Alle Artikel von Lutz Reigber

Harald Rüssel & Söhne, Wilde Zeitenküche, Wilde Genussrezepte von Wald und Wiese mit Fleisch, Fisch, Kräutern und Pflanzen – natürlich regional

Ich selbst bin in einem Forsthaus aufgewachsen und habe dadurch einen Bezug zur Jagd. Meine Mutter hat das erlegte Wild bestens zubereitet. Vielleicht habe ich daher auch die Leidenschaft fürs Kochen entwickelt. Deshalb hat mich Harald Rüssels Wilde Zeiten Küche tief berührt. Das Buch ist weit mehr als eine bloße Sammlung von Rezepten – es ist ein liebevoll gestaltetes Zeugnis dafür, wie eng Naturverbundenheit und kulinarischer Genuss miteinander verknüpft sind. Die stimmungsvollen Bilder erinnern mich an eigene Erlebnisse im Wald: das frühe Licht, der Respekt vor dem Wild, die Dankbarkeit für jedes Tier, das sorgfältig verwertet wird. Doch habe ich mich auch gefragt: Meint Harald Rüssel den Titel „Wilde Zeiten Küche“ vielleicht zweideutig, ein Hinweis auf die neue Situation in seinem Betrieb? Harald Rüssel hat nämlich seine beiden Söhne Maximilian und Frederik, beide ausgebildete Konditoren und Köche, nach den Wanderjahren, in den heimischen Betrieb „Landhaus Rüssel St. Urban“ zurückgeholt. Dass die beiden eigene Ideen und Änderungen mitbringen, führt zu wilden Zeiten. Wie sagt Harald Rüssel selbst: Die Kraft der Jugend – Next Generation: Bleibt alles anders! Ich habe dabei sehr geschmunzelt. Den Stolz auf die beiden Söhne und ihre Ideen kann man auch herauslesen.

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Simon Traver, „Heute keine Zeit? – Koch das!“, 60 Rezepte voller Geschmack

Zusätzlich lädt ein Button ein, dieses Buch zu nehmen, mit den Worten: „Ein ehrliches Kochbuch für alle, die es eilig haben – aber trotzdem gut essen wollen“. Den Einführungstext sollte man unbedingt lesen. Sehr aufschlussreich erzählt uns Simon Traver, wie es zu der Idee zu diesem Buch gekommen ist. Angetrieben von dem für ihn (und auch für mein Empfinden) nervigen Wort „Essen muss gesund sein!“ Simon Traver sagt: Gesund heißt doch nicht fad und langweilig. Gesund heißt doch nicht Kalorien zählen. Gesund ist, was zufrieden macht, und wenn ein Teller mit köstlicher Pasta ein Lächeln ins Gesicht zaubert, dann ist das genau richtig. Da Simon Traver sich seit 10 Jahren vegetarisch ernährt, hat er seine Rezepte ganz ohne Fleisch und Fisch kreiert. Meiner Meinung nach gehörte hierfür ein Hinweis auf das Cover. „Heute keine Zeit? Koch das!“ sind Rezepte, die schnell zuzubereiten sind, einfach zusammengestellt und köstlich schmecken. Wer hat denn schon immer Zeit oder Lust, Stunden in der Küche zu verbringen?

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Lissa Lehmenkühler, Pe Grigo, Alle Tiere auf Wort-Schatz-Suche, ein Mitmach-Bilderbuch zum Buchstaben-Entdecken, ab 4 Jahre

Ach, ich bin ja in meine Kindheit versetzt. Wer kennt sie nicht, die Buchstabensuppe? Eine kräftige Brühe, bei meiner Mutter immer mit Gemüsewürfeln und darin die Buchstabennudeln. Wir Kinder saßen immer vor unserer Suppe und jeder hat versucht, zuerst seinen Namen zu finden und dann andere Wörter zu bilden. Alle schön auf den Tellerrand gelegt und ganz zum Schluss genüsslich verspeist. Daraus ein Lese-Lernspiel zu machen, ist Lissa Lehmenkühler bestens gelungen, und Pe Grigo hat mit einer kindgerechten, lustigen Illustration wunderbar dazu beigetragen.

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René Anour, Tödliches Déjà-Vu, ein Fall für Commissaire Campanard, Provence-Krimi Teil III

Nach „Tödlicher Duft“, „Tödliches Gebet“ und nun „Tödliches Déjà-Vu“ ermittelt der sympathische Commissaire Louis Campanrad weiter in der Provence. Nirgendwo passt sein neues Thema besser hin als in die Provence mit der atemberaubenden Landschaft, dünn besiedelt, das goldene Licht über den lilafarbenen Lavendelfeldern mit den summenden Bienen und den vielen Insekten. Heute weiß man, dass wir ohne Bienen nicht überleben können. In einigen Landstrichen in China sind durch den aggressiven Einsatz von Pestiziden die Bienen schon ausgerottet. Dort werden Menschen mit Pinseln eingesetzt, mühsam die Blüten per Hand zu bestäuben. Unsere Chemiekonzerne, die Pestizide entwickeln, müssen daher sehr aufwendige Tests durchführen, bevor sie ihre Produkte überhaupt zum Einsatz bringen dürfen. Die Landwirte mit ihren riesigen Monokulturen, von für uns schönen Lavendelfeldern, benötigen diese aber. Sollte ein Befall durch Bakterien oder Zikaden auftreten, sind die Felder verloren. Von René Anour ein sehr gut ausgewähltes Thema und mehr als anschaulich in eine sehr spannende Geschichte gesetzt.

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Alexander Oetker, Strand-Gut, Ein Aquitaine-Krimi, Luc Verlains überraschendster Fall

Es ist bereits der 10. Fall mit dem sympathischen Commissaire Luc Verlain und seiner Chefin und Frau Anouk. Diesmal erwartet Luc Verlain eine besondere Überraschung: Es gibt einen Toten in Europas größtem FKK-Resort Euronat. Dieses Resort darf man eigentlich nur ohne Kleidung betreten. Muss auch die Polizei die Hüllen fallen lassen oder darf sie in Uniform oder Zivil ermitteln? Fällt man dann nicht zu sehr auf? Wie immer wird der Kriminalroman von Alexander Oetker begleitet von wunderbaren landschaftlichen Beschreibungen, inklusive der Speisen des Aquitaine und Savoir vivre, bei der Sommerhitze mit einem gekühlten Glas Wein aus dem Graves. Wie nicht anders zu erwarten, ist auch dieser Krimi gut recherchiert, spannend geschrieben mit unerwarteter Wendung. Wer noch kein Fan von Alexander Oetker ist, fängt mit diesem Buch „Strand-Gut“ an, und sie werden bestimmt die Vorgängerbücher und die Nachfolgenden verschlingen.

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Aldo Sohm mit Christine Muhlke „Einfach Wein“, genießen und perfekt kombinieren

„Einfach Wein“ von Aldo Sohm und seiner Co-Autorin Christine Muhlke ist ein außergewöhnliches Buch, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Weinliebhaber anspricht. Der vielfach ausgezeichnete Sommelier vermittelt auf sympathische und leicht verständliche Weise alles Wissenswerte rund um das Thema Wein und wie man das mit dem Essen kombiniert. Laut Aldo Sohm ist er der Überzeugung (und das will er mit diesem Buch uns näherbringen), dass der richtige Wein ein Essen erst richtig perfekt macht, da es zur besseren Stimmung führt. Dieses Buch ist ein Leitfaden von der Kunst und Wissenschaft der Kombination von Wein und Speisen oder Speisen und Wein! Was passt zusammen und was geht gar nicht? Aldo Sohm führt uns in kleinen, übersichtlichen Schritten dahin.

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Ali Güngörmüs „Meze“, Mediterrane Rezepte zum Teilen

Wir können heute fast überall hinreisen, fremde Kulturen erleben und erfreuen uns an dem Neuen und adaptieren es in unsere Kultur. Italien mit Pizza und Pasta, unser Highlight, kann man sich gar nicht mehr aus unserer Esskultur wegdenken. Und wer jemals in einer Tapas-Bar in Spanien war, wünscht sich diese Kultur bei uns um die Ecke. Wenn man das maleinen Abend lang, von Tapas-Restaurant zu Tapas-Restaurant, jedes Mal ein 0,1er Wein und eine andere Tapa, wünscht man sich diese Kultur bei uns um die Ecke.  Jetzt kommt das östliche Mittelmeer mit Ali Güngörmüs mit Meze. Die Esskultur in den Ländern der Levante besagt, dass man viele, also sehr viele Mundbissen/Gerichte –Meze, auch Mezze geschrieben – auf den Tisch stellt und jeder bedient sich an allem. Es geht um die gesellige Gemeinschaft! Ich kann nur jedem empfehlen, wenn er dazu eine Einladung hat, bestimmt ja zu sagen.

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Ben Mantle, „Der allertollste Bruder der Welt“ , Bruderliebe mit Stolpersteinen, für Kinder ab 4 Jahre

Wenn man als reiferer Mensch nicht unbedingt die Erziehungsverantwortung für Kinder hat, macht es Freude, kleine Kinder zu beobachten und zu sehen, wie sie miteinander umgehen. Dass die Kleineren die größeren Geschwister nachahmen ist logisch und somit lernen sie voneinander, ohne dass die Eltern eingreifen.

Bei uns gegenüber ist ein junges Pärchen mit zwei kleinen Kindern eingezogen. Da wir in einer Spielstraße wohnen, spielt sich das Leben bei uns vor der Haustür ab und wir dürfen an dem Aufwachsen der beiden Mädchen (5 Jahre und 3 Jahre) teilhaben. Da die Fünfjährige sehr geschickt ist, hat sie früh Fahrradfahren ohne Stützräder gelernt. Die Kleine kam natürlich auch gleich und sagte: „ICH AUCH!“. Macht die große Schwester ein Puzzle, kommt die Kleine mit ihrem: „ICH AUCH!“ Wenn das dann der der älteren Schwester zu viel wird oder sie sich nur gestört fühlt, lehnt sie ihre Schwester mit dem üblichen Geschrei ab. Zuletzt passierte es dann, dass die Kleine zum Puzzle dazu gestoßen ist und gleich von Anfang an meinte: „NUR GUCKEN!“ Genau solche Situationen hat Ben Mantle in diesem Buch, „Der allertollste Bruder“, verständlich dargestellt und sehr anschaulich selbst illustriert.

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Patrick McGee, Apple in China, Von der Werkbank zum Würgegriff – wie sich der iPhone-Konzern in eine gefährliche Abhängigkeit begeben hat.

Robert D. Kaplan: „Dieses Buch als spannend zu bezeichnen, würde die Bedeutung fast schmälern. Es ist ein Buch, wie es nur einmal in einer Generation erscheint.“

Als Sachbuch bezeichnet man Biografien, Dokumentationen, Beschreibungen, Aufklärungen, etc. Doch wenn man mal „Apple in China“ in der Hand hat, liest man einen Krimi. Spannender kann man nicht die Entwicklung, den Aufstieg, die Produktionsweise mit sehr hohem Qualitätsanspruch von Steve Jobs, mit größter Gewinnmarge, bis hin zur Abhängigkeit von China, beschreiben. Patrick McGees „Apple in China“ ist ein faszinierender Einblick in die Welt des Tech-Giganten Apple und seine Verflechtung mit China. Der Investigativ-Journalist McGee hat jahrelang für die Financial Times Apple und seine Entwicklung begleitet. In diesem Buch zeigt er deutlich die Entwicklung und den Aufstieg von Apple zum Technologie-Giganten und die damit verbundenen Risiken, wenn man die Produktion auf nur ein Land wie China konzentriert.

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Frauke Buchholz, „Endzeit“, ein packender Thriller mit einem brisanten Thema

Soeben habe ich Endzeit verschlungen. Es ist der vierte Teil der Ted Garner-Reihe. Auch wenn es ein Roman ist, kann man die reale Wirklichkeit herauslesen. Beeindruckt bin ich von der Geschichte wie auch von Frauke Buchholz, die durch ihre jahrelangen Aufenthalte in Kanada auch den Mut hatte, so ein brisantes Thema in ihrem Thriller aufzunehmen, um es uns so näherzubringen. Gerade in welcher Art und Weise Frauke Buchholz die Geschichte der First Nations in Kanada aufgreift und die unfassbare Vergangenheit in Kanada mit Unterdrückung, Rassismus und Zwangseingliederung aufdeckt. Wir erfahren erst in letzter Zeit über die Medien, wie der Landraub vonstatten ging und mit welcher Gewalt bis in die heutige Zeit mit den indigenen Völkern umgegangen wird.

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