Alle Artikel von Elke Rossmann

Der Turm der toten Seelen, Christoffer Carlsson

Band eins der vierteiligen Thrillerserie um den melancholischen jungen Polizisten Leo Junker in Stockholm. Wir hatten bereits im Januar den vierten und letzten Band besprochen und waren begeistert. Daher jetzt Band eins und es werden auch Band drei und vier folgen.

Hier beginnt also die Geschichte des Polizisten, der aus dem sozialen Brennpunkt Salem in Stockholm stammte. Die Erzählung ist eine Mischung aus einem aktuellen Mordfall, in den der suspendierte Leo Junker gerät und den Rückblicken in seine Jugend in der Hochhaussiedlung. Es ist ein knallharter Thriller, die Geschichte einer tragischen Freundschaft, einer furchtbar endenden ersten Liebe und von Rache, die mehr Kummer sät als Erleichterung schafft. Großartiges schwedisches Thriller-Kopfkino mit einer Nuance von Roman Noir.

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Willkommen in Marwen

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Die berührende Geschichte eines Mannes, der fast zu Tode geprügelt wurde und nur ganz langsam und auf unglaubliche Weise zurück ins Leben findet. Die Animationstechnik in dem Film ist etwas gewohnheitsbedürftig, da ein Großteil der Geschichte von einer Art Barbiepuppen dargestellt wird. Dennoch verfehlt es die Wirkung nicht, weil man nach kurzer Zeit, genauso mit den Puppen fühlt, wie mit Mark Hogancamp, der sich nur durch seine Miniaturwelt dem schlimmen Trauma seines Lebens stellen kann. Ein Film der die Gefühle bewegt!

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Die Lüge, Mattias Edvardsson

Die Luege von Mattias Edvardsson

Wie viele Familien heutzutage sind die Eltern von Stella in einer hilflosen Situation. Zwar ist sie jetzt bereits neunzehn, doch schon im zarten Alter von vierzehn Jahren war es ein Albtraum sie zu erziehen. Stella ist und war gewalttätig durch Impulskontrollverlust, trinkt, nahm Drogen und fand früh zu den Jungs. Das, obwohl ihr Vater Pfarrer ist und sich eigentlich immer nur liebevoll um sie kümmerte. Die Mutter ist erfolgreiche Rechtsanwältin und ihrer Tochter genauso zugewandt. Doch Stella fühlt sich im Gefängnis, kontrolliert und missverstanden.

Doch dann wird ein sehr reicher, dreiunddreißigjähriger Mann auf einem Spielplatz erstochen. Er verblutet und alle Indizien zeigen auf Stella. Sie landet in der Untersuchungshaft. Ab dem Zeitpunkt wird dann das Familienleben von drei Perspektiven erzählt und wird mit jeder Seite spannender. Nehmen Sie mich wörtlich, erst mit dem allerletzten Satz, erfährt man, wer der Mörder ist.

Ein Thriller, eine Sozialstudie unserer Zeit und ein fast ganz normales Familienleben.

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Wo man im Meer nicht mehr stehen kann, Fabio Genovesi

Einer der entzückendsten Familiengeschichten, die ich je gelesen habe. Man muss den sechsjährigen Fabio einfach lieb gewinnen, genau wie seine zehn schrulligen Großväter, bei denen der Fluch der Manchinis bereits zugeschlagen hat. Denn jedes männliche Mitglied der Familie, das bis zum vierzigsten Geburtstag nicht heiratet, wird irgendwie verrückt. Doch der kleine Fabio profitiert von der Verrücktheit seiner Opas und lernt dadurch Dinge, die ein normaler Junge sonst nie lernen würde.

Die Geschichte ist wunderbar elegant und gleichzeitig mit einer kindlichen, liebevollen Naivität geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man lacht mit Fabio, vergießt ein paar Tränen und nimmt ein gehöriges Stück Lebensweisheit mit.

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Davor und Danach, Nick Singer, Jugendbuch

Ein bewegendes Buch, nicht nur für Jugendliche. Auch Erwachsene müssen darüber nachdenken, es verarbeiten und vor allem trauern. Es ist eine so eindrucksvolle Geschichte einer langen Flucht aus dem Sudan nach Schottland, die eigentlich heute schon wahr sein könnte. Jedoch spielt Davor und Danach in einer leider viel zu nahen Zukunft, in der es keine Arktis und Antarktis mehr gibt, in der die Sonne den Tod bringt und die halbe Menschheit zur Flucht zwingt. Doch schon wie heutezutage sind es die Verschonten, die mit Kälte und Wasser gesegneten, die diese geschundenen Flüchtlinge als Eindringlinge und wertlosen Abfall ansehen. Und Angst davor zu kurz zu kommen, macht jeden zum Mörder. Doch ist Mhairi kein vierzehnjähriges dunkelhäutiges Mädchen aus dem Sudan, die in das erlösende Europa will. Sie selbst ist in Schottland geboren und muss sich zu Fuß auf die zehntausend Kilometer lange Reise nach Hause machen. Um dann was zu finden? Das was die Bootsflüchtlinge in unserem Jahrhundert ebenfalls finden? Indem man sie lieber ertrinken lässt, als an die heilbringenden Küsten zu lassen. Menschen, denen ihr sozialer Status wichtiger ist, als das Leben eines Flüchtlingkindes?

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Escape at Dannemora – Flucht von Dannemora

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Ein Gefängnisausbruch? Kann man damit Zuschauer noch auf die Couch locken? Haben wir mit Clint Eastwoods Ausbruch von Alcatraz nicht schon den ultimativen Fluchtfilm gesehen? Nein, denn jetzt kommt die wahre Geschichte über die Flucht von zwei Schwerverbrechern aus einem Gefängnis im Bundesstaat New York. Was die Miniserie so interessant macht, ist die so perfekt eingefangene Stimmung. Denn nicht nur bei den Bildern aus dem Gefängnis überkommt den Zuschauer das Gruseln, auch bei dem Leben der normalen Bürger in dieser Kleinstadt überläuft einen ein Schauer. Dort will man nicht tot über dem Zaun hängen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Gefängnisangestellte Tilly sich entscheidet, zwei Mördern bei der Flucht zu helfen!

Großes Kino mit einer unwiderstehlichen Patricia Arquette als Aufseherin der Gefängnis-Schneiderei Tilly Mitchell und den beiden Insassen gespielt von Benicio del Toro und Paul Dano

 

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Schnelles Lesen, langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen, Maryanne Wolf

Die digitale Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. So lesen unsere Kinder auf Handys, iPads und dem Laptop. Doch wie gut ist die Qualität des Lesens mit diesen Medien? Eines weiß die Wissenschaft bereits: 1. Wie gut wir lesen, ist nicht nur ein Indikator für die Qualität unseres Denkens, sondern gutes Lesen hilft, auch völlig neue Entwicklungen bei der Gehirnevolution unserer Spezies den Weg zu bereiten. 2. Das einseitige digitale Lesen ist nicht so tief und konzentriert, wie das Lesen eines Buches. Und das unsere Kinder durch die Reizüberflutung kein Wissensreservoir mehr im Gehirn verankern. Was wohlmöglich künftig zur Folge hat, dass die Fähigkeit beim Lesen Analogien zu bilden und Rückschlüsse zu ziehen, verkümmert. Das kritische Denken und auch die Empathie sind in Gefahr, wenn den nächsten Generationen nicht mehr vorgelesen wird und sie keine Bücher mehr in der Hand haben.

Maryanne Wolf warnt vor der Entwicklung und versucht einen ausgeglichenen Weg zwischen intensiven Lesen von Büchern und Querlesen der digitalen Medien zu finden.

Für ein wissenschaftliches Buch sind die Untersuchung von Maryanne Wolf und ihre Schlussfolgerungen unglaublich spannend!

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Willnot, James Sallis

Liest man den Klappentext, erwartet man einen Thriller. Doch dieses wunderschöne, unglaublich gut geschriebene Büchlein, ist eher eine Sozialstudie einer amerikanischen Kleinstadt. Es ist ein kleines philosophisches Werk und definitiv eine wunderschöne Liebesgeschichte. Man muss sich bei Willnot die Sätze einzeln auf der Zunge zergehen lassen und wird am Ende eine ganze Weile nachdenklich vor sich hin grübeln. Ein Roman, bei dem man bedauert, wenn er zu Ende ist, für den man sich sehr gerne Zeit nimmt und beim langsamen Lesen genießt.

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Das Einfachste Kochbuch Der Welt Vegetarisch, J.-F. Mallet (Simplissime)

Es ist bereits das dritte der Simplissime-Kochbücher, das wir hier besprechen. Doch ich werde es auch nicht müde, da diese Kochbücher so genial sind. Heute reden wir über die 45 vegetarischen Rezepte, bei deren Anblick auch den Karnivoren unter uns das Wasser im Munde zusammenläuft. Ob nun eine Tarte, Taboulé, Quiche, pikante Cake, gefüllte Blätterteigtasche, ein Risotto oder eine herzhafte Gemüselasagne, sie sind alle wieder einmal unbeschreiblich lecker und so einfach zuzubereiten.

Nicht nur beim Nachkochen, auch schon beim Durchblättern der Kochbücher von Jean-Francois Mallet bekommt man Hunger. Spätesten beim ersten Bissen verfällt man in ein genüssliches Seufzen.

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Benedikt Gollhardt: Westwall

Hochaktueller Politthriller, der besonders unter Berücksichtigung der erst vor Kurzem veröffentlichten NSU-Untersuchungsausschuss-Berichte der Länder und des Bundes an Brisanz gewinnt. Der Autor bearbeitet in seinem Thriller den rechtsextremen Terrorismus, die unkontrollierten, an Willkür grenzenden Machenschaften des Verfassungsschutzes und der Vernetzung von Polizeibeamten in nationalen, rechten Bündnissen. Und wie er selbst sagt, die großen Themen, wie Liebe, Verrat und Moral.

Sehr spannende Geschichte, die gut erzählt ist und leider von der Realität nicht zu weit entfernt! Man merkt einfach, dass Benedikt Gollhardt Journalist und erfahrener Drehbuchschreiber ist.

 

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