Alle Artikel von Elke Rossmann

Was im Dunkeln liegt, Harlan Coben

Über Harlan Coben braucht man eigentlich nicht viel sagen. Ein Thriller Genie, Weltbestseller-Autor und Meister seines Faches, der an die vierzig Bücher geschrieben hat. Seine besondere Stärke sind seine Serien mit außergewöhnlichen Protagonisten. In diesem Fall der Privatermittler Wilde. Ein scheuer, introvertierter Mann, den man als Kleinkind alleine im Wald fand. Nie konnte er klären, wer seine Eltern waren und warum man ihn dort aussetzte. Doch jetzt plötzlich ergibt sich ein Treffer in einer der DNA-Datenbanken, eine Ahnenforschungswebsite, denen er seine eigene DNA zukommen ließ. Die prozentuale Übereinstimmung lässt vermuten, dass er seinen Vater gefunden hat. Doch welche Lawine von Verstrickungen und Todesfällen er damit auslöst, wäre ihm in Traum nicht eingefallen.

Was ich besonders an Cobens genialen Charakteren mag, ist das sie alle ein bisschen schräg sind, jedoch so liebenswert, dass man sich als Leser in die Familie aufgenommen fühlt. Jeder Coben ist es wert gelesen zu werden, doch mit der Wilde-Serie hat der Autor mal wieder den Vogel abgeschossen.

Weiterlesen

Film: Märchen Zwerg Nase – Märchenperlen-

Zwerg Nase, eigentlich konnte ich mich kaum noch an dieses schöne Märchen erinnern. Verfilmt wurde die Geschichte wieder vom ZDF im Rahmen der Märchenperlen und von justbridge entertainment GmbH mit vielen anderen Studios auf DVD und Blue-Ray gebracht. Sehr zu erwähnen ist Mick Morris Mehnert, der den Zwerg Nase verkörpert und Daniel Zillmann, der einen verrückten vom Essen geradezu besessenen Fürsten spielt. Ich kann von den Märchenperlen nicht genug bekommen und wie es mir scheint auch nicht die hervorragenden Schauspieler. Denn man merkt direkt, wie viel Spaß sie beim Filmen haben.

Eine liebevoll gemachter Märchenfilm, der die ganze Familie begeistern wird, von klein bis groß, von jung bis alt!

Weiterlesen

Die Tote im Sturm, Kristina Ohlsson

Der Name Kristina Ohlsson, bedeutet bei Schwedenkrimis garantiere Spannung. So auch der Auftakt für eine neue Serie, die an der Küste zum Kattegat in der Nähe der norwegischen Grenze spielt. Das Besondere an dieser Serie ist wohl, dass August Strindberg ein Aussteiger aus der Stockholmer Finanzwelt als Ermittler eher widerwillig in den Fall gezogen wird. Vor allem weil er kein Polizist, Anwalt oder Privatdetektiv ist. Er kommt nur ausgerechnet in der Nacht in seiner neuen Heimat an, als eine Frau im Sturm vermisst wird. Der Zufall will es, dass er auch noch das Eishaus angemietet hat, in dem anscheinend vor vielen Jahren ein entsetzliches Verbrechen passiert ist.

Wie immer ist der erste Fall sehr spannend. Es ist auch verständlich, dass Kristina Ohlsson ihren neuen Protagonisten und die Umgebung mit ihren zum Teil eigenartigen Bewohnern genau vorstellen möchte. Jedoch hat bei allem Lesevergnügen das Buch meiner Meinung nach mindestens einhundert Seiten zu viel. Es ist immer noch ein super Krimi, keine Frage, aber es hätte wie eine Bombe einschlagen können, mit weniger Längen.

Weiterlesen

Auf Bewährung, Jonas T. Bengtsson

Auf Bewährung ist ein Krimi, den man als dänischen Roman Noir bezeichnen könnte. Eine unglaublich gut durchdachte Geschichte, die das Leben des von Kindesbeinen kriminellen Danny beschreibt. Bei aller Düsternis des Gangsterviertels in Kopenhagen in dem die drei Freunde, Danny, Malik und Christian groß wurden, hat der Autor Jonas Bengtsson die Erzählung in einen so speziellen Schreibtstil verpackt, dass sie fast leicht vor sich her fließt.

Spannend, außergewöhnlich und mitreißend, so muss man diesen Roman klassifizieren. Die Geschichte ist aber auch dunkel, traurig und für behütet aufgewachsenen Menschen schockierend. Exzellenter Krimi, Thriller oder wie immer man „Auf Bewährung“ nennen möchte.

Weiterlesen

Männer und Frauen, Yosano Akiko

Yosano Akiko wurde 1878 in Japan geboren. Eine Frau, die ihrer Zeit und ihrer Kultur lange voraus war. Sie war zu vergleichen mit Anita Augspurg 1857 geboren als Tochter eines Anwalts. Beide Frauen arbeiteten in den Geschäften ihrer Väter. Während Augspurg Juristin, Fotografin und eine Hauptfigur in der Frauenbewegung wurde, war Akikos Leben nicht weniger abenteuerlich. Sie bildete sich bereits in jungen Jahren im Eigenstudium in Literatur der großen Dichter Japans, um in späteren Jahren selbst zu einer Meisterin der Tanka-Gedichte, Essays und Manuskripte zu werden. Wobei für sie Frauenrechte, Frauenpolitik und ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Frau und Mann als das natürlichste der Welt betrachtet wurde.

Eine Stimme die über hundert Jahre alt und dann noch aus Japan so klingt, als ob sie die Welt gestern erst ermahnt hätte, Frauen ihr natürliches gleiches Recht auf alles zu geben, was Männer schon immer für sich eingefordert haben. Ein wunderbares kleines Buch und so passend in einer Zeit, in der Feminismus und Frauenrechte vielerorts wieder mit Füßen getreten werden.

Weiterlesen

Sturmrot, Tove Alsterdal

Wenn man als Polizistin aus der Großstadt zurück aufs Land geht, ist so etwas meist nicht freiwillig. Eira Sjödin muss wieder bei ihrer Mutter wohnen, die langsam aber sicher dement wird. Leider kümmert sich ihr älterer Bruder Magnus nicht um sie, da er mal mit Drogen und Alkohol zu kämpfen hatte. Das Kleinstadtleben einer Polizistin kann langweilig sein, doch als ein alter Mann erstochen unter der Dusche gefunden wird, kommt eine Lawine ins Rollen, die schon bald alles unter sich zu begraben droht. Denn der Mann, der seinen Vater tot auffindet, ist niemand anderer, als der als vierzehnjähriger Junge verurteilte Vergewaltiger und Mörder Olof Hagström. Er soll damals die sechzehn Jahre alte Linda Stavred missbraucht und erdrosselt haben. Man fand jedoch nie die Leiche, auch wenn Olof nach langen Befragungen die Tat gestand. Als Eira die alten Spuren aufnimmt, sieht die ganze Sache etwas anders aus. Und was sie entdeckt, ist alles andere als erbaulich, vor allem für sie selbst.

Der tolle Beginn einer Serie mit einer menschlich komplizierten Ermittlerin, die mehr in den alten Fall verwickelt ist, als sie es möchte. Auch wenn der Thriller vielleicht fünfzig Seiten weniger vertragen hätte, ist es ein sehr spannender Fall, bei dem man immer wieder falsche Vermutungen anstellt. Weiterlesen

Todesrache, Andreas Gruber

Maarten S. Sneijder, der wohl skurrilste Profiler des BKA ist in großen Nöten. Er glaubt, fast alle seines Teams verloren zu haben, vor allem Sabine Nemez, sein Eichkätzchen. Er sah die junge BKA-Beamtin in einem Schiffswrack untergehen. Oder auch nicht? Denn als er gerade aufgeben will, erhält er einen kurzen Telefonanruf und ist sich sicher, das war Nemez. Danach gibt es kein Halten mehr, ein neues Team wir zusammengestellt und die Schnitzeljagd der Suche ihres Aufenthaltsorts beginnt. Gut das Sneijder wenigsten den Interimschef Drohmeier als Verstärkung hat. Zeitgleich werden ein Richter und fälschlicherweise die Freundin der Tochter von einem Campingplatz entführt. Schnell wird klar, das Verbrechen steht im Zusammenhang mit Nemez Verschwinden. Und an der Stelle trifft Sneijder auf den Vater des entführten Mädchens, Kommissar Pulaski aus Leipzig. Damit vereint Andreas Gruber die Protagonisten von zwei seiner Serien zu einem schlagkräftigen Team.

Buch sieben der BKA-Reihe wird mit der Rache-Serie um Kommissar Pulaski gekreuzt, so wie man das schon bei den CSI-Serien im Fernsehen miterleben durfte. Für Fans von Andreas Gruber ein echtes Bonbon. Wer die Pulaski Serie jedoch nicht kennt, erlebt einen siebten Sneijder und wird erleichtert feststellen, dass bestimmt noch ein achter Teil folgen wird. Denn diese Serie ist immer gute Thriller-Unterhaltung.

Weiterlesen

Solothurn blickt in den Abgrund, Christopf Gasser

Bomben in den Briefkästen linker Politikerinnen, ein Brand in einer Frauenrechtsorganisation und die Entführung von Rana Amidi halten Solothurn in Atem. Ausgerechnet die Syrerin Rana ist eine gute Freundin von Pia, der Tochter des Polizeihauptmanns Dornach. Und da Pia sich immer gerne mit ihrem Wagemut in Schwierigkeiten bringt, ist Dornach, die Staatsanwältin Casagrande und sein Team plötzlich mittendrin in den Fällen. Als dann auch noch einer der Kettenhunde der ›Helvetischen Wacht‹, dem Sicherheitsdienst der rechten Fortschrittspartei, ermordet wird, fliegt Dornach ein politisches Donnerwetter um die Ohren. Denn plötzlich geht es um einen skrupellosen arabischen Emir, arabische Diplomaten und deren Killerbrigaden.

Christof Gasser hat aktuell brisante Themen aufgegriffen und zu einem politischen Actionthriller verarbeitet. Denn als Krimi kann ›Solothurn blickt in den Abgrund‹ nicht mehr durchgehen. Neben dem bitteren Sujet der Handlung brilliert Gasser mit liebenswerten Protagonisten, viel Familienwärme und Schweizer Charme. Ein richtig toller Thriller!

Weiterlesen

Nachmittage, Ferdinand von Schirach

Die kurzen Geschichten in dem neuen Band »Nachmittage« von Ferdinand von Schirach sind leise Erzählungen. Auch wenn sie zum Teil von einer tiefen Melancholie geprägt sind, wirken sie weder mutlos noch machen sie den Leser traurig. Es sind Geschichten aus dem Leben, deren Atmosphäre fast greifbar ist und von denen man nicht genug bekommt. So musste ich das Buch, das ich am Abend begann, lesen bis zum Ende und dabei spielte es keine Rolle, dass es tiefe Nacht geworden war.

Es ist sehr tröstlich, dass es noch Autoren gibt, die mit Worten eine gewisse Magie erschaffen können. Und trotz der unglaublichen Beobachtungen, die einen an unserer jetzigen Welt fast verzweifeln lassen, gibt Ferdinand von Schirach Hoffnung mit.

Weiterlesen

Film: Death of a Ladie’s Man -DVD und Bluray-

Death of a Ladies‘ Man, so hieß auch Leonard Cohens fünftes Studioalbum, ein umstrittenes Werk, sowohl von Cohen selbst als auch von vielen seiner Fans beanstandet. So wird wahrscheinlich auch dieser gleichnamige Nischenfilm gesehen werden. Entweder man ist hellauf begeistert, wie ich es bin oder man schüttelt den Kopf. Denn die Geschichte ist bizarr, melancholisch und was den Tod angeht, von einer fast unheimlichen Leichtigkeit. Grandios umgesetzt durch die enorme schauspielerische Leistungen von Gabriel Byrne, der meines Erachtens im Erscheinungsbild große Ähnlichkeit mit Leonard Cohen hat, aber auch von Jessica Paré, der späten Liebe und Brian Gleeson, der den Vater des trinkfesten College-Professors spielt.

So wird nicht nur die Geschichte des sterbenden Ladies‘ Man Samuel erzählt, sie wird auch besungen, von Cohen selbst, denn die Musik seines gleichnamigen Albums ist wie ein weiteres Mitglied des Filmcast. Großartige, skurrile und in ihrer Gesamtfassung fast geniale Filmkunst.

Weiterlesen