Ein Regiokrimis für Bayernfans. Da hat der nicht bayrisch sprechende Leser zunächst seine Schwierigkeiten dem Gesprächsverlauf zu folgen. Die Geschichte ist aber spannend und dreht sich um die Vergangenheitsbewältigung. Der Chiemsee war in der Nazizeit ein Refugium der Herrschenden und sollte zu einer gigantischen Erholungsoase ausgebaut werden. Mit der entsprechenden künstlerischen Ausstattung, die aus den eroberten Ländern Europas geklaut wurden. Aber auch die Umtriebe der heutigen Neonazis machen Hattinger zu schaffen.
Die älteste Demokratie der Welt, England, mit einer/m KönigIn ist Schaukampf zweier Titanen in einem Meisterwerk des Insiders Dobbs. Mit spitzer Feder seziert er die möglichen Machenschaften der Politiker und die Unbedarftheiten der Royals. Gewürzt wird dieses Bravourstück eines Politromans mit saftigen Szenen der Ausschweifungen seiner Protagonisten. Es ist dem Übersetzer gelungen die Feinheiten des englischen Sarkasmus und des schwarzen Humors herausragend zu vermitteln. Einem wie Dobbs ist es zuzutrauen, dass er mit seinen Werken, ohne dass wir es als Leser merken, seinen Widersachern noch einen einschenkt.
Wenn es so etwas gibt wie Seniorenkrimis, dann ist dieses ein Musterbeispiel dafür. Eine Gruppe von gut gestellten Senioren, Ex Polizeichef, Steuerfahnder u. Andere lösen einen Fall. Die Handlung spielt auf Sylt und ist schon spannend, nicht dass es zu Herzrhythmusstörungen käme, nein, aber spannend. Es zeigt sich am Musterbeispiel dieser Senioren, wie die ältere Generation tickt. Man hat soziale Verantwortung, wenn man auch manchmal ein bisschen Illegalität in Kauf nimmt. Die Soziokultur der teuersten Insel Deutschlands wird auch ausgiebig beleuchtet.
Wie nähert man sich einem Roman, der Das Alte Böse heißt? Mit Humor? Die alte Böse, muss es heißen, und die ist tot. Oder doch mit freudiger Erwartung? So wie Brian, der im Internet Estelle kennengelernt hat. Die lässt sich von ihrem Enkel Stephen zum Rendezvous chauffieren. Enkel? Internet-Dating-Portal? Moment, wie alt sind die beiden denn? Sagen wir es so: Sie sind in der Mitte zwischen einer dreistelligen Altersangabe und dem Renteneintrittsalter. Und sie heißen eigentlich Betty und Roy. Und sie sind alt. Und einer von beiden (oder doch beide?) ist böse!
Kennen Sie das? Man hat seit fünfzehn Jahren ein Buch im Haus, es nie gelesen und dann aus einer Laune heraus greift man danach. Schon bei den ersten Sätzen wird einem klar, welch einen Schatz man so lange gehütet hat. So ging es mir mit Evas Cousine von Sibylle Knauss. Der Roman erschien im List Verlag und ist leider vergriffen, doch der Besucher von Secondhand- und Gebrauchtbuchforen im Internet wird immer noch fündig und ich sage nur, es lohnt sich! Der Roman gegründet auf lange Gespräche mit Eva Brauns Cousine, die mehr als fünfzig Jahre über ihre Erlebnisse schwieg. Die Autorin Sibylle Knauss zeichnet deren Aufenthalt am Obersalzberg, Hitlers innerem Machtzentrum, in den letzten neun Monaten seiner Herrschaft nach.
Es ist schon ein ungewöhnlicher Kriminalroman in dem der Protagonist schon auf den ersten Seiten erschossen wird und dann im Jenseits ermittelt. Der Autor hat für dieses Buch so scheint es einiges auf sich genommen. Wenn er alle die herrlichen Weine, die er im Buch vorstellt genossen hat, muss seine Leber einiges ausgehalten haben. Die Gasthäuser und Hotels haben bestimmt auch gut verdient. Brillant wird das Buch auch durch die Schilderungen der Farben die der Verblichene auch im Jenseits ausgiebig schildert und uns einen Einblick in die Farbenwelt der Normandie und Maler erlaubt.