Leichenschilf, Anna Janssom

Als Rezensentin von Krimis und Thrillern ist man geübt darin, den Killer recht schnell auf die Spur zu kommen. Doch ich muss sagen, bei dieser neuen Krimi-Serie von Anna Jansson, wusste ich bis zum Schluss nicht, was eigentlich Sache ist. Die Protagonisten reichen von schrullig über krank, boshaft aber auch irgendwie liebenswert. Als Leser geht man hier mit. Man kann es fast nicht aushalten, wenn eine der Personen wieder mal völlig dumm handelt. Auch gerät man in Wut, weil Kommissar Bark Unrecht getan wird. Das sind alles Anzeichen dafür, dass man voll und ganz in der Geschichte ist und vor allem mitgerissen wird!

Einen neue Krimi-Serie, die es in sich hat und echte Thriller Fans begeistern wird. Grusel, Grusel!

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1966, Thomas Christos

Eine Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder beginnt langsam und Berlin eine Trotzburg der Amerikaner mitten in der Ostzone, das ist 1966. Den jungen Kriminalkommissar Thomas Engel und seine Verlobte Peggy zieht es nach Berlin, um neu anzufangen. Doch wie brisant die Situation ist, merken sie am ersten Tag, als sie mit ansehen müssen, wie ein Flüchtiger der DDR erschossen wird. Der Verfassungsschutz, die CIA, und die Interne bei der Polizei geben sich die Hand. Es wimmelt von Geheimagenten, Doppelagenten und Abtrünnigen. Anstatt bei der Kripo zu landen, schickt man den jungen Engel zum Observieren. Und dann stellt er einen der linken Studentenführer, wie er mit blutverschmierten Händen über der Leiche eines amerikanischen Professors steht, der seinerseits ebenfalls ein CIA-Mitglied ist.

Der Roman treibt den Leser voran und ist ungemein spannungsgeladen. Doch der wahre Reiz bestand in dem Zeitgefühl, was Thomas Christos in 1966 erschafft. Man taucht ein in fast unglaubliche Zeiten, die eigentlich nur etwas mehr als fünfzig Jahre zurückliegen. Großartiger Krimi aus der Thomas Engel Serie. Weiterlesen

Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre würzt die ohnehin an Katastrophen reiche Zwischenkriegszeit, in der er seine figuren- und handlungs-reiche Geschichte ansiedelt. Mit Intrigen, die er um das Erbe der im Mittelpunkt stehenden Bankiers-Familie Péricourt entspinnt und einem Rachefeldzug einer betrogenen Frau, als Antwort für die Neider, die auf das Verderben der Familie hinarbeiten. Er bestätigt erneut, dass er mit Ironie und immer wieder neuen Wendungen einfallsreich Spannung und intelligente Unterhaltung erzeugen kann und die Handlung durch Wechsel zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven flott und plausibel forciert, während im Hintergrund Börsenkrach, Korruption, Steuerbetrug, soziale Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime die Weltpolitik bestimmen. Für den Titel hat Lemaitre eine Verszeile aus dem Gedicht „les lilas et les rose“ (1941) von Louis Aragon gewählt und dem Roman ein Zitat von Jakob Wassermann aus „Der Fall Mauritius“ vorangestellt: „Es gab, genau besehen,  nicht Gute und Böse, Ehrliche und Schwindler, Lämmer und Wölfe, es gab nur Bestrafte und Unbestrafte, das war der ganze Unterschied.“ Lemaitres Charaktere sind lebendig und vielschichtig – namentlich Paul und Madeleine. Nicht alle Protagonisten sind charmant oder liebenswert, manche gar abstoßend. Aber auch bedingt dadurch, entsteht ein äußerst lesenswertes, aussagekräftigtes Sozialepos der 1930er Jahre in Frankreich, bei dem vor allem die Oberschicht nicht gut wegkommt. Weiterlesen

Film: Adam

Der sehr berührende Film Adam ist eine kurze Momentaufnahme im Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen in Casablanca. Der viel zu ernste Witwe Abla, die nach dem Unfalltod ihres Mannes mit ihrer kleinen Tochter eine Bäckerei führt, um sich über Wasser zu halten. Und die junge Samia, die Friseurin war und jetzt alleine und hochschwanger nach Unterkunft und Arbeit sucht. Mehr erfährt man nicht über den Hintergrund der beiden Frauen. Denn ihre kurze Zeit miteinander braucht keine weiteren Erklärungen. Es geht um Gemeinsamkeit, Vertrauen und solidarische Unterstützung. Vor allem aber Gefühle, die auch an dem Publikum dieses Films nicht vorbeigehen können. Ein sehr ergreifender und aufwühlender Film, der ohne viele Worte und Aktionen auf den Punkt kommt.

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Zarah Philips: Munteres Morden

Wenn man schon mordet, kann man es auch fröhlichen Herzen tun. Dann kommt es auch nicht auf die eine oder andere Leiche an. Wenn der Schauplatz für den Auftragsmord allerdings Hamburg ist, werden die Karten neu gemischt. Denn: Elli Gint und ihre Oma Frieda Gint halten den Kiez sauber. Und wie schon im ersten Band dieser Krimikomödien-Reihe, gelingt der Autorin eine spannende und bis zuletzt undurchsichtige Handlung. Wie dicht Hamburg an England liegt, zeigt sich, wenn der durchaus schwarze Humor aufblitzt. Also: wer auf Authentizität zugunsten schräger Gestalten am Rand der Glaubwürdigkeit verzichten kann, sagt ja zu diesem Roman. Wer darauf verzichten kann, dass das Blut beim Öffnen des Buches entgegen geflossen kommt, sagt ja zu Munteres Morden. Wer nichts gegen ein bisschen Amore im Krimi einzuwenden hat, sagt ja zu diesem Krimi. Für wen jedoch nur ein ≪ ernsthafter Krimi≫ ein richtiger Krimi ist, lässt besser die Finger davon. Allen anderen steht bestes Lese-Vergnügen ins Haus. Weiterlesen

Schwarze Schwäne, Gaito Gasdanow -Erzählungen-

Nie hatte ich von Gaito Gasdanow gehört, bis ich die wunderschöne Rezension von Bettina Hartz in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung las. Und so versank ich ebenfalls in den wehmutsvollen brillant erzählten Band Schwarze Schwäne. Es sind Kurzgeschichten eines jungen Mannes, der heimatlos gestrandet war im Paris der zwanziger Jahre. Und heimatlos war Gaito Gasdanow, denn das Russland seiner Heimat war mit der Oktoberrevolution für immer verloren. Es gab kein Zurück mehr. Das merkt man seinen Geschichten an, die von endgültigen Verlusten sprechen, jedoch nie jammervoll, nie anklagend wirken. Der Autor ist eher ein Augenzeuge seiner Texte, berichtet, wird urplötzlich Protagonist und erlebt eine Fiktion. Eine Fiktion, die Bettina Hartz als absurde Märchen betitelt.

Wunderschöne Erzählungen mit einem Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, dass sie unbedingt als Erstes lesen sollten. Denn dann werden die einzelnen Erzählungen aus Sicht des Autors noch eine Tick besser! Richtig gute, großartige Prosa. Weiterlesen

Markus Gasser: Verschwörung der Krähen

Ein Zustandsbericht aus dem Jahre 1700 und folgende, der die politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände in England speziell in London thematisiert. Diese Beschreibungen sind hoch spannend, witzig und sehr detailreich. Daniel de Foe, weltberühmt durch seinen Roman Robinson Crusoe, ist aber auch ein vielschreibender und kritischer Betrachter seiner Zeit. Da er auch ein Herausgeber von verschiedenen Zeitungen ist, deren Artikel den Herrschenden nicht gefällt, befindet er sich ständig auf der Flucht und ist meist zahlungsunfähig. Aber Eulenspiegelhaft windet er sich aus grotesken Situationen heraus und düpiert seine Ankläger. Der Autor, versteht es bestens uns dieses Sittenbild, einer durch und durch korrupten Gesellschaft, zu vermitteln. Viele politische Schachzüge der damaligen Zeit kommen uns heute sehr bekannt vor. Er erzählt uns über Armut, Seuchen und Krieg, den schmalen Grat zwischen Schuld und Unschuld, über die Entstehung des investigativen Journalismus unter dem Druck von Zensur, Fake News, Populismus und Paranoia – und über die Liebe in liebloser Zeit. Weiterlesen

Natriumchlorid, Jussi Adler Olsen – Fall neun des Sonderdezernats Q –

Der neunte Fall des Sonderdezernats Q. Eigentlich sollte es Carls Geschichte werden, wie Fall acht endlich Assads Hintergrund aufklärte. Doch mit Carl hinterlässt uns der Autor einen Cliffhanger. So ist Natriumchlorid auch nicht der stärkste Fall, den as kuriose Sonderdezernat Q aufklärt. Aber da man nach so vielen Fällen, Carl, Assad, Rose und mittlerweile Gordon einfach liebt, verzeiht man auch etwas abwegige Erzählstränge. Außer Frage steht natürlich, dass man diesen Band gelesen haben muss, wenn man ein Anhänger des Sonderdezernat Q ist.

Jetzt bleibt es zu warten auf den letzten und zehnten Band. Hoffen wir, das Jussi Adler Olsen noch einmal ein richtiges Feuerwerk in den Abschlussband packt.

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Oyinkan Braithwaite: Meine Schwester, die Serienmörderin

Oyinkan Braithwaites Erstlingswerk um die männermordende, nigerianische Schönheit Ayoola und ihre gluckenhafte, ältere Schwester Korede, der die Erzählerrolle zugedacht wurde, hauptberuflich Krankenschwester und die sozusagen auf Abruf als Tatortreinigerin für ihre kleine Schwester tätig ist und dafür sorgt, dass ihre kleine Schwester nicht den Kopf verliert. Dieses Buch einfach nur Krimi zu nennen, würde diesem Genre-Mischmasch aus Liebesroman, Krimi, Satire und Familiensaga nicht gerecht werden. Die Autorin, britisch geprägt und in ihrer Heimat Nigeria verwurzelt, serviert mit ihrer Geschichte einen rasanten literarisch-kulturellen Crossover.

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„Ein unverschämt gutes Kochbuch“, Joshua Weissman, New York Bestseller

Das Cover zeigt einen langhaarigen jungen Mann, böse dreinblickend – den Autor. In seiner Hand ein langes Messer, darauf aufgespießt einen leckeren Hamburger. Und dann der Titel „Ein unverschämt gutes Kochbuch“ und auch noch prämiert von der New York Times als Bestseller. Jetzt war ich gespannt. Was will uns Josua Weissman sagen? Und was wurde hier prämiert? Verspricht das Buch die Aussage?

 

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