Alle Artikel von Stephan Schwammel

Ria Endres: Nordend, Ein Stadtteil wird verkauft

Die Gentrifizierung der deutschen Städte greift um sich. Das merken nicht nur die MieterInnen sondern auch die Menschen die die Innenstädte als Einkaufs-oder Feierstädte nutzen. Das gewohnte Umfeld verändert sich, nicht drastisch schnell aber deutlich merkbar. Diese Veränderungen schildert eine Frau die im Frankfurter Nordend als Mieterin seit Jahrzehnten wohnt und das Haus verkauft werden soll. Häuser in der Umgebung fallen der Spekulation zum Opfer, werden verkauft, saniert und dann weiter mit hohem Profit verkauft. Das vorliegende Buch ist eine Denkschrift die die soziokulturellen Aspekte des Wohnens auch mit dem Bezug zur bundesrepublikanischen Gegenwart beleuchtet. Weiterlesen

Uta Seeburg: Der falsche Preuße

Der Falsche Preuße @HarperCollinsGermany

Eine neue Romanreihe deutet sich an. Ein Preuße der bei der Bayrischen Kriminalpolizei Dienst tut. Ein Kriminalist, ein Feinschmecker und ein aufmerksamer Betrachter seiner Umwelt. So sehen wir durch die Augen des Wilhelm Freiherr von Gryszinski die Stadt München und ihre Bewohner im Jahre 1894. Da die Autorin dieses Meisterwerks wunderbar zu fabulieren weiß wenn es sich um leibliche Genüsse wie Essen und Trinken handelt. Das besondere Objekt der kriminalistischen Beobachtung ist ein undurchsichtiger Preußischer Landsmann der ein großes Haus in München Bogenhausen führt. Der Roman ist ein wunderbares Beispiel eines historischen Kriminalromans. Weiterlesen

Wolfgang Kleinert (Hrsg.), Dieter Schwalm (Hrsg.), Antje Haubner (Hrsg.): Beste Bilder

Ein Jahresrückblick auf dieses Jahr das man am Besten vergessen lassen möchte ist nicht leicht. Es soll auch lustig sein? Was man daraus zaubern kann haben Deutschlands Beste Cartoonisten in diesem Werk gezeigt. Ich sag es aufs Neue: Der beste Jahresrückblick den man für Geld kaufen kann.

Einfach so weitermachen wie bisher? Das läuft 2020 nicht. Die Welt ist von einem kleinen Virus aus den Angeln gehoben und wir leben in einer Welt und unter Bedingungen, die wir letztes Jahr für ein ganz schlechtes Dehbuch einer Hollywood-Dystopie gehalten hätten. Weiterlesen

Veit Etzold: Final Control

Ein herausragend gut recherchierter Kriminalroman, der die Informations- und Währungsmethoden beleuchtet. Wer wissen will was es bedeutet ohne Kontrolle überwacht zu werden, wird hier am Beispiel Chinas fündig. Mechanismen wie der Staat durch kleine Gaben Wohlverhalten und Kontrolle erhält, wird glaubhaft vermittelt. Welche Währungsmechanismen wie greifen und wie man damit richtig viel Geld verdient, wird am Beispiel des Stabilisierungspakt der EU aufgezeigt. Ein realistischer Krimi mit sehr vielen Hintergrundinformationen den man schwer aus der Hand legen kann. Er zeigt aber auf wo wir in Europa stehen und wo es noch großer Anstrengung bedarf unser Lebensniveau zu halten. Weiterlesen

Martin Calsow: Quercher und der Totengraben

Was wäre wenn es ein Mittel gegen Demenz gäbe? Pharmafirmen würden Milliarden geben um es in die Hand zu bekommen. Genau um diese Frage geht es in diesem Krimi. Dabei drängt sich die Frage auf, sind die Abläufe nicht gleich wenn es um die Herstellung eines Impfstoffes gegen Covid – 19 geht? Deswegen ist der gut geschriebene Roman so spannend weil er hervorragend mit dem Ambiente der herrlichen Gegen des Tegernsees korrespondiert. Wasser als Lebensmittel steht hier zwar nicht im Mittelpunkt spielt aber insofern eine wichtige Rolle, weil es sehr beschützens wert ist.

 

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Philipp Gurt: Helvetia 1949

Das Buch zeigt eine Schweiz die sich völlig von der jetzigen unterscheidet. 1947 ist die Schweiz, auch gebeutelt durch den 2. Weltkrieg, ein Land das technisch relativ rückständig ist. Es gibt in der Schweiz eine halbe Million Telefone und Autos sind eine seltenheit. Die Rückständigkeut zeigt sich bei diesem Kriminalroman durch die Ermittlungstechnik. Man kennt zwar neuerdings die Fingerabdrucktechnik aber sie ist nicht unumstritten. Sehr gut beschreibt der Autor die Ermittler. Neben dem bodenständigen Landjäger Caminada, der von Rechtschreibschwäche gequält ist, hat er einen pfiffigen jungen technisch versierten Erkennungsbeamten gestellt. Es ist schon nett zu lesen wenn sich die Beiden mit Ihren Velotöfflis die Berge hochquälen, weil keine Motorräder aus Geldnot beschafft werden können. Die schweizerischen Begriffe sind lustig zu lesen. Weiterlesen

Benjamin Moser: „Sontag – Die Biographie“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte

In seiner fulminanten Biographie bringt uns Benjamin Moser anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Aussagen von Freunden und Zeitgenossen das Leben der Essayistin, Publizistin, Romanschriftstellerin und Theaterregisseurin Susan Sontag nahe. Die Jury des renommierten Pulitzerpreises begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Ein richtungsweisendes Werk, erzählt mit Pathos und Anmut, die das Genie und die Menschlichkeit der Schriftstellerin mit all ihren Abhängigkeiten, sexuellen Ambiguitäten und volatilen Leidenschaften einfangen“. Weiterlesen

Michael Wallner: Shalom Berlin: Sündenbock

Es ist der 2. Fall des Staatsschützers Alain Liebermann in Berlin. Während des ersten Falles ging es um antisemitische Angriffe auf einen Berliner jüdischen Friedhof und eine jüdische Journalistin. Ein Topthema das heute auch aktuell ist. Der nunmehr vorliegende zweite Fall spielt im Politikmilieu und trägt auch Züge der heutigen politischen Landschaft. Es werden auf die deutsche Verteidigungsministerin Attentate begangen, die jedoch zunächst nicht ihr Ziel finden. Der Täterkreis ist nicht näher zu ermitteln. Bei jedem Attentatsversuch werden Polizisten aus dem Sicherheitsdienst verletzt oder getötet. Liebermann, tut sein Bestes und geht an seine Grenzen. Nachdem seine hocheitrige Tante schwer erkrankt, muss er über seine Leistungsgrenze gehen. Spannende Kriminalromane, die die gegenwärtige politische Lage und den Zustand der Bundesrepublik Deutschland widerspiegeln. Weiterlesen

Oliver Hilmes: Das Verschwinden des Dr. Mühe

Eine Kriminalgeschichte aus dem Berlin der 30er Jahre die besonders dadurch besticht, dass sie schnörkellos erzählt wird. Der ermittelnde Kommissar steht einem Rätsel und Menschen gegenüber, die nicht so sind wie sie scheinen und Geschichten erzählen die nicht wahr sind. Dabei spielt natürlich auch die Zeit, wir schreiben das Jahr 1932, eine Rolle. Die Berliner Verhältnisse, Wohn-und Lebensverhältnisse, werden sehr anschaulich vermittelt. Das Verschwinden des Dr. Mühe bleibt auch für die Leser ein Rätsel. Gegen Ende des Buches lichten sich aber die Nebel über dem Geschehen im Jahre 1932 liegen. Weiterlesen