Alle Artikel von Elke Rossmann

Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.

Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.

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Ein Versprechen aus dunkler Zeit, Ian Rankin

Ich muss zugeben, Band 23 des mittlerweile pensionierten schottischen Ermittlers DI John Rebus war meine erste Begegnung mit ihm und auch Autor Ian Rankin. Und obwohl in Rente gegangene Detectives immer etwas leicht Depressives haben, ist es ein sehr solider, unglaublich gut geschriebener Krimi. Man merkt Ian Rankin einfach an, dass er über Jahre hinweg als Autor weiß, was er tut. Ein Bestseller geschrieben von einem internationalen Bestsellerautor. Und obwohl Rebus anscheinend dafür bekannt ist, sich an einem Fall wie eine Bulldogge festzubeißen, geht es hier um mehr.

Es ist ausgerechnet seine Tochter, um deren Hals sich die Schlinge des Mordverdachts immer enger zuzieht. In dem Fall ist Rebus jedes Mittel recht, denn er hat an seinem Kind einiges gutzumachen!

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Wer ohne Sünde ist, Asa Larsson -Rebecka Martinsson letzter Fall –

Die Rebecka Martinsson Thriller sind nicht nur extrem spannend, sie sind auch immer dunkel, weil sie die schwärzesten Abgründe der menschlichen Existenzen ausleuchtet. Und so endet die Serie, um die Staatsanwältin Martinsson in der nördlichsten Stadt Schwedens auch. Alle im Team der Kripo und Staatsanwaltschaft sind angekratzt. Einer musste in Pension gehen, wo er nicht hingehört. Der Pathologe ist todkrank, Rebecka völlig durcheinander, wegen Krister und weil ihr Erzfeind von Post ihr Interim-Chef wird. Da findet man zwei Leichen auf einer abgelegenen Insel. Henry der alte Säufer scheint eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Doch in seiner Kühltruhe liegt ein Mann, der seit 1962 vermisst wird und der hat eine Kugel im Kopf. Obwohl der Mord verjährt ist, kümmert sich Rebecka darum. Denn er ist der Vater eines Olympiagold-Boxers, eines schwedischen Helden, und Henry gehörte mal zu der Familie, die Rebeckas Mutter großzog. Aber selbst Rebecka kann nicht ahnen, dass sich die Ereignisse bald überschlagen und noch viel mehr Leichen auftauchen.

Eine großartige Serie, die mit einem sehr dunklen Buch endet. Hier kann man nur Stück für Stück lesen, um nicht in von der düsteren Atmosphäre Kirunas erdrückt werden. Aber weglegen ist keine Alternative. Ein toller unheimlicher und spannender Thriller

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Als das Böse kam, Ivar Leon Menger

Eine kleine Insel im Nordland. Ein Bunker unter im Keller und Notfallübungen, falls die Fremdlinge kommen. So existiert die Familie seit Juno, mittlerweile sechszehn, denken kann. Mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder Boy lebt sie in ständiger Angst. Selbst der alte Onkel Olé, der ihnen jeden Montag die Post bringt, darf die Kinder nie zu Gesicht bekommen. Denn damals, als Juno klein war, hat Vater gegen gewaltige Menschen ausgesagt und steht seitdem auf der Todesliste. Doch dann entdeckt Onkel Olé Juno am Wasser. Kurz darauf rudert Vater auf die andere Seite des Sees und kommt schwer verletzt zurück. Hat Juno ihr Geheimnis gefährdet, kommen die Fremdlinge jetzt?

Das Roman Debüt des versierten Autors von Hörspielen ist ein spannender Thriller, der mit vielen Wendungen glänzt und keine Gefangenen macht.

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Iryna muss in ein fremdes Land, Pixibuch, Ingo Siegner – Buch-Projekt des Kinderheims Kleine Strolche zur Integration von Kindern auf der Flucht

Letztes Jahr vor Weihnachten hatten wir schon von dem gemeinsamen Buchprojekt von Ingo Siegner, dem Kinderheim Kleine Strolche und dem cbj Verlag berichtet. Damals ging es um ein kleines Pixibuch, das Kindern den Einstieg in ein Heim erleichtern soll, mit dem Titel: Matti wird ein kleiner Strolch.

Jetzt erschien ein neues Pixibuch wieder als gemeinsames Projekt, dass Kinder auf der Flucht aus der Ukraine Mut machen soll. Es sind vor allem die wunderschönen Zeichnungen und sehr kindgerechten Texte, die Flüchtlingskindern ein wenig helfen sollen zu verstehen, was gerade mit ihnen in dem fremden Land passiert. Das Büchlein erschien sowohl mit deutschem als auch ukrainischem Text. Aber es geht nicht nur um das Bärenmädchen Iryna, das vor dem Krieg flüchten muss.  Auch Ulf, das Eisbärkind musste den Nordpol verlassen, weil das Eis schmilzt. Das Elefantenmädchen Elli, weil Wilderer die Elefanten erschießen und auch Archie der kleine Koala, weil es in seiner Heimat immerzu brennt. Doch gemeinsam können die kleinen Tiere ein neues Zuhause im heimischen Wald finden. Eine geradezu anrührende Geschichte, voller Hoffnung. Ein großartiges Projekt, das auch dank eines Unternehmers, der den Druck und Versand von 50.000 Exemplaren finanzierte, zustande kam.

Wenn Sie liebe Leser unseres Stadtmagazins ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten möchten, können Sie als Privatperson das Büchlein für 12,00 Euro unter folgenden Link bestellen:

https://kinderheim-kleine-strolche.de/kinderbuch-ukraine

Organisationen wie Schulen und Kindergärten können unter dem gleichen Link kostenlos bestellen, solange der Vorrat reicht.

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Ancora, Colin Hadler, Jugendbuch ab 13 Jahre

Ein Mystery-Thriller für Jugendliche mit einem sehr interessanten Grundthema, dass man eigentlich noch viel besser hätte ausbauen können. Doch Colin Hadler ist noch ein sehr junger Autor, der gerade erst richtig mit dem Schreiben angefangen hat. Auch wenn Ancora noch nicht das Kaliber von den Tributen von Panem oder Twilight hat, so ist es doch ein spannendes Jugendbuch mit ausgesprochen sympathischen Figuren. Eine klare Leseempfehlung.

Wir werden bestimmt in der Zukunft noch viel von Colin Hadler lesen!

 

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Blutrote Tulpen, Ibon Martín

Aufgrund der schrecklichen Ermordung einer Radioreporterin wird eine spezielle Polizeieinheit im Baskenland gegründet, die Unidad Especial de Homocidios de Impacto, deren Chefin Ana aus Gernika wird. Sie und ihr junger Kollege Aitor bilden zusammen mit der Kommissarin Julia, der Psychologin Silvia und einem eher unangenehmen, arroganten Zeitgenossen von Interpol, Txema, das Team. Die Arbeit lässt nicht auf sich warten, denn schon bald gibt es eine zweite Tote. Eigentlich nahm man an, dass die ältere Dame aus dem Fenster fiel, bis auch bei ihr eine Tulpe gefunden wird, genau wie bei der Reporterin Natalia. Das Morden geht weiter, bis eine Spur in die Vergangenheit zu einem Kloster führt, indem die Nonnen aber wenig kooperativ sind.

Spannende Unterhaltung aus dem Baskenland, mit komplexen Hintergründen. Ein toller Thriller, der richtig gerockt hätte, wenn der Autor sich 100 Seiten gespart hätte. Doch das schmälert die Geschickte keineswegs.

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Richter morden besser, Thorsten Schleif

Siggi Buckmann seines Zeichens Richter beim Amtsgericht, hat seinen Idealismus, die Welt zu verbessern, bereits seit einiger Zeit vor dem Gerichtssaal abgelegt. Bürokratie und Berufungsverfahren, die seine Urteile aufheben sind an der Tagesordnung. Die üblen Kerle kommen immer wieder davon. Als jedoch der heroinabhängige Obdachlose Fredi an einer tödlichen Mischung stirbt, werden Siggis juristische Lebensgeister noch einmal geweckt. Denn Fredi hat einmal etwas für den Richter getan, dass der ihm niemals vergessen wird. So startet er mit einem befreundeten sehr fähigen Drogenfahnder, einem Oberstaatsanwalt und seinem türkischstämmigen Referendar ein fast aussichtsloses Unterfangen. Er will den Clan-Chef der örtlichen Drogenmafia drankriegen. Wer kann schon ahnen, dass er damit das Leben seiner Freunde und auch seiner eigenen Familie gefährdet. Doch aufgeben ist nicht, zur Not greift man zum letzten Mittel, denn wenn ein Richter nicht weiß, wie man mordet, wer dann?

Das Buch ist nicht nur spannend mit einem sehr präsenten und ernst-traurigen Hintergrund, es schafft den Balanceakt, dabei auch noch triefend ironisch und witzig zu sein. Thorsten Schleif kann schreiben und die Leichtigkeit seiner Geschichte verliert nie die Brisanz, wenn es um das teils marode deutsche Rechtssystem und die Macht von kriminellen Clans geht. Ein großartiger neuer Romanautor betritt die deutsche Krimiszene!

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Stiller als der Tod, Dario Correnti

Eher ein unaufgeregter Krimi als ein Thriller und das passt auch so viel besser zu den beiden Protagonisten. Denn Marco Besana und Ilaria Piatti, die beiden Kriminaljournalisten sind eher die typischen Antihelden. Besana ist bereits in Rente und nur noch als freier Journalist unterwegs und Ilaria hängt mehr oder weniger ohne Vertrag und Anstellung in der Luft. Doch beide sind scharfe Hunde, wenn es um Mord geht. So ist der Tod eines betuchten Italieners in der Schweiz, ein gefundenes Fressen für sie. Denn die beiden glaube keine Sekunde, dass er ein Fressen für den Bären wurde, dem man diesen Tod anlastet. Vielmehr scheint er zu einer weiteren Reihe von Giftmorden zu gehören, denen die beiden Journalisten immer näherkommen. Leider auch privat!

Gute und spannende Unterhaltung, ohne viel Schnickschnack und Aktion. Ein echt solider und lesenswerter Krimi.

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Am Ende der Unschuld, Silke Ziegler

Es ist definitiv ein Krimi, auch wenn es wie ein Thriller anfängt. Wer es aber eher sanft liebt und zwischendurch mal tief Luft holen will und seufzen mag, weil die Liebe ja so schön ist, der ist hier genau richtig. Milla ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin bei einem kleinen Käseblatt in Frankfurt. Außerdem ist sie gerade im Begriff, sich von ihrem untreuen Ehemann scheiden zu lassen. Als Millas Chefredakteur ihr anbietet den Vergewaltiger und Mörder Robert Hoffmann im Pariser Gefängnis zu interviewen, sagt sie sofort zu. Der ehemalige deutsche Star am Journalistenhimmel wurde zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes an seiner Verlobten, der Schauspielerin Simone Dubois verurteilt. Obwohl er gegenüber der Presse immer geschwiegen hat, will er jetzt nur mit Milla reden.

Krimiunterhaltung, die einem das Herz nicht schneller schlagen lässt, es sei denn, man fährt auf knisternde Gefühle und in der Luft liegende Erotik ab. Gute Unterhaltung für einen oder zwei verregnete Urlaubstage. Und dann lassen Sie sich mal überraschen, ob man das Buch dann wirklich auch mit einem weiteren Seufzen zuschlägt.

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