Kategorie: Buchbesprechungen

Playground, Lars Kepler

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Playground ist eine gewagte, neue Idee von dem Autorenpaar, das unter dem Pseudonym Lars Kepler schreibt. Deshalb wird das Buch auch als Roman tituliert und nicht als Thriller, was es im Grund genommen ist. Doch der eklatante Unterschied ist, der Thriller spielt in der Totenwelt oder dem Vorhof davon, ohne jedoch nur eine Sekunde das Fantasie- oder Horrorgenre überhaupt zu streifen.

Jasim, ehemaliger Lieutenant der Armee, rettete während eines Militäreinsatzes den meisten ihrer Kameraden das Leben, wurde jedoch so schwer verletzt, dass sie für eine Minute klinisch tot war. Was die Ärzte als posttraumatische Halluzination abtun, war für Jasmin jedoch eine Realität, die ihr auch lange, nachdem sie den Militärdienst hinter sich gelassen hat, immer noch erschreckend real erscheint. Als sie Jahre später mit ihrem kleinen Sohn einen tragischen Autounfall hat, passiert ihr die gleiche Nahtoderfahrung. Erneut befindet sie sich im Vorhof des endgültigen Todes, wo Menschen darauf warten wieder ins Leben zurückzukehren. Nur dieses Mal ist sie nicht allein, sie muss auch um die Rückkehr ihres fünfjährigen Sohnes kämpfen.

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Nikolaus Wachsmann: KL Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager

KL Die GeschichteEin Standartwerk zu diesem Thema meint Sir Richard Evans. Dem kann sich die Redaktion nur anschließen. Wenn es um Ordnung geht scheinen wir Deutschen führend zu sein. Auch in diesem zutiefst unmoralischen Zustand der Kasernierung von Menschen um diese durch Ausbeutung zu vernichten, haben Bürokraten ein System entwickelt dass unglaublich erscheint. Es ist ein monumentales Werk, dass als Literaturhinweis über 260 Seiten im Anhang aufführt. Wachsmann hat die monumentale Geschichte der Konzentrationslager von 1933 bis zu deren Auflösung 1945 recherschiert. Täter und Opfer werden von der jeweiligen Perspektive geschildert. Ein Werk das erschüttert und warnt.

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Matthew Quirk: Die Direktive

Bl_TB_Quirk_Die Direktive.inddEin echter Handwerker dieser Mike Ford, der Protagonist des Autors Matthew Quirk. Einer der aus einer Gangster Dynastie stammt und nun bürgerlich geworden, aus diesem Milieu herausgerissen wird. Gott sei Dank hat er die früher erlernten Fähigkeiten nicht verlernt und kann das alte Netzwerk seines Vaters nutzen. Krimiunterhaltung mit einem echten Helden der mit allen Wassern gewaschen ist.

 

 

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Alex Beer: Der Zweite Reiter, Ein Fall für August Emmerich

Der 2. ReiterDie Autorin hat Ihrem Buch einen Satz von Martin Kessel vorangestellt: „Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“ Diese Opfer sind ausgemergelte sprichwörtlich am Hungertuch nagende Menschen. In Mietskasernen hausende, sich zu 30st eine Toilette teilende Menschen, schildert das sehr bemerkenswerte Buch. Dazwischen ein Polizeiagent der auch verletzt dem Krieg entronnen, sich mit der Wiener Unterwelt auseinandersetzen muss. Die Autorin hat sich an den real existierenden Schauplätzen und historischen Gegebenheiten orientiert. Der Roman ist in einer Reihe der Sozialromane wie früher Dostojewski und andere russische Erzähler, zu sehen.

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Stiefkind, S. K. Tremayne

Tremayne, Stiefkind_Druck

„Gestern Nacht träumte ich, ich sei wieder in Manderley“, wenn dieser Satz ihnen eine Gänsehaut einjagt, sie sofort an Hitchcocks fantastischen Film, nach dem gleichnamigen Roman Rebecca von Daphne de Maurier denken, dann sind Sie bei diesem Buch völlig richtig! Carnhallow im stürmisch wilden Cornwall ist zwar nicht Manderley, doch genauso düster, mit mehr geheimer Vergangenheit, als einem lieb ist. Rachel hat das große Los gezogen, einen der reichsten Witwer Englands geheiratet und auch einen wundervollen kleinen Stiefsohn mit dazubekommen. Sofort zieht sie in das alte Herrenhaus, auch wenn ihr Mann David während der Woche in London arbeitet. Kaum dort angekommen, verändert sich der kleine Junge, den sie so liebt. Das Haus wird unheimlich, ihr Mann mürrisch und dann macht ihr Stiefsohn Rachel eine Prophezeiung: Weihnachten bist du tot!

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Björn Larsson: Long John Silver

Long John SilverWer Seefahrergeschichten liebt, wird dieses Buch sehr mögen. Es schildet das Leben auf See und die Lebenssituationen den Seeleute. Die Teerjacken hatten nicht viel zu lachen. Skrupellose Kapitäne, Schiffseigner beuteten die Matrosen bis aufs Blut aus. Mit Sklavenschiffen häuften sie ungeheure Vermögen an. Das da die Hälfte der Sklaven und ein Drittel der Besatzung bei der Überfahrt über Bord, oder wie es im Buch heißt: die Segel strichen, wurde in Kauf genommen. Meuterei war da ein probates Mittel aus diesem Kreislauf auszusteigen. All dies alles schildert Larson sehr deutlich am „Lebenslauf“ von Long John Silver.

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Die Schatten von Race Point, Patry Francis

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Lassen Sie sich von dem Cover nicht fehlleiten. Die Schatten von Race Point ist keine nullachtfünfzehn Liebesschmonzette, die mal schnell für die kommende Urlaubszeit am Strand zusammengeschustert wurde. Es ist eine Familiengeschichte, mit viel Gefühl und einer spannenden Kriminalgeschichte im Hintergrund. Es erinnert an Daphne de Mauriers Rebecca oder auch an Werke von Brontë. Was mit einer Kinderfreundschaft zwischen Hallie und Gus im Jahre 1978 beginnt, führt den Leser durch eine leidenschaftliche Liebesbeziehung im Teenageralter, die so abrupt endet, wie sie begann. Doch damit ist die Verbindung dieser beiden charismatischen Menschen nicht beendet, denn plötzlich brauchen sie sich wieder, als ein furchtbarer Mord geschieht.

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Patry Francis, geboren 1950 in Brockton, Massachusetts, lebt mit ihrer Familie auf Cape Cod. Ihre Erzählungen und Gedichte sind in zahlreichen literarischen Zeitschriften erschienen, und sie wurde mehrfach für den renommierten Pushcart-Preis nominiert. Die Schatten von Race Point ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Foto: Copyright Ted Lukac

 

 

Gus ist erst neun Jahre alt, als sein gewalttätiger Vater seine Mutter erschlägt. Der kleine traumatisierte Junge findet nur wieder ins Leben zurück, weil die Tochter des ansässigen Landarztes, Hallie, ihn nicht aufgibt. Auch wenn sie Freunde werden und gemeinsam mit dem gleichaltrigen Neil eine wunderbare Kindheit auf Cape Cod erleben, bleibt die Vergangenheit immer ein dunkler Schatten für Gus. So richtig lebt er erst auf, als er und Hallie als Teenager ein Liebespaar werden. Ihre Gefühle füreinander sind etwas besonders, nicht nur eine Jugendschwärmerei und sie schmieden Zukunftspläne. Doch am Abend des Abschlussballs passiert etwas zwischen den drei jungen Menschen, dass sie nicht nur auseinandertreibt, es verändert ihr Leben, für immer. Viele Jahre vergehen und jeder von ihnen lebt ein komplett anders Leben. Doch die Weichen sind noch nicht endgültig gestellt, denn durch den gewaltsamen Mord an einer jungen Frau muss Hallie sich wieder entscheiden. Glaubt sie an Gus und wird sie ihm helfen, wie damals, als er sie als kleiner Junge so sehr brauchte?

Es ist eine schöne, manchmal traurige Geschichte einer Familie, einer Liebe und auch eines tiefverwurzelten Hasses. Patry Francis hält ihren Roman immer an der Grenze des seriösen Romans, verliert sich nie in leidenschaftlichem Geplänkel. Auch wenn ich an einer Stelle die Stirn runzelte und dachte, na, kommen jetzt die Dornenvögel, so belehrte mich die Autorin eines Besseren.

Die Schatten von Race Point, Patry Francis, Blanvalet, 590 Seiten, ISBN 978-3-7341-0337-7, Euro 9,99

Rebecca Gablé: Die fremde Königin, Historischer Roman

Die fremde KöniginWieder einmal versteht es die Autorin das Mittelalter lebendig werden zu lassen. Spannend wird die Leserschaft an die Königspfalzen von Otto I versetzt und sieht zu wie Intrigen gesponnen, Eide gebrochen und zarte Bande geflochten werden. Otto I hatte viele Geschwister und Halbgeschwister sowie viele unehelich gezeugte Kinder der Königsfamilie, sogenannte Bastarde. Einer davon ist er Protagonist Gaidemar, der viele Abenteuer und Schlachten erleben muss. Der Roman zeigt aber auch auf, dass es schon im Mittelalter so etwas wie ein Europa der Vielfalt gab.

 

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Wolfgang Kleinert (Hrsg.), Dieter Schwalm (Hrsg.), Diverse: Unheilige Bilder

unheilige Bilder1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür in Witteberg genagelt. Die 500 Jahre Reformation in Deutschland werden nicht nur mit einem extra Feiertag begangen, das Reformationsjahr wird mit Ausstellungen und einer Vielzahl von Buchveröffentlichungen zum Thema begleitet. Dieses hier ist das lustigste Buch zum Thema: Unheilige Bilder – Cartoons zu Kirche und Religion. Manchen Menschen mag bei diesen Bildern ja die Spucke wegbleiben, aber lustig ist das schon.

Lappan Verlag, 168 Seiten: ISBN 978-3-830-33463-7,€ 9,99

Kommando Abstellgleis, Sophie Hénaff

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Was macht man in Paris mit Bullen, die Alkoholiker, Spieler, Todesschützen, Schwule und vermeintliche Pechvögel sind? Ganz klar, dort gründet man eine neue Brigade, die alle Loser auffängt, um die Erfolgsstatistiken der restlichen Brigaden zu schönen. Leider war die erfolgreiche Kommissarin Anne Capestan die besagte Todesschützin und wird mal schnell zur Leiterin der „Schrottbrigade“ ernannt. Sie soll mit ihrem skurrilen Team Cold Cases bearbeiten, die so kalt sind, dass man sich Frostbeulen holen kann. Doch eigentlich hoffen die Bosse, das Capestans Brigade die Füße stillhält und Däumchen dreht. Falsch gehofft! Der Roman ist zum Schreien komisch, aber Vorsicht, die Mordfälle, die diese Brigade aufklären will, haben es in sich. Ein witziges, spannendes und anrührendes Debüt von Sophie Hénaff, das herrlich Französisch ist! Weiterlesen