Alle Artikel von Elke Rossmann

Das Camp der Unbegabten, Boris Koch, Jugendbuch ab 12 Jahre

Bjarne und Luca sind die allerbesten Freunde und hoffen inständig, endlich eine übernatürliche Begabung zu bekommen. Denn diese zeigt sich bis zum achtzehnten Lebensjahr. Überall auf der Welt werden die Begabten bewundert, ob sie nun fliegen können oder unter Wasser atmen. Sie sind die Stars in den Medien, gehen auf ein besonderes Internat und verdienen sich mit Werbeverträgen eine goldene Nase. Da Bjarne nichts mehr möchte in seinem Leben als fliegen, beschließt er der Begabung ein wenig nachzuhelfen. So steigt er mit Luca, der eigentlich nicht auf eine Begabung angewiesen ist, weil er wahrscheinlich ein Fußballprofi werden kann, auf die Brücke über die Wertach. Siebzehn Meter, also wenn sich dann das Fliegen nicht einstellt, dann weiß Bjarne auch nicht. So springen sie. Bjarne endet mit einem gebrochenen Fuß und Luca mit einer Begabung, der Nachtsicht, die ihm hilft, Bjarne zu retten. Um das alles geistig zu verarbeiten, schickt ein Psychologe Bjarne in ein Camp. Das Camp der Unbegabten, in dem alle die Kids landen, bei denen sich die Begabung nicht einstellt, obwohl sie dafür schon ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Mit anderen Worten: Die Loser!

Das Buch hat mich vom Stil irgendwie an die Fünf Freunde Bücher erinnert nur für etwas ältere Kids geschrieben. Es ist ein fesselndes Abenteuer über Freundschaft, die Erwartungen, die Eltern und andere Menschen an Jugendliche stellen und wie man als Heranwachsender damit klarkommt. Spannendes Jugendbuch mit einer wichtigen Message, nicht nur für coole Kids.

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Später, Stephen King

Spaeter von Stephen King

In meiner Jugend liebte ich es, mich mit Stephen King zu gruseln. Ich war so verrückt auf die Romane, dass ich den Vorabdruck von Friedhof der Kuscheltiere über ein Jahr im Sternmagazin las. Unglaublich! Gibt es Vorabdrucke noch? Eher nicht. Jedenfalls war es dann irgendwann mit der Stephen King-Ära bei mir vorbei. Ich hätte nie geglaubt, dass ich noch einmal einen King in die Hand nehmen werde. Doch wie Sie sehen, habe ich es getan.

Später ist wohl eine Horrorstory, doch man merkt, dass der Autor sie auch später geschrieben hat. Denn sie ist voller Verständnis, voller Gelassenheit, ironisch und manchmal sogar komisch. Außerdem ist sein Protagonist, in Anbetracht des Lebens, das ihn erwartet, bereits als Kind, als Jugendlicher und auch als junger Erwachsener eine total coole Socke. Ganz klar, kommt da die Erfahrung eines älteren Autors durch und genau das war so wahnsinnig reizvoll an Später.

Daher kann ich nur jedem Leser, der Stephen Kind nicht kennen sollte, empfehlen, lernen Sie ihn mit Später kennen. Dann haben Sie vielleicht auch den Mut, sich seine alten Hardcore-Horror-Romane wie Shining und Es vorzunehmen. Sind Sie aber eher von der alten Riege, die jung und damals mutig genug waren, King zu lesen, wird Später einer Überraschung für Sie. Aber keine schlechte!

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Forever Ida, und raus bist du, Alex Pohl, cbt Jugendbuch ab 14 Jahre

Forever Ida – Und raus bist du von Alex Pohl

Neu an einer Schule zu sein, ist eigentlich ein schlimmes Gefühl, besonders wenn man ein Teenager ist. Doch für Adi ist es anders. Sie ist froh ihr altes Leben zurückzulassen. Ausgerechnet an dem Tag, als sie und ihre Familie in das neue Haus einziehen, sehen sie eine Gruppe Jugendliche, die mit hängenden Schultern und schweigsam auf einen Friedhof gehen. Ein Mitschüler, Ahmet, ist gestorben. Allem Anschein nach war es ein Unfall, er stürzte von einer Brücke, als er sie mit Graffiti besprühen wollte. Denn Ahmet war ein begnadeter Sprayer. So tritt Adi ihren ersten Tag in der Schule mitten in einer Tragödie an, denn es ist ausgerechnet ihre neue Klasse, in der Ahmet Schüler war. So lernt sie Ben, Ahmets besten Freund kennen, Bens langjährige Freundin Julia und auch die beiden Außenseiter Lizzie und Kris. Eigentlich gibt es festgeschriebene Gruppen und die beiden Außenseiter gehören nicht gerade zu den hippen Kids wie Ben und Julia. Doch Adi schwebt irgendwie zwischen allen. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, was ihr auf der alten Schule angetan wurde. Es ist mehr als ein Jugendbuch und geht um mehr, als um Mobbing und den „normalen“ zwischenmenschlichen Terror von Teenagern. Es ist ein richtiger Kriminalroman für Jugendliche. Eine gute Geschichte, die Heranwachsenden bestimmt gefällt. Mir missfiel ein bisschen der Stil, der zwischen den Erzählungen der Protagonisten, Polizeibefragungen und Therapiesitzungen hin und her wechselt.

Was mir aber sehr, sehr gut gefallen hat, waren die Notrufnummern am Ende des Buchs. Dort sind die E-Mail-Adressen und Telefonnummern von der Nummer gegen Kummer, der Telefonseelsorge und auch JUUUPORT angegeben, an die sich Jugendliche wenden können, wenn sie Hilfe in ausweglosen Situationen brauchen. Eine grandiose Initiative!

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Film: Corpus Christi, DVD und Blu-Ray

Selbst als Verurteilter im Jugendknast kann man den tiefen Wunsch hegen, Priester zu werden. Aber für Daniel ist dieser Weg mit seinen Vorstrafen verschlossen. Als er in der Kleinstadt ankommt, in der er in einem Sägewerk arbeiten soll, reitet ihn der Teufel und er gibt sich als Priester aus. Ein Glück für die Gläubigen, denn ihr Pfarrer fällt wegen Krankheit oder besser gesagt Trunksucht erst einmal aus. So fängt Daniel an nicht nur zu predigen, er geht auf die Menschen zu und bewirkt plötzlich Vergebung, Nächstenliebe und Solidarität.

Eine dramatische Komödie oder eher ein komisches Drama? Auf jeden Fall ein genialer Film und als polnische Produktion sehr mutig. Denn an der katholischen Kirche wird nicht unbedingt ein gutes Haar gelassen. Da hat der Ex-Knacki,  als Möchtegernpriester mehr Herz, als die wahren Pfaffen und vor allem stellt er sich nicht auf ein erhabenes Podest. Er predigt für und mit den Leuten auf Augenhöhe und verheimlicht nicht, dass auch er ein Sünder ist. Doch egal wie gut etwas auch sein kann, die Vergangenheit holt jeden Menschen einmal ein, auch die Heiligen unter den Scheinheiligen.

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Generation Beleidigt, Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei, Caroline Fourest

Bravo Madame Fourest! In der Manier von Charlie Hebdo, für die diese Autorin gearbeitet hat, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Die Autorin nennt ihr Buch: Eine Kritik! Und das ist sie bestimmt, denn man merkt im Buch nicht nur die Wut von Caroline Fourest. Als verantwortlicher Leser steigt einem beim Lesen die eigene Wut im Bauch auf. Die Wut über die „Generation Beleidigt“.

Eine Generation, die mit sozialen Medien groß geworden ist und sich zu einer Meute von Inquisitoren entwickelt hat. Die mit falsch verstandenem Antirassismus jedem, der einen Diskurs führen möchte, ja sogar Kulturen einander näher bringen möchte, einfach den Mund und die Tat verbietet. So müssen sich Künstler, Universitätsprofessoren und Menschen, die schon immer Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie bekämpften, sich als rassistisch und islamophob beschimpfen lassen.

Caroline Fourest entlarvt durch Fakten. Sie zeigt die unsinnigen Aktionen, Schmähungen und Boykotte, der neuen sogenannten Gutmenschen im Detail auf. Sie spricht über die zum Drama hochstilisierte kulturelle Aneignung, die sie als neue Gotteslästerung bezeichnet. Rechnet ab mit der identitären Linken, der Studentengewerkschaft UNEF, die sich zum Vehikel von Extremisten und Separatisten machen lassen. Und anstatt die Jugend vor dem Leichtsinn des unüberlegten Hinterherlaufens zu schützen, bestärkt die identitäre Linke ihren Fanatismus.

Ein gutes Buch, das ungeschönt einfach ausspricht, was die Autorin tagtäglich sieht und erlebt. Ein wichtiges Buch, da es ein Augenöffner ist und uns alle auffordert, mutig zu sein. Zitat Caroline Fourest: Diese Tyrannei der Beleidigung erstickt uns. Es ist Zeit, Luft zu holen und von neuem zu lernen, die Gleichheit zu verteidigen, ohne der Freiheit zu schaden.“

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Things from the Flood, Simon Stålenhag, -Illustrierter Roman-

Dystopie: fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung oder Ähnliche mit negativem Ausgang. (Duden Definition)

Things from the Flood ist der Nachfolgeband von Tales of the Loop. Die fiktionalen Erlebnisse einer Kindheit auf den Mälarinseln in Schweden. In unmittelbarer Nähe des unterirdischen Teilchenbeschleunigers The Loop, der von der Firma Krafta geführt wurde und in einem Desaster endete. In Things from the Flood werden aus Sicht eines heranwachsenden Jungen die anschließenden Jahre nach Stilllegung des Teilchenbeschleunigers berichtet. Als der Loop plötzlich leckschlägt, die Wassermassen sich durch die unterirische Anlage ergießen und durch die Schächte zur Oberfläche drängen. Häuser stehen unter Wasser und mit dem Wasser kommt eine Krankheit, die Maschinenkrebs oder auch Virus genannt wird.Dabei erzählt Simon Stålenhag seine Dystopie aus dem fiktionalen 1990er Jahren, durch die Augen eines Teenagers mit einer erschreckenden Normalität.

Ein ganz irrer, faszinierend illustrierter Roman, den man mit dem Text und den Zeichnungen zusammenlesen muss. Die Illustrationen in dem Buch hauen einen einfach um. Sie sind erschreckend schön und von realer Künstlichkeit. Ein Buch, das man einfach besitzen möchte, um immer wieder darin zu blättern.

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Trick Mirror, Über das inszenierte Selbst, Jia Tolentino

„Das Internet wurde mit seinem Versprechen, ein potenziell grenzenloses Publikum zu erreichen, immer mehr zum natürlichen Habit der Selbstdarstellung.“ So fängt die überaus kluge Autorin, ihr Kapitel, Das Ich im Internet, an. Jia Tolentino beobachtet, nicht nur skrupellose Vertreter der Millennium-Generation, für die Betrug als der schnellste Weg zum Sieg gilt. Sie sagt auch ganz klar, dass die beiden prominentesten Familien der USA in Politik und Kultur – die Trumps und Kardashians – es an die Spitze der Nahrungsquelle geschafft haben, weil sie erkannten, wie wenig Substanz es braucht, um das eigene Ich als endlose Geldquelle zu vermarkten. Aber sie beobachtet nicht nur die anderen, sie hält sich den Spiegel selbst vor, denn auch sie ist nicht gefeit vor der stetigen Selbstoptimierung, die vor allem von Frauen verlangt wird. Sie beleuchtet den Kult, der um schwierige Frauen gemacht wird und die Falle mit dem Hochzeitswahn in ihrem Land.

Jia Tolentino eine junge Frau Anfang dreißig, die mit ihren hochintelligenten Essays nicht mahnend den Finger hebt, sondern sich damit ertappt auf die Brust klopft. Denn sie behauptet von sich selbst, internetsüchtig zu sein. Heute beschäftigt sie sich daher kritisch mit den Auswirkungen der Web-Besessenheit auf die Realität und den Zeitgeist. Das Buch ist ein echter Augenöffner und scharfsinnige Leseunterhaltung!

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Professor Albert und das Rätsel des Universums, Kindersachbuch ab 8 Jahren

Alle Galaxien, alle Schwarzen Löcher, alle Sterne, alle Planeten, Asteroiden, Kometen, Felsen, Staub, Geschöpfe, Menschen, Atome, Teilchen, Licht…, absolut alles was wir kennen (und noch nicht kennen), nennen wir Kosmos oder Universum. So fängt das neue Kindersachbuch an, unser Universum zu erklären. Und wie immer aus der Reihe Professor Albert und … ist es ein grandioses Bild und Textbuch. Es ist ab acht Jahre, aber ich muss schon sagen, für echt kluge Achtjährige!

Es erklärt kindgerecht mit Zeichnungen, bunten Bildern, aber auch technischen Skizzen, was Gravitation ist, warum Masse Raumzeit krümmt und was der Urknall war. Lernen kann man wie Sterne entstehen, klassifiziert sind und auch vergehen. Vom Schwarzen Loch über das Wurmloch ist alles in diesem wunderbaren Buch enthalten. Eine absolute Kaufempfehlung, doch ich würde vorschlagen, es gemeinsam mit ihrem achtjährigen Kind zu lesen, denn auch Sie werden davon partizipieren.

Ein großartiges Lehrbuch, das einfach Spaß macht. Zum Vorlesen und erklären, aber auch für die besonderen kleinen Einstein-Genies zum selber entdecken. Weiterlesen

Und dann kam Juli, Petra Eimer, Kinderbuch ab 8 Jahre

Pferde sind was für Mädchen und eigentlich für nichts nütze. Das ist die Meinung von Paul, der mit seinem Freund Max in seinem Garten eine tolle Bude hat, ihr Banden-Hauptquartier. Da haben Mädchen nix zu suchen und Pferde schon gar nicht. Nur was soll man machen, wenn einem plötzlich ein Pferd zuläuft. Kein Hund, den man sich schon lange gewünscht hat, es muss, ausgerechnet ein Pferd sein. Ein graues, dickes, hässliches Pferd, das in kürzester Zeit nicht nur den Garten, sondern das Hauptquartier und auch noch Paul völlig in Anspruch nimmt. Da helfen nur drastische Mittel wie verschenken oder Abschiebung. Und als Juli auch noch Pauls nagelneue megatolle Hammer-Turnschuhe frisst, erklärt er dem Pferd den Krieg. Aber …

Da soll noch mal einer sagen, Pferdebücher sind etwas für Mädchen. Weit gefehlt, denn in diesem wunderschön illustrierten Kinderbuch geht es um Paul und sein Pferd Juli, das er anfänglich überhaupt nicht haben will. Eine süße, supercoole Kindergeschichte, in der es um Jungen, Freundschaft, Mädchen, Zöpfe, nervige Eltern und ein Pferd geht.

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Keine Bibel, Christian Nürnberger

Es ist nicht so einfach, dieses Buch neutral zu besprechen. Doch als agnostischer Atheist also als so etwas wie ein toleranter Nichtgläubiger, kann ich die Bibel oder Heilige Schrift und ihre Geschichten erst einmal ohne große Kritik sein lassen, was ich glaube, dass sie sind: sehr alte Erzählungen unserer Vorfahren.

Und da kommt Christian Nürnbergers Buch ins Spiel, denn er erzählt die alten Geschichten neu, in der heutigen Sprache, viel leichter verständlich als das Original und auch ab und zu mit einem Augenzwinkern. Daher wird das Buch dem Klappentext gerecht, denn es  besonders für Wiedereinsteiger in die Bibel ideal.

An der Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass Christian Nürnberger mit seinen Zwischenrufen, zu einigen der Kapitel, wie zum Beispiel, Wie seltsam ist das denn? Wer soll das alles glauben?, eine eigene Wertung und eigene Interpretationen der Bibel vornimmt. Auch wenn aus dem Nachwort ganz klar hervorgeht, dass der Autor das in wirklich guter und moralischer Intension tut, die unsere moderne Welt mehr braucht denn je. Empfehlen kann ich dieses Buch für Menschen die sich bereits einmal mit dem Inhalt der Bibel und auch mit dem christlichen Glauben beschäftigt haben. Dann ist es sehr interessant, die alten Geschichten neu zu lesen. Und so kann man sich seine eigenen Gedanken zu den Kapiteln zu machen und muss auch nicht unbedingt immer den Interpretationen des Autors folgen.

Ein überraschend modernes Buch über die wohl älteste Geschichte der Welt!

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