Alle Artikel von Elke Rossmann

Der Mondmann, Rote Spurt zweiter Teil der Inuit Krimi-Serie, Fynn Haskin

Kommissar Jens Lerby ist nach seinem Intermezzo bei den Inuit als geläutert nach Dänemark zurückgekehrt. Seine Ehe funktioniert wieder, seine Prioritäten sind gesetzt und er hat endlich eine Versetzung aus der Mordabteilung beantragt. Etwas, dass ihm sein Vorgesetzter Birger sehr übel nimmt. Daher drückt er ihm auf den letzten Meter noch einen Mordfall auf, der ohne viel darüber zu Wissen zum Himmel stinkt. Ein alter Mann, mit ausgebrannten Augen, einem zugenähten Mund ist tiefgefroren in einer Kühlkammer gefunden worden. Als sich Lerby endlich entscheidet den Fall zu übernehmen, wird er von der PET, der Geheimpolizei abgezogen. Doch das hält ihn nicht davon ab, sich das zweite Opfer anzusehen, das er selbst als Zeugin befragt hat. Die alte Frau wurde genauso zugerichtet und in ihre eigene Gefriertruhe gesteckt. Die Anwesenheit von Jens am Tatort reicht der PET, um ihn als Polizist gänzlich aus dem Verkehr zu ziehen. Das gibt ihm die Zeit wieder zu den Inuit zu reisen und dieses Mal nimmt er seine Frau Eva mit. Magnus der alte Schamane ist krank und hat ihn dringend gebeten zu kommen. Denn Jens schwebt in Gefahr!

Auch der zweite Teil der Serie um den Mondmann ist überaus spannend und vor allem bewegend. Denn die Traditionen und Mythen der Inuit sind faszinierend, ihr Umgang mit dem Leben bewundernswert. Die Abscheulichkeiten, die einmal den Inuit von der zivilisierten Welt angetan wurde, gehen ins Unermessliche. Und genau in diese Richtung geht der Thriller ›Blutige Spur‹, denn ein Mörder geht um, der Rache sucht für Taten, die lange, lange her sind.

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Die kleinen Lügen der Ivy Lin, Susie Yang

Das Debüt von Susie Yang wurde in den USA hochgelobt. Von People, Boston Globe, The Washington Post bis Glamour waren sich alle einig. Es ist eine fesselnde Charakterstudie. Aber ist es ein Roman, der in Europa Furore machen wird. Ich bin mir nicht sicher, denn um den Roman so spannend, ein-, zweideutig zu finden, muss man ›The american way of life‹ kennen und besonders den chinesischen Frauen so tief sitzenden Wunsch, eine steile Karriere vorzuzeigen, nur um die Eltern stolz zu machen. Wobei Karriere sowohl beruflicher Art als auch den sozialen Aufstieg durch eine Heirat bedeuten kann. Kennt man beides, so ist dieses Debut überaus unterhaltsam. Denn es deckt die Bigotterie des amerikanischen Erfolgstraums genauso auf, wie das zum Teil lebensfeindliche eher kapitalistische Streben in der US-chinesischen Kultur der Neuzeit. Für jeden anderen kann die sogenannte fesselnde Charakterstudie manches Mal ein bisschen unverständlich sein. Man fragt sich außerhalb der US stehend, warum die Protagonistin handelt, wie sie handelt und tut, was sie tun.

Dennoch will ich der Erzählung eine gewisse Spannung nicht abreden. Jedoch durchweg begeistert Schmunzeln, über diesen Roman kann nur ein Insider. Darf ich dennoch vorschlagen, Sie versuchen es! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht! Weiterlesen

Solothurn hüllt sich in Schweigen, Christof Gasser

Christof Gasser hat mal wieder ein topaktuelles Thema am Haken. Clan-Kriminalität und ihr mafiösen Strukturen. Hauptmann Dornach behält wie immer den Überblick, egal ob es um Mafiamorde geht oder bei der neuen vor Verzweiflung um sich schlagende Staatsanwältin. Er steht seinen Papa bei seiner recht risikofreudigen Tochter Pia, den Opa bei seinem kleinen Enkel Mirio und schlägt sich gut als Kriminalbeamter, der einen Kater bei sich zu Hause in Polizeigewahrsam nehmen muss. Mit der Devise immer ruhig bleiben, versucht er dem Sohn eines Clan-Bosses dingfest zu machen, denn der ist der Meinung, mit seinen teuren Anwälten und der gehörigen Portion krimineller Arroganz gehört ihm die Schweiz. Da hat er die Rechnung ohne Dornach gemacht!

Christof Gasser hat wie immer bei den Solothurn-Krimis die richtige Mischung! Lokalkolorit, warme Familienbande und starke aus dem Leben gegriffene Kriminalgeschichten, ergeben den Mix von Bestsellern. Und mit ›Solothurn hüllt sich in Schweigen‹ ist er auf Platz eins der Bestsellerlist in der Schweiz gewandert.

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Schatten – Der Pakt -, Timo Parvela und Pasi Pitkärren, Kinderbuch ab 10 Jahre

Es wird Weihnachten und der dreizehnjährige Pete hat nur einen Wunsch: Seine totkranke Freundin Sara soll wieder gesund werden. Obwohl er schon lange weiß, dass der Weihnachtsmann im Kaufhaus nur ein Mensch im Kostüm ist, der die Kinder erfreut, so stellt er sich doch in der Schlange an. Trotzdem er eigentlich viel zu alt dafür ist, klettert er auf den Schoss des Weihnachtsmanns und flüstert ihm seinen Wunsch ins Ohr. Noch in der gleichen Nacht bekommt er Besuch von einem unangenehmen kleinen Wichtel namens Elipö. Erst hält er das alles für einen Traum, doch der böse kleine Mann verhandelt mit Pete, über die Gesundheit von Sara. Alles möglich, behauptet Elipö, doch er will dafür Petes Schatten. Was ist schon ein Schatten, wenn es um die beste Freundin geht. Pete geht auf den Handel ein. Es kommt der Weihnachtstag und Sara ist wie von Geisterhand wieder gesund und munter. Ein Wunder! Doch von dem Tag verändert sich Pete. Ihm ist kalt und er wird böse auf alles und jeden. Selbst sein Hund will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Als auch Sara sich von ihm abwendet, merkt er, irgendetwas stimmt nicht mit ihm, denn er wird immer wütender und irgendwie durchsichtig. Hat das alles hat mit seinem fehlenden Schatten zu tun?

Der erste Teil einer sehr netten finnischen Weihnachtsgeschichte, die in drei Teilen erscheint. Typisch für den hohen Norden kommen Trolle, Gnome, Wichtel, eine Schattenflickerin, der Weihnachtsmann, Schattenhüter und auch der Krampus darin vor. Eine Erzählung über Freundschaft, Wünsche, Abenteuer und Mut. Die Illustrationen sind manchmal ein wenig gruselig, aber passen ganz genau zu dem Buch. Definitiv eine Weihnachtsgeschenk Empfehlung von mir. Weiterlesen

Berge des Wahnsinns, von Lovecraft / Barranger, Illustrierter Klassiker des Fantasy Buchs in zwei Teilen

 

Howard Philipp Lovecraft muss man eigentlich nicht vorstellen, wenn man Fantasie- und Horrorgeschichten liebt. Irgendwann ist einem eine Lovecraft Erzählung unter die Finger gekommen. Geboren 1890 erinnert sein feiner Stil an die wundervollen Erzählungen von Jules Verne. Was die beiden großformatigen Bände jedoch so besonders macht, sind die sensationellen Illustrationen, die Lovecrafts Worte plötzlich zum Leben erwachen lassen. Eine imposante gruselig schöne Welt unbekannter Herkunft in den Bergen der Antarktis taucht vor den Augen des Lesers auf. Durch den fast akademischen Bericht, den Lovecraft einem Geologen der Miskatonic University über eine Antarktis Expedition in den Mund legt und Barrangers fantastischen realen Zeichnungen, bekommt die Erzählung eine beunruhigende Wirklichkeit, die einem dann doch den Schauer über den Rücken jagt.

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Fast verschwundene Fabelwesen, Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt, Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer

Ein Buch zum Träumen, zum Lesen, sich erfreuen, wenn man auf Drachen, Einhörner und Filme wie ›Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden‹ sind, steht. Nur geht dieses so schön illustrierte Buch weiter. Es gibt der mystischen Geschichte einen realen Anstrich, da es in Form eines Reisetagebuchs geschrieben ist. Neben Fotos und Zeichnungen sind alte Telegramme, Zeitungsartikel, Landkarten und echte historische Texte und Aufzeichnungen vorhanden. Das ganze wird in einen chronologischen Zeitrahmen gefasst, der für Konstantin O. Boldt im Jahr 1844 beginnt, als er im Teenageralter mit seine, Onkel den neu eröffneten Zoologischen Garten in Berlin besucht. Obwohl er bereits im Alter von zwölf einer Nixe am Ufer der Saale begegnet war, soll es noch einmal über zwanzig Jahre dauern, bis er zu einer Expedition aufbricht, um eben diese verschwundenen Fabelwesen zu studieren. Zwei Jahre reist der junge Wissenschaftler per Kutsche, Eisenbahn, Schiff und sogar per Luft durch Europe. Und wahrlich begegnet er Fabelwesen, die er erforschen, beobachten und mit manchen er sich befreunden kann.

Dadurch, dass der Autor von Kindesbeinen fasziniert war, von Märchen, Sagen und Mythen und Biologie studierte, bekommt die fantastische Reise einen sehr realen Anstrich. Es ist ein Buch, das junge Menschen aber auch Freunde der Fantasie bis ins hohe Alter in seinen Bann zieht. Lieben Sie ›Den Herr der Ringe und Harry Potter‹? Stehen Sie auf die Geschichten wie ›Game of throns oder Eragon‹? Dann wird ihnen der Reisebericht des Konstantin O-Boldt gefallen. Er verrät mehr über die mystischen Kreaturen, die versteckt immer noch um uns herum leben :-). Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für jeden Liebhaber der Fantasie!

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Die Oper, eine Zeitreise in opulenten Bildern Alan Riding, Leslie Dunton-Downer

Wer gerne in die Oper geht, der sucht oft erfolglos einen guten Opernführer. Leider sind die meisten Werke furchtbar trocken oder beziehen sich ausschließlich auf die alten, bekannten Meister. Das neue Buch des DK Verlags hat eine andere Strategie gewählt und erfreut den Lesern mit, wie im Titel vermerkt, opulenten Bildern von Opernhäusern, Opernstars, Aufführungen und Bildnissen oder Fotos der Komponisten. Wohl gemerkt nicht nur alte Meister, sondern auch die moderne Komponisten aus dem zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert werden nicht vergessen. Hier und da taucht auch eine Abbildung der Originalplakate auf, die vor zweihundert Jahren eine Uraufführung von Donizetti oder Verdi ankündigte. Natürlich wird die Vita der Komponisten nicht vernachlässigt und auch eine Inhaltsangabe ihrer größten Werke. Mit den Bildern der schönsten Opernsäle werden auch kleine kuriose Geschichten erzählt. Zum Beispiel über das Unglücksstück Macbeth. Unglücksfälle waren bei diesem Stück im Theater bereits bekannt, doch 1988 blieb auch Verdis Oper Macbeth nicht verschont, als ein Mann während der Aufführung in der Met von einem Balkon in den Tod sprang.

Sie sehen, so spannend können Opern sein. Mittlerweile wird hier in der Frankfurter Oper fast immer eine halbe Stunde vor Beginn ein kurzer Vortrag gehalten, der die weniger bekannten Stücke verständlicher macht. Auch wird ein historischer Zusammenhang der Uraufführung geschaffen und Hintergrundwissen zur Entstehung vermittelt. Ich nutze als Opernfreund die Veranstaltung immer wieder. Jetzt jedoch gilt mein erster Blick in das Buch ›Die Oper‹. Also falls Sie noch nach einem ganz tollen Weihnachtsgeschenk suchen für einen Opernliebhaber in Ihrer Familie oder dem Freundeskreis, kann ich den wunderbaren Bild- und Textband uneingeschränkt empfehlen.

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Der Verwechsling, ein skandinavisches Weihnachtsmärchen, Kai Lüftner, Emilia Dziubak, Kinderbuch ab 6 Jahre

In einem kleinen Häuschen an den Klippen, im Murmelweg, leben der alte Per, die alte Tove und seit neusten ein kleines Kerlchen, dass die beiden Vilmar genannt haben. Eines Tages vor Weihnachten fanden sie ihn, keine zwei Jahre alt, im Schnee sitzen. So fängt das wunderschöne Märchen an, das von dem Verwechsling erzählt, der Weihnachten zu Per und Tove kam. Leider spricht das kleine Kerlchen nicht, doch scheint die beiden alten Leute sehr lieb zu gewinnen, bis er eines Tages von Hendrik ein Buch erhält, das ihn völlig fasziniert.

Es ist wieder einmal ein so wundervoll illustriertes Kinderbuch von arsEdition, mit solch einer liebevollen Erzählung, dass einem auf manchen Seiten fast die Tränen kommen. Nicht nur ihr kleiner Schatz wird das Kinderbuch lieben, wenn sie sich gegenseitig daraus vorlesen. Ich verspreche, die Geschichte rührt jedes Herz egal wie alt. Mein Tipp für Nikolaus, anstatt Schokolade lieber den kleinen Verwechsling.

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Perlenbach, Anna-Maria Caspari

Eine Erzählung aus der Eifel über knapp fünfzig Jahre von 1865 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte dreier Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber dennoch in einer Freundschaft manifestierten, die zerbrach und vor dem Tod wieder aufblühte. Drei Kinder, die mit neun Jahren bereits ihre Träume haben und alle drei wollen ausbrechen. Wilhelm aus der Armut und der anscheinend nie endenden Arbeit als Bauernjunge. Jacob der Sohn des reichen Tuchmachers, ein Schöngeist, dem der Sinn so gar nicht nach der Fabrik und dem Geschäft steht. Und Luise, die Tochter des Arztes in Monschau, deren einziger Wunsch es ist Medizin zu studieren. Etwas das den Frauen in Deutschland noch lange verwehrt wurde. Als Kinder verbindet sie eine tiefe Freundschaft und Liebe. Das Leben ist einfach. Doch als die wahre Liebe in das Leben der Jugendlichen kommt und die gnadenlose Gesellschaftsstruktur, die strikt unterscheidet, wer, wo im Leben hingehört, zerbrechen Träume, Freundschaften und Gefühle.

Ein wunderschöner Roman, der die damalige Zeit mit ihren Zwängen und Standesdünkeln viel zu realistisch einfängt. Man liebt, lebt, hasst und weint mit den Protagonisten und ist am Ende erstaunt, dass alle drei irgendwie ihr Glück gefunden haben. Nur leider ist einer der letzten Sätze: „Doch am 28.Juni werden in Sarajewo der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und sein Frau von einem serbischen Nationalisten ermordet. …“ Und wir Leser wissen natürlich, welch grausame Folgen das hatte.

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