Die Fans von Kommissar Durand werden sich freuen, dass der 10. Band von Sophie Bonnets Reihe um den französischen Kommissar endlich erschienen ist und die Leserinnen und Leser, die ihn jetzt erst entdecken, werden sich vielleicht wundern, warum sie Durand noch nicht auf dem Schirm hatten. Mich hat Bonnet schon mit dem Prolog für ihre Story eingenommen. Spannend vom Anfang bis zum Ende, viel Lokalkolorit, was den Gedanken „man-müsste-mal-wieder-nach-Frankreich-reisen“ aufkommen lässt. Ich freue mich mit Pierre und Charlotte, die sich getraut haben und drücke die Daumen, dass sie ihre Flitterwochen genießen können. Wann kommt ein Mord schon gelegen? Für das Opfer wohl nie. Und so richtig passt der Fall auch Weiterlesen
David Grann, Der Untergang der Wager, Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei
Meine ersten literarischen Erfahrungen habe ich in meiner Kindheit mit Büchern über Freibeutern, Piraten und Korsaren gemacht. Ich war so begeistert, dass ich selbst unbedingt zur See fahren wollte. Wohlgemerkt, aus Unkenntnis des tatsächlichen Lebens auf so kleinen Schiffen sich den Unbilden des Wetters, der Mannschaft und Kapitänen auszusetzen. Nicht umsonst gab es restriktive Anordnungen auf den Schiffen um jeden Unmut, Widersprüchen bis hin zu Revolten, Meuterei mit dem Tod zu ahnden. Heute würde ich sagen, das hat es auch gebraucht. In meiner weiteren Entwicklung hat mich alles interessiert was mit Expeditionen und Abenteuern zur Erkundung der unbekannten Welt von sehr wagemutigen und tapferen Männern unternommen worden ist. Gut die Erstbesteigung vom Mount Everest von Hillary und seinem Sherpa Tenzing Norway ist im aller Munde. Über die gescheiterten Expeditionen, obwohl sie vielleicht viel mehr Brisant haben, weiß man wenig. Die bekannteste ist wenig bekannt. Am ehesten noch die die Shakelton Expedition, 635 Tage im Eis, von 1914 – 1917. Wer es noch nicht gelesen oder als Hörbuch gehört hat, unbedingt nachholen. Genauso ist dieses Buch. Ich wusste nicht, dass etwas ähnliches 200 Jahre vorher, wohlgemerkt wir schreiben erst die Jahre 1740 bis 1744, schon mal dagewesen ist und bestens über Log- und Tagebücher dokumentiert wurde. Zu der Zeit versuchten die europäischen Länder die neue Welt unter sich aufzuteilen und das hauptsächlich mit militärischen, kriegerischen Mitteln. Portugal und Spanien hatten schon die meisten Länder der neuen Welt für sich okkupiert. England wollte mitmischen und stellt eine Armada zusammen, um die spanische Flotte im Pazifik zu Schaden, aber dafür muss man um das gefährliche Kap Horn, der Südspitze von Südamerika herum. Festgehalten in einem Buch von 400 Seiten in „A Voyage Round the World in the Years 1740 – 1744“.
Yaniv Iczkovits: Fannys Rache
Yaniv Iczkovits Roman ist wie das pralle Leben und ihn auf ein Genre zu reduzieren, würde diesem Werk nicht gerecht werden. Sicher, es ist ein Historienroman, immerhin spielt er im 19. Jahrhundert. Iczkovits ist sogar präzise: die Geschichte beginnt am 8.2.1894, es ist ein Freitag, und ist in 12 Teile gegliedert mit Angabe des genauen Datums. Die Geschichte ist also im zaristischen Russland Nikolai I. angesiedelt. Die jüdische Bevölkerung leidet unter Diskriminierung und Ausgrenzung und die gesamte Bevölkerung unter Ausbeutung, Denunzierung und den Schergen des Zaren – den Agenten der Ochrana, der Geheimpolizei. Da hätten wir dann den Agententhriller. Sie halten die Menschen in Schach, vermuten hinter jedem Baum einen Spitzel oder Attentäter Weiterlesen
dame & dusa, Anna Taube, dame & dusa (Illustr.):Die kleine Qualle auf der Suche nach dem Poch
Es geht ums Herz, ein Kinderbuch das mindern erklärt wer ein Herz hat und wie es schlägt. Ein nicht leichtes Unterfangen weil Lebewesen verschiedener Herzen und Herztöne haben. Sehr schön sind die Grafiken in denen die kleine Qualle auf die verschiedensten Fische trifft und in deren Lebensumgebungen diese Zusammentreffen stattfinden. Die Bilder sind sehr stimmungsvoll und die Kinder achten sehr wohl auf die verschiedensten Fische. Das Poch übt schon einen Reiz aus zu erkunden woher das pochen kommt. Die Suche auf Grund des Meeres ist spannend. Weiterlesen
Carla Berling: Glück für Wiedereinsteiger
Um „Glück für Wiedereinsteiger“ zu haben, muss man erst einmal aussteigen. Und genau das tun Thea – die auch die Rolle der Ich-Erzählerin innehat – und Ronny, Ehepaar seit 40 Jahren, zwar nicht glücklich, aber zufrieden. Plötzlich, in den Vorbereitungen für ihre Mottoparty zum Jahreswechsel stellen sie fest, dass sie Träume haben, die sie nur verwirklichen können, wenn sie getrennte Wege gehen: Thea zieht es in die Ruhe und Weite Neuseelands, während Ronny sich in das pralle Leben in Paris stürzen will. Nun, erstens kommt es anders, zweitens als die beiden denken. Bei aller Planung ruht kein Segen auf ihren Vorhaben. Oder doch? Wie sagte die Oma immer: Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Weiterlesen
Rebecca F. Kuang: Yellowface
Rebecca F. Kuangs neuer Roman “Yellowface“ wird allgegenwärtig gehypt: Autorenkollegen, Kritiker, Blogger, Verlagsmitarbeitende, überschlagen sich in ihrem Lob für diesen – wie er genannt wird – Krimi, denn die Protagonistin June Hayward ist kriminell. Sie ist eine Diebin. Genau genommen ist sie eine kriminelle, diebische, schreibende Opportunistin. Zugegeben, sie veredelt das Manuskript, das sie ihrer auf tragische Weise verstorbenen Autorenfreundin gestohlen hat fast, und hier liegt die Betonung auf fast, bis zur Unkenntlichkeit. Aber: …wer ein Werk oder die Umgestaltung vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich weitergibt… begeht eine Straftat nach dem Urheberschutzgesetz §106 und riskiert eine Freiheitsstrafe Weiterlesen
Die Kriminalistinnen II – Acht Schüsse im Schnee, Mathias Berg
Wie wunderbar, dass die Reihe der Kriminalistinnen weitergeht. Mit ›Acht Schüsse im Schnee‹ stellt Mathias Berg sein zweites Buch der Serie vor. Die Charaktere sind einem mittlerweile vertraut, doch selbst dort sorgt der Autor für einige Überraschungen. Seine Geschichte taucht mit Haut und Haaren in das Jahr 1970 ein. Obwohl Mathias Berg erst 1971 geboren wurde, bewegt er sich in den Siebzigern, als hätte er sie selbst erlebt. Die Atmosphäre der Ruhrgebiet Kneipen, mit ihren Soleiern, Bockwürstchen und typischen Mittagsgerichten sind so authentisch getroffen, wie die Partys, die Mode und die langsam aufflackernde Emanzipation. Auch wenn gerade diese noch am Krückstock ging. Die Handvoll junger Frauen, die das erste Mal bei der Kripo in Düsseldorf eine Ausbildung durchlaufen, habe es nicht einfach. Sexistische Bemerkungen, Übergriffe und ein skeptisch abwertender Blick sind in der Machogesellschaft der Polizei gang und gäbe. Daher müssen Lucia und ihre Freundinnen doppelt so hart arbeiten, um ihre Brillanz zu zeigen. Als der Millionär Ellerbeck in seiner Auffahrt mit acht Schüssen von hinten ermordet wird, ist seine siebzehnjährige Tochter Michaela Zeugin. Ausgerechnet das Mädchen, welches von Polizeianwärterin Lucia Specht in der Nacht zuvor mit falschem Personalausweis aus einem Club geholt und dem Vater übergeben wurde. Michaela will jedoch nur mit Lucia reden und so landet Polizeianwärterin Specht, die mittlerweile ihre Zeit bei der Sitte verbringt, wieder an einem Mordfall.
Ganz toll zu lesen, mit einem Schmunzeln manchmal, wenn von Käseigeln, Pfirsichbowle und Tom Jones die Rede ist. Obwohl der Mordfall sehr spannend ist, wird durch den Zeit- und Lokalkolorit, den Mathias Berg zu zaubern vermag, aus dieses Buch wieder zu so viel mehr, als nur einem Kriminalroman. Bravo! Und da ich jetzt das Ende kenne, weiß ich, der nächste Teil kommt bestimmt!
Gerald Richter, Marian Kretschmer: Die sieben Leben des Stefan Heym (Graphic Novel)
Aus einer Idee wurde ein Buch, das außerordentlich kraftvoll in seiner grafischen Gestaltung und tiefgehend in der Schilderung eines Mannes ist, der in verschiedenen politischen Systemen aufgewachsen und sie schriftstellerisch begleitet hat. Die Bilder begleiten die Texte in unaufdringliche Art und Weise und sind dann dominierend wenn sie die Gefühle der Protagonisten ausdrücken. Einige ganzseitige Bilder könnten auch für sich alleine stehen. Am oberen Rand der Blätter ist eine Zeitschiene zu sehen die die betreffende Periode betreffen. Texte aus den Büchern und Schriften des Schriftstellers Stefan Heym fließen in die bebilderten Texte ein machen das Werk auch für junge Menschen interessant und lesbar. Auch für ältere Leser*innen ist das Buch interessant, weil es die jüngere Geschichte der Menschen beleuchtet und ins Gedächtnis ruft. Weiterlesen
Klaus Späne, Die Toten von Mallorca
Mit dem Regen kommt der Tod, Ein brisanter Kriminalroman im Urlaubsparadies. Mallorca, des Deutschen liebste Urlaubsinsel. Wer noch nie dort war und nur die Berichte vom Ballermann kennt, rümpft die Nase und sagt, dass ist nichts für mich! Ich entgegne, fliege erstmal hin, den Ballermann siehst du gar nicht, wenn du da nicht hin gehst. Genieße die Hotels, die sauberen, sonnigen Strände. Bereise die Insel mit einem Mietwagen, erlebe die unterschiedliche Landschaft und lass dich von dem hervorragenden Essen in den Fincas im Landesinnern verwöhnen. Dann verstehst du, warum so viele, eigentlich schon zu viele, hier Urlaub machen oder warum die Prominenz der Welt hier ihr sehr teures Domizil haben. Genau hierhin hat Klaus Späne seinen Kriminalroman gelegt und geschrieben.
Markus Heitz, Schnitzel Surprise
Knusprig servierte Kochshow-Persiflage. Eigentlich ist Markus Heitz mit Krimi- und Fantasy-Büchern bekannt und berühmt geworden. Nur in diesem Buch „Schnitzel Surprise“ beschreibt er das wahre Leben der Filmindustrie mit den flippigen Charakteren, dem Haschen nach Einschaltquote oder Followern, und den in Schieflage geratenen Köchen, die sich in ihrer Not, um eventuell an etwas Geld zu kommen, um die Schulden abzutragen, vor eine Kamera stellen und sich aufs Peinlichste outen. Viel zu spät erkennen sie, dass eigentlich nur sie auf der Strecke bleiben. Im Visier hat Markus Heitz alle gängigen Koch- und Küchenshows hervorragend parodiert. Mit viel Humor und gelungenen Überzeichnungen hat er uns Lesern eine köstliche panierte Lektüre bereitet. Ohne Fantasie, nur fantasievoll mit nachvollziehbaren Situationen und Dialogen gefüllt. Um die beiden Genres Film/Funk und das Leben in den Küchen zu beschreiben, muss man dort schon mal dabei gewesen sein. Markus Heitz war zeitweilig Besitzer eines Irish Pub und Kochen ist seine Leidenschaft.