigen. Und genau das tun Thea – die auch die Rolle der Ich-Erzählerin innehat – und Ronny, Ehepaar seit 40 Jahren, zwar nicht glücklich, aber zufrieden. Plötzlich, in den Vorbereitungen für ihre Mottoparty zum Jahreswechsel stellen sie fest, dass sie Träume haben, die sie nur verwirklichen können, wenn sie getrennte Wege gehen: Thea zieht es in die Ruhe und Weite Neuseelands, während Ronny sich in das pralle Leben in Paris stürzen will. Nun, erstens kommt es anders, zweitens als die beiden denken. Bei aller Planung ruht kein Segen auf ihren Vorhaben. Oder doch? Wie sagte die Oma immer: Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Weiterlesen
Rebecca F. Kuang: Yellowface
Rebecca F. Kuangs neuer Roman “Yellowface“ wird allgegenwärtig gehypt: Autorenkollegen, Kritiker, Blogger, Verlagsmitarbeitende, überschlagen sich in ihrem Lob für diesen – wie er genannt wird – Krimi, denn die Protagonistin June Hayward ist kriminell. Sie ist eine Diebin. Genau genommen ist sie eine kriminelle, diebische, schreibende Opportunistin. Zugegeben, sie veredelt das Manuskript, das sie ihrer auf tragische Weise verstorbenen Autorenfreundin gestohlen hat fast, und hier liegt die Betonung auf fast, bis zur Unkenntlichkeit. Aber: …wer ein Werk oder die Umgestaltung vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich weitergibt… begeht eine Straftat nach dem Urheberschutzgesetz §106 und riskiert eine Freiheitsstrafe Weiterlesen
Mattias Edvardsson: Dunkelkaltes Schweigen
Matthias Edvardssons Geschichte beginnt mit dem Mord an der Jugendlichen Amanda. 21 Zeilen, mehr gesteht er der Tat nicht zu. Anhand von Rückblicken, Ausblicken und Ereignissen in der Gegenwart legt Edvardsson das Motiv für den Schuss auf das Mädchen nachvollziehbar frei, wobei sich bald herauskristallisiert, dass es sich nicht um ein Eifersuchtsdrama zwischen zwei Liebenden handelt, sondern Motiv und Täter wo anders zu finden sind. Und so, wie es zwei Menschen braucht, ein Kind zu zeugen, aber ein ganzes Dorf, um das Kind groß zu ziehen, braucht es mehr als einen Menschen, um einen anderen zu vernichten. Nichts und niemand scheint zu sein, was er oder sie vorgibt zu sein. Aber alle in der Kleinstadt Trelleborg wissen Bescheid. Der Weiterlesen
Kristina Hortenbach: Grün ist der Tod | Fünf Fragen an die Autorin
Für die Fans der Cozy Krimis ist Kristina Hortenbach und ihre Protagonistin Rosa Reich, eine frühpensionierte Biologie- und Erdkundelehrerin, eine echte Entdeckung! In der Tradition guter britischer Cozy Crimes überzeugt Hortenbach mit ganz viel Lokalkolorit und dichter Atmosphäre. Ihre Charaktere – die Guten – sind liebenswert, authentisch, mit einer gewissen Schrulligkeit und die Bösen? Die sind das Salz in der Suppe. Apropos Suppe. Als Goodie teilt die Autorin am Ende des Buches die Rezepte der in der Geschichte erwähnten Gerichte mit ihrer Leserschaft. Und schon die Rezeptur des Waldmeister Seccos, den es zum wöchentlichen Scrabble-Spiel mit Karl, dem Kollegen von einst gibt, verdeutlicht, aus welchem Holz Rosa Reich geschnitzt ist! Unerschrocken und mit Nachdruck geht sie die Dinge an. Aber wie sonst hätte sie Generationen von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten durchs Abi gebracht? Weiterlesen
Anna Jansson: Mädchenfeuer | Ein Kommissar-Bark-Krimi
Der kürzlich verstorbene Autor Paul Auster sagte in etwa: „um ein Buch zu schreiben, muss man alle seine Dämonen durchleben“. Wenn es dann zu einem Ergebnis führt wie bei Anna Janssons „Mädchenfeuer“, dem vierten Fall für Kommissar Bark und sein Team, ist ein großer Wurf gelungen. Als Gotländerin und immer noch dort lebend, wuchert sie mit ihren Pfründen – sie kennt die Insel zu jeder Tages- und Jahreszeit, kennt die Menschen, ihre Eigenarten und wohl auch ihr Abgründe und schafft entspannt, nicht gewollt, eine atmosphärische Dichte mit viel Lokalkolorit, die überzeugt. Sie weiß Spannung aufzubauen und zu halten. Hat es vielfach bewiesen. Und sie kann eine glaubhafte Geschichte erzählen, die nie Weiterlesen
Anna Blix: Runde 40 Wochen | Die menschliche Schwangerschaft und 81 andere Möglichkeiten, ein Baby zu bekommen
Darf ich vorstellen: Anna Blix. Mit so viel Berufen gesegnet, dass mir ganz schwindlig wird und ich mich ernsthaft frage, wie sie das alles mit Ehemann, Kind und dem Wunsch nach einem weiteren Kind unter einen Hut bringen kann. Sie kann! Und vielleicht ist es dank dieser Vielfalt zu dem besonderen, vorliegenden Ergebnis gekommen. „Runde 40 Wochen“ (sprachgebräuchlich für Schwangerschaft) allein auf ein Sachbuch zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Zweifelsohne schreibt hier die Biologin in strenger, fachlicher Terminologie, wenn es darum geht, komplexe Wissenschaft darzulegen. Aber – sie beherrscht es zudem meisterlich, diese Sachverhalte für normale Menschen verständlich zu machen. Und das macht die erstaunlichsten Geschichten über Sexualität, Paarung, Schwangerschaft, Geschlecht und Geburt höchst unterhaltsam und Weiterlesen