
Im dritten Band über die Verwicklungen des Amtsrichters Siggi Bruckmann mit dem politischen und organisierten Verbrechen geht es richtig zur Sache. Nicht nur, dass Siggi zur Hochzeit seiner Ex nach Malle muss, seine Freundin und Journalistin Robin begleitet ihn. Er ist zwar glücklich mit der neuen Liebe, doch die lässt nicht locker und stochert immer noch in einem alten Mord herum, der mit Siggi viel zu tun hat. Immerhin ist er so etwas wie ein Nebentäter und sich seiner Rolle als quasi Mörder sehr klar. Als der Richter dann auch noch den Sohn von Bandenchef Yildiz, denn er unwissend zu einem Mord angestiftet hat, ins Gefängnis schickt, werden die Probleme größer. Denn anscheinend will jemand Siggi töten. Ein BMW ohne Nummernschilder versucht ihn zu überfahren, dann landet ein Blumentop aus großer Höhe nur Zentimeter neben seinem Kopf und besagter BMW scheint ihn auch noch zu verfolgen. Es könnte Yildiz sein, oder die Russische Mafia, der er mit der Aufdeckung eines Immobilienschwindels sehr schadete. Vielleicht sogar Ministerpräsident Laak, dessen Sohn sich im Rahmen der Ermittlungen das Leben nahm. Als Siggi mit seiner alten Freundin Richterin Paula Hellrich, die gerade über den Fall des Russischen Mafiaboss verhandelt, essen geht, fallen dann die tödlichen Schüsse. Richter sterben nun einmal besser.
Witzig, spannend und ironisch bis zu den Satzzeichen! Es ist einfach eine herrliche Reihe. Und der Cliffhanger beruhigt mich, denn Teil vier steht uns ins Haus.



Auf der Rückseite wird der Roman von der Presse als ebenso gewalttätig wie zärtlich beschrieben. Und es stimmt, gefühlsmäßig beinhaltet die Geschichte wirklich alles. Es sind scharfkantige und dennoch liebenswerte Personen, es geht um tiefe Liebe und ebenso tiefen Hass, um Verlust und Wiederfinden. Was aber diesen Roman so einzigartig macht, ist der Spannungsbogen, der bis zur letzten Seite straff gehalten wird. Denn man kann Alma der Protagonistin irgendwie nicht trauen. Ist sie eine Mörderin oder ist sie derart dement, dass sie nur Fantasien hat? Und um diese geniale Geschichte zu erzählen, braucht die Autorin nur ein Haus in einer Sackgasse und ein Ehepaar, Alma und Otto.
Nach den ersten Zeilen dachte ich recht schnell an Babylon Berlin, die erfolgreich verfilmte Serie nach den Büchern von Volker Kutscher. Doch I.L. Callis rückt bei ihrem Kriminalroman viel stärker die Frauenrollen in den Vordergrund. Die Hauptrolle spielt die junge, attraktive Journalistin Anaïs Maar. Aufgewachsen in wohlhabenden Verhältnissen, erfuhr sie Bildung und Umgangsformen. Auch wenn Josefine Baker gerade in den Revuen Furore macht, ist Anaïs Leben in Berlin von 1927 nicht immer einfach, denn auch sie ist schwarz. Um ihren Frustrationen Platz zu machen, boxt sie leidenschaftlich, was ihr Sicherheit und Mut gibt. Diese Zivilcourage bemerkt auch ihr Redakteur und beauftrag sie, über die Serie von Prostituiertenmorden zu schreiben. Der Ripper von Berlin steht Jack the Rippen in nichts nach. Er ist ähnlich grausam und auf eine mysteriöse Weise unsichtbar. Jedoch zieht Anaïs mit ihren Artikeln den Psychopathen in ihren Bann und unterschätzt die Gefahr.
Wenn man schon etwas länger auf der Welt weilt, weiß man, dass es Geschichten gibt, die alle Jahrzehnte wieder neu verfilmt werden. So wird behauptet, ›Die drei Musketiere‹ wurden bisher über fünfzig Mal verfilmt. Meine Lieblingsverfilmung war der Dreiteiler aus den siebziger Jahren mit einem unvergesslichen Michael York als D’Artagnan, Richard Chamberlain als Aramis und Faye Dunaway als bitterböse Milady de Winter. Damals etwas gestelzt und zu sauber verfilmt, aber ich habe die Filme dennoch geliebt.
Was die Neuverfilmung, die ich hier besprechen will, angeht, so haben Dimitri Rassam und Jérome Seydoux einen durch und durch französischen Film gemacht! Und das verleiht dem Zweiteiler eine echte Brillanz! Eine alte Geschichte, die neu aufgesetzt, ohne Spezialeffekte auskommt und von erstklassigen Schauspielern lebt. Zwar wurde der Roman nicht ganz zeilengetreu verfilmt, doch dafür spannend, glamourös und tief greifender, als die Saubermann-Musketier-Filme der Siebziger. Mein Highlight bei der Verfilmung: Das erste Mal gefiel mir Milady de Winters Hintergrund und auch ihre Person!
Wie wunderbar, dass die Reihe der Kriminalistinnen weitergeht. Mit ›Acht Schüsse im Schnee‹ stellt Mathias Berg sein zweites Buch der Serie vor. Die Charaktere sind einem mittlerweile vertraut, doch selbst dort sorgt der Autor für einige Überraschungen. Seine Geschichte taucht mit Haut und Haaren in das Jahr 1970 ein. Obwohl Mathias Berg erst 1971 geboren wurde, bewegt er sich in den Siebzigern, als hätte er sie selbst erlebt. Die Atmosphäre der Ruhrgebiet Kneipen, mit ihren Soleiern, Bockwürstchen und typischen Mittagsgerichten sind so authentisch getroffen, wie die Partys, die Mode und die langsam aufflackernde Emanzipation. Auch wenn gerade diese noch am Krückstock ging. Die Handvoll junger Frauen, die das erste Mal bei der Kripo in Düsseldorf eine Ausbildung durchlaufen, habe es nicht einfach. Sexistische Bemerkungen, Übergriffe und ein skeptisch abwertender Blick sind in der Machogesellschaft der Polizei gang und gäbe. Daher müssen Lucia und ihre Freundinnen doppelt so hart arbeiten, um ihre Brillanz zu zeigen. Als der Millionär Ellerbeck in seiner Auffahrt mit acht Schüssen von hinten ermordet wird, ist seine siebzehnjährige Tochter Michaela Zeugin. Ausgerechnet das Mädchen, welches von Polizeianwärterin Lucia Specht in der Nacht zuvor mit falschem Personalausweis aus einem Club geholt und dem Vater übergeben wurde. Michaela will jedoch nur mit Lucia reden und so landet Polizeianwärterin Specht, die mittlerweile ihre Zeit bei der Sitte verbringt, wieder an einem Mordfall.