Alle Artikel von Stephan Schwammel

Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Es erstaunt immer wieder, welche Themen man in einem Kriminalroman behandeln kann. Im vorliegenden historischen Kriminalroman geht es um die neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven im Jahre 1824. Diese Zeit war geprägt von der Regentschaft des Fürsten Metternich der mit seinem Bespitzelungssystem versucht hat die Freiheitsbestrebungen im Keim zu ersticken. Nach der französischen Revolution und Kaiser Napoleon hatten die Menschen den Geruch der Freiheit geschnuppert und wollten von diesem nicht mehr lassen. Beethoven hat mit diesen Freiheit Gedanken gespielt und sie in Musik übersetzt. Deutlich besonders Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ zu der er geniale Musik komponierte. Dem Autor gelingt es der Leserschaft zum einen die Musik näherzubringen und zum andern die Gedankenwelt der rebellischen Jugend zu schildern. Weiterlesen

BLITZSAUBER: Krimis der Mörderischen Schwestern

In Zeiten des Lockdowns werden Wohnungen entrümpelt und in einer Weise geputzt die man früher nicht für möglich hielt. Aber wenn mörderische Schwestern entrümpeln und putzen ist schon mal ein unordentliches männliches Wesen mit dabei. Den Schwestern gelingt es immer wieder neue Aspekte des Entrümpelns zu kreieren die trickreich und effektiv sind. Krimiunterhaltung in kurzen Geschichten die spannend und unterhaltsam sind beinhaltet dieses kleine Büchlein. Lesenswert!

 

 

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Amber & Berg: Venusfluch. Auf den Trümmern von Berlin

Das Überleben im Berlin von 1949 ist manchmal eine Glückssache. Durch die rasende Zunahme von Geschlechtskrankheiten grassiert die Syphilis. Das Gegenmittel das Penicillin wurde gerade erst erfunden und die Herstellung ist sehr schwierig. Dementsprechend ist das Mittel sehr knapp. Nur wenige und, und die die es sich leisten können werden behandelt. Der Schwarzhandel blüht und einige verdienen prächtig daran. Das ist die Situation in der die Ermittler in eine Klinik gerufen werden von deren Dach ein Mediziner gefallen ist. Mord oder Selbstmord? Ein Spannungsfeld entsteht auch durch die Personen der Ermittler von denen einer ein Exil deutscher Polizist ist der bei Scottland Yard gearbeitet hat. Weiterlesen

Max Giermann, Katharina Greve, Til Mette, Simon Pierce und Hong Le.: „Satire gegen Rechts“

Am 9. Mai 2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Die Geschichte von Sophie Scholl und der „Weißen Rose“ ist auch über 75 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod immer noch von Bedeutung. In Zeiten, in denen Anhänger*innen der „Querdenken“-Bewegung sich selbst mit Widerstandskämpferin Sophie Scholl oder mit Anne Frank vergleichen und diese für ihre kruden Verschwörungstheorien instrumentalisieren, sind wir alle umso mehr dazu angehalten, uns gegen rechtes Gedankengut zu positionieren. Der Lappan Verlag hat 25 Künstler*innen gebeten, Stellung zu beziehen: Entstanden ist „Satire gegen Rechts“, eine Anthologie humoristischer Kunst gegen Rassismus, Faschismus und Diskriminierung mit Cartoons, Karikaturen und Texten. Weiterlesen

Annegret Held: Eine Räuberballade

Ein lebenspraller Roman, der uns in die Jahre um 1790 entführt und das dörfliche Leben im Westerwald in unnachahmliche Weise schildert. Es erinnert an das Decamerone des Giovanni Boccaccio in der Schilderungen des Lebensgefühls und des erotischen Umgangs zwischen den Geschlechtern. Es ist das Westerwalddecamerone der Annegret Held. Was man spannend und herzhaft lachen macht, ist die mundartliche Ausdrucksweise bei der man sich die Wörter laut vorlesen muss um deren Inhalt zu verstehen. Der Dialekt ist schon sehr speziell, wie die Westerwälder. Dass diese Räuber damals aber eine Plage waren, die Bauern und die Händler ausgeplündert haben wird auch deutlich. Mit Sicherheit wird eine Lesung mit der Autorin den Spaß dieses Buches noch deutlich erhöhen. Wun eysch des Erläwe könnt! Weiterlesen

Langroth: Die Akte Adenauer

Es gibt nur wenige Menschen die in der jungen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland so bestimmend für den neuen politischen Kurs waren wie Konrad Adenauer. Der „Alte aus Rhöndorf“ war kein politisch unbeschriebenes Blatt und saß in der Nazizeit teilweise im Gefängnis. Auf ihn und seinen strammen antikommunistischen Kurs setzten die Amerikaner. Dass sie dabei auch ihre wirtschaftlichen Interessen im Auge hatten und durch geheime Zusatzabkommen den politischen Kurs im geheimen steuern konnten, all dies verarbeitet der Autor in diesem Kriminalroman. Der Roman macht vieles deutlich was so öffentlich selten ans Tageslicht kommt. Die Unterstützung der Amerikaner für militante Antikommunisten war besonders deutlich in den Terrorgruppen in der DDR. Weiterlesen

Phil Hubbe: Zeugen der Inklusion

Das neueste Werk von Phil Hube zeigt wieder deutlich, wie man sich mit dem Thema Behinderung und Inklusion auseinandersetzen muss oder kann. Mitleid oder moralinsaure Statements sind völlig fehl am Platz. Mit seinen Cartoons bringt er die Diskussion immer wieder auf den richtigen Punkt. Ein Glanzstück ist das Cartoon, indem er die Sendung „Bares für Rares“ in den Fokus nimmt und so ad absurdum führt. Ein Vorwort eines Paralympic Teilnehmers ist sehr erhellend.

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Axel Springer, Lars-Broder Keil: Das besondere Bild

Fußballer Uwe Seeler mit hängendem Kopf nach der WM-Niederlage, Revolutionär Fidel Castro entspannt mit Zigarre in den kubanischen Bergen, Bundeskanzler Helmut Schmidt vertraut mit seiner Frau Loki beim Schach: Augenblicke festzuhalten, die eine Geschichte erzählen und selbst Geschichte werden, sind ein Glück für jeden Fotografen. Sven Simon (1941–1980) ist das gelungen. Unaufdringlich, uneitel, aber stets fokussiert, ging der älteste Sohn des Verlegers Axel Springer mit der Kamera auf die Suche nach dem besonderen Bild und, weil er wie sein Vater hieß, mit einem Pseudonym, um er selbst zu sein. Zu seinem 80. Geburtstag erinnert dieser Bildband an den preisgekrönten Journalisten, lädt aber auch zur Neuentdeckung ein. Über ihn schwärmten selbst Kollegen: „Er ist kein Fotograf, er ist ein Bildhauer.“ Weiterlesen

Lutz Wilhelm Kellerhoff: Teufelsberg (Wolf Heller ermittelt 2)

Es ist eine Zeitreise, auf die uns die drei Autoren nehmen. Die ausgehenden sechziger Jahre in Berlin waren eine spannende Zeit und eine Zeit des Umbruchs. Eine echte Revolution in Deutschland hat damals noch nichtstattgefunden. Es war die Zeit in der die Kinder ihre Väter intensiv nach deren Verhalten im Krieg gefragt haben und selten eine ehrliche Antwort bekommen haben. Es war die Zeit als alles, aber auch alles hinterfragt wurde und dabei auf richtigen Widerstand der Bourgeoisie gestoßen ist. Diese ganze Atmosphäre transportieren die Autoren inmitten einer spannenden Agentengeschichte, die all diese Fragen manchmal in harter Konsequenz anspricht.

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Christian Linker: Toxische Macht

Das Buch ist eine absolute Überraschung. In der dritten Welle der Pandemie zeigt es uns in geradezu unglaublicher Art wie die nächsten Monate vor der Bundestagswahl und danach ablaufen werden und abgelaufen sind. Es ist kein Sachbuch sondern ein Roman der sich an den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in unserer Republik orientiert. Menschen die nach vorne blicken haben es schon lang begriffen, dass es so wie es bislang war ökologisch und ökonomisch nicht mehr so weitergehen kann und darf. Daraus entwickelt der Autor romanhaft und seherischem Weitblick ein Szenario zur Gründung einer neuen Partei, die absolut durchschlagend ist. Es ist ein Fahrplan zur Übernahme von Regierungsverantwortung. Was dieses Buch besonders ausmacht ist die intelligente Auseinandersetzung mit dem „weiter so“oder einem radikalen Umdenken der sich auf ökologische Notwendigkeiten konzentriert. Weiterlesen