Der Autor Rocko Schamoni erzählt romanhaft die Lebensgeschichte einer Kiezgröße aus St. Pauli. Da er diese Szene intensiv kennt und auch mit Wolli Köhler, dem Protagonisten des Buches, bekannt ist, schenkt er uns einen tiefen Blick in den Kiez der 60er Jahre. Es geht aber nicht nur um Prostitution sondern auch um die Künstlerszene der damaligen Zeit. Starclub und die Musiker die dort aufgetreten sind wie die Beatles, Little Richard und viele andere sind den Älteren ein fester Begriff. St. Liederlich der Inbegriff der antibürgerlichen Gesellschaft. Weiterlesen
Daniel Siemens: Sturmabteilung, Die Geschichte der SA
Ein beeindruckendes Werk. Der Autor beschreibt in aller Deutlichkeit wie sich eine Nationalsozialistische Bewegung in der NSDAP von zunächst 60.000 Menschen zu einer Massenbewegung von über 3 Millionen Menschen entwickelt. Dabei beschreibt er die Entwicklung von 1927 über den Röhmputsch hinaus. Wie er auch in einem Vortag am Fritz Bauer Institut in Frankfurt deutlich mache, waren nicht nur gescheiterte Existenzen in dieser Bewegung vertreten, auch besonders evangelische Theologen waren für diese Ideologie sehr empfänglich. Weiterlesen
Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng
Steinfest ist der Literarische Georg Kreisler. A bisserl schräg, gewitzt und ein ausufernder Erzähler. Er vermag eine spannende Kriminalstory mit Sience Fiktion, Länderbeschreibungen und Kulturgeschichte so zu vermischen, dass ein rundum gelungenes Buch herauskommt. Mit seinem einarmigen Detektiv, dessen fiktionalen Hund, schickt er uns in den entlegensten Winkel Islands. Auf dieser Reise treffen wir, die Leserschaft, die skurrilsten Menschen. Den isländischen Polizisten der ein Schweitzer ist, eine Sekretärin die eigentlich Detektivin sein sollte. Ein Buch wie ein Füllhorn mit ausgefallensten Einfällen. Weiterlesen
Fiona Jeffries: Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst. Vom Widerstand in schwierigen Zeiten

Der Widerstand in schwierigen Zeiten war schon immer mutig und vor allem wichtig. Gerade jetzt befinden wir uns wieder in einer globalen Krise, die weitschürfende Veränderungen bewirkt kann. Die Zeiten des Aufbruchs in mehr Solidarität, Toleranz und Globalisierung scheinen vorbei zu sein. Jetzt reagieren nicht nur die diktatorisch, despotischen Regierungen mit strengerer Sparpolitik auf Krisen, sie stocken zur gleichen Zeit wieder die Etats fürs Hochrüsten der „öffentlichen Sicherheit“ auf. Die Welt hat mehr Migranten, die ihre Heimatländer verlassen als je zuvor. Das alles macht Angst!
Wirklich? Oder ist die Angst, den eigenen sozialen Status zu verlieren, arbeitslos oder sogar obdachlos zu werden, die Angst vor der Zukunft nur ein Mittel zum Zweck, um die Bürger klein und ruhig zu halten? Wird Angst als Waffe missbraucht, um Kontrolle zu behalten?
Diese Frage stellt Fiona Jeffries acht Experten in ihrem hervorragenden, klugen und vor allem interessanten Buch. Ein Augenöffner für alle, die Angst um die Welt haben, die den besonderen Kick brauchen, wieder auf die Straße zu gehen und „Nein“ zu sagen. Wir bestimmen unsere Welt unsere Gesellschaft und eigentlich haben wir nichts zu verlieren. Außer unsere Angst!
Gary Victor: Im Namen des Katers
Neuer Fall für den Dirty Harry von Port-au-Prince. Der Autor entführt uns in die Unterwelt von Haiti. Diese Land das absolut in kein Schema passt, das scheinbar nur aus Korruption, Misswirtschaft und Verbrechen besteht, hat einen aufrechten Polizisten. Na ja, aufrecht im Sinne einer rechtstaatlichen Sicht ist das natürlich nicht. Da räumt Inspector Azémar schon mal mit seinem Dienstrevolver Bösewichte von der Bildfläche. Gary Victor ist zu sehr Journalist als das er nicht auch die herrschenden Verhältnisse in Port-au-Prince darstellt. Weiterlesen
Kokainmeere, Die Wege des weltweiten Drogenhandels, Ana Lilia Pérez

Dieses Buch ist die reale Antwort auf Don Winslows Thriller, Tage der Toten, Das Kartell und Jahre des Jägers. Unter Einsatz ihres Lebens hat die investigative Journalistin über die Machenschaften der mexikanischen Mafia und die internationalen Drogenhandelswege geschrieben. Es ist ein Dokument, das einem das Gruseln lehrt, denn die kriminelle Kreativität und Brutalität, der besonders mittelamerikanischen Kartelle sucht seinesgleichen. Doch es sind nicht nur die Hersteller, es sind die Akteure in den Konsumländern Europas, die Netzwerke, Handelsrouten und vor allem die Rolle der internationalen Behörden, die dieses kriminelles Gewerbe ermöglichen. Ein höchst interessanter journalistischer Bericht einer mutigen Frau im Kampf gegen die Mafia!
Miriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt. Wie Frauen und Familien bis heute unter den Folgen der Massenvergewaltigungen bei Kriegsende leiden
Rezension von unserem Berlinkorrespondenten Rolf Maier-Lenz
Miriam Gebhardt ist Journalistin und Historikerin und lehrt als außerplanmäßige Professorin Geschichte an der Universität Konstanz. Neben ihrer journalistischen Arbeit, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und verschiedene Frauenzeitschriften, habilitierte sie sich mit einer Arbeit über Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009). Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet (2011) sowie Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor (2012). Ihr Bestseller Als die Soldaten kamen (2015) über die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde breit besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Miriam Gebhardt lebt in Ebenhausen bei München. Am Dienstag, dem 9. April 2019 präsentierte die Münchner Historikerin Miriam Gebhardt ihr neues Buch „Wir Kinder der Gewalt“ in der Urania in Berlin im Gespräch mit der Redakteurin des Berliner „Tagesspiegel“ Caroline Fetscher. Weiterlesen
Nichts weniger als ein Wunder, Markus Zusak

Nichts weniger als ein Wunder ist tief und berührend, wie es schon die Bücherdiebin war. Die Geschichte einer Familie, die durch Tod und Trauer zerbricht und von denen nur fünf Brüder übrig bleiben. Einer von ihnen ist Clay, der beschließ für sich, seinen Vater und seiner Brüder eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und die Trauer der Familie heilen soll. Auch wenn es ihm nur schwer gelingt, diese Brücke zu bauen, so wird allein der Vorsatz es zu tun, jeden seiner Brüder berühren und für immer verändern.
Sprachgewaltig, traurig, wunderschön und hoffnungsvoll, eben Zusak!
Federico Varese: Mafia Leben, Liebe, Geld und Tod im Herzen des organisierten Verbrechens
Zu wem geht John Le Carree um sich für seine Krimis beraten zu lassen. Wo holt er sich die Informationen zu seinen authentischen Krimis. John Le Carree lässt sich von Federico Varese beraten. Federico Varese, Professor für Kriminologie in Oxford, der schon seine Doktorarbeit über das organisierte Verbrechen, sprich der bekanntesten Mafiaorganisationen von der Camorra, Ndrangheta, Triaden, Yakuza und der russischen Mafia, geschrieben hat. Seine Informationen hat er immer aus erster Hand erhalten, weil er nicht anklagend mit den Mitgliedern sprach, sondern nur Fragen gestellt hat, wie funktioniert was.
Bis heute hält er Kontakte bis zu den höchsten Spitzen, Führern, Paten. Weiterlesen
Heine Bakkeid: Triff mich im Paradies
Thorkild Aske, einst Verhörspezialist in der internen Ermittlung bei der Polizei, überfährt im Drogenrausch seine Freundin. Daraufhin wird er aus dem Polizeidient entlassen und inhaftiert. Nach mehreren Selbstmordversuchen überredet ihn sein Psychologe und Freund als Berater für die berühmte Krimiautorin Milla Lind tätig zu werden.
