Wir schauen durch diesen Roman direkt in das Wien von 1922. Eine wirtschaftlich zerstörte Stadt die am Anfang einer galoppierenden Inflation steht und deren Einwohner in Löchern wohnen die man nicht Wohnungen nennen kann. Die Polizei ist schlecht ausgerüstet und in bürokratischen Denkmustern gefesselt. Der Protagonist, August Emmerich kann sich dem nur entziehen weil er brillante Ergebnisse erzieht. Deshalb hat er auch Feinde die ihm tödlich nahe kommen. Da sich die Täter nicht auf Wien beschränken muss Emmerich auch ins Ausland reisen. Die Mordinspektion „Leib und Leben“ arbeitet wieder auf Hochtouren und wir, die Leser, fiebern mit.
Alle Artikel von Stephan Schwammel
Gerry Disher: Barrier Highway, Ein Constable-Hirschhausen-Roman (3)
Unser Mann im Outback: Paul Hirschausen. Der Retter der Witwen und Weisen. Er ist als degradierter Fahnder als Dorfpolizist in Der Woll- und Weizengegend gelandet und hat seine „Schäfchen“ gut im Griff, wären da nicht die. Bösen Buben die die Leute über Ohr hauen und einen waren Tsunami an Verbrechen auslösen. Hirschhausen hat ne Menge zu tun. Er selbst muss sich auf die verschiedensten Weisen seiner Haut erwehren. Disher in seiner ruhigen Erzählweise bringt die Atmosphäre dieses Landstrichs bis in unsere Wohn- u. Lesezimmer.
Andy Weir: Der Astronaut
Wieder hat der Autor ein fulminantes SI FI Wissenschaftswerk abgeliefert. Weir kreiert exterrestrische Wesen und Planeten die er uns mit vielen wissenschaftlichen Details präsentiert. Die Spannung steigt wenn festgestellt wird, dass die Sonne weniger Strahlkraft hat und das Leben auf der Erde zu erlöschen droht. Ein Raumschiff soll den Grund erforschen. Es ist klar dass es auch zum Zusammentreffen mit anderen Lebewesen kommt. Der Autor hat da die ausgefeiltesten Ideen. Da „Der Marsianer“ kongenial verfilmt wurde kann man auf diesen Film mit diesem erstklassigen Werk als Vorlage hoffentlich etwas Ähnliches produzieren. Weiterlesen
Noah Richter: Die Morgenröte – Sie nehmen dir dein Leben
Diese Morgenröte hat nichts mit der rechtspopulistischen Partei in Griechenland zu tun. Morgenröte ist ein zutiefst spannendes Werk in dem der Aufstieg eines Politsängers geschildert wird. Dieser Plot genügt dem Autor aber nicht. Er bringt einen Influenzer ins Spiel, der gerne mal auf die schmutzigen Seiten der bundesrepublikanischen Politik hinweist und der über 10 Millionen Follower verfügt. So wird ein Komplott gestartet um die Wahlen zum Bundestag zu beeinflussen. Im Werk wird ganz deutlich gemacht, wie die heutigen Medien, Tik Tok, Facebook und andere Social Media Wahlen beeinflussen können. Wir werden sehen, und das Buch ist dazu angetan die Augen zu öffnen, wie sich im September die Wahlen und ihre Ergebnisse präsentieren. Weiterlesen
Donna Leon: Flüchtiges Begehren: Commissario Brunettis dreißigster Fall
Zunächst kurz: Es ist wieder ein echter Brunetti Roman. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er die Verhältnisse im Lande und den Seelenzustand seiner Bewohner offenlegt. Wer mit wem verbandelt ist, wer erkennt wenn jemand etwas vorgibt zu sein und es nicht ist. Abhängigkeiten die nur in und durch bestimmte Kreisen geschaffen werden können. Das alles versteht Donna Leon aufzunehmen und gut lesbar in Romane zu packen die spannend, feinfühlig und uns die Serenissima näher bringen. Einstimmen mit der Autorin will die Redaktion in den Chor derer die fordern: Kreuzfahrer raus aus der Lagune! Man muss nur die Bilde sehen und versteht dann was es bedeutet wenn ein Hochhaus am Pier anlegt. Weiterlesen
Titus Müller: Die fremde Spionin
Die deutsche Nachkriegszeit, besonders im Brennpunkt der viergeteilten Stadt Berlin, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Unmenschlichkeit ist in allen Sektorengrenzen durch den kalten Krieg an der Tagesordnung. Da werden Kinder den Eltern entzogen und zu staatstreuen Bürgern erzogen, die man dann gegen den Feind einsetzt kann. Menschen werden instrumentalisiert um dem jeweiligen System Vorteile zu verschaffen oder auch propagandistisch auszuwerten. Titus Müller, der Autor, versteht es diese Stimmung wieder aufleben zu lassen. Die Methoden der politischen Systeme haben sich deutlich verfeinert aber in ihren Auswirkungen sind sie genauso brutal wie in den fünfziger Jahren. Das vorliegende Buch ist eines von drei Büchern dieses Autoren, der diese Zeit mit all ihren Protagonisten die den älteren unter den Lesern noch bekannt sein dürften, beleuchtet. Weiterlesen
Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers, Ein Fall für Leopold von Herzfeldt
Es gibt es tatsächlich, das Buch des Totengräbers. Es hieß Almanach für Totengräber und hat bahnbrechende Erkenntnisse über die Stadien der Verwesung bei Toten aufgeschrieben. Es wurden auch Teile aus dem Handbuch der medizinischen Polizei von 1848 aufgenommen. Diese Erkenntnisse gelten heute noch in der Forensik. Der Autor hat diese Versatzstücke manchen Kapiteln voraus gestellt und zum Anlass genommen, einen fiktiven Kriminalfall zu entwickeln. Es gelingt ihm die morbide Umgebung, nämlich dem Wiener Hauptfriedhof und seinen über zwei Millionengräbern hautnah zu schildern. Auch die judenfeindliche Atmosphäre in der Vielvölkerstadt wird recht deutlich geschildert. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse entsteht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und damit einhergehend die Vorstellung der reichen Menschen die absolute Macht über den anderen Teil, den größeren Teil, zu besitzen. In der Figur des Ermittlers der eine Affinität zu neueren Techniken, wie der Fotografie, hat, ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen. Weiterlesen
Elisabeth Herrmann: Zartbittertod
In der deutschen Geschichte, gab es auch eine Zeit des Kolonialismus. Das Kaiserreich hat im heutigen Namibia einheimische Völker vom Stamm der Hereros aus deren vertrieben. Es ging um die Ansiedlung von deutschen Farmern. Jahrelang führte Auseinandersetzungen führten nun dazu dass die Bundesrepublik Deutschland diesen Genozid als Völkermord anerkannt hat und bereit ist, Entschädigungen zu zahlen. Die Autorin hat diese Geschichte recherchiert und sie fiktiv mit zwei Familien verknüpft. Die Enkelin, der ein Bild in der elterlichen Chocolaterie aufgefallen ist, auf der ein kleiner schwarzer Junge neben einem großen Schokoladennashorn abgebildet ist, stellte Fragen dazu. Die dazu gehörige Geschichte bildet den fiktiven Rahmen des Romans, der spannend und gut zu lesen ist. Weiterlesen
Philip Gwynne Jones: Das venezianische Spiel
Den Älteren unter uns Lesern ist sicherlich noch die englische Fernsehkrimiserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ bekannt. Damals als es nur 2 Fernsehsender gab, ARD und ZDF, waren die Sendungen Straßenfeger: Wie der Titel schon sagt „Mit Schirm, Charme und Melone“ verkörperte Steed der Hauptprotagonist eine Detektivrolle immer gut gekleidet, mit Melone und einem Schirm. Seine Partnerin Emma, sah nicht nur gut aus, sondern brachte den Charme, den Esprit in die Serie. Als ich das Cover von diesem Buch las „Das venezianische Spiel“ – „Britischer Gentleman – Charme und italienische Dolce Vita“ habe sofort an die Krimiserie gedacht und auch einiges in der Hauptfigur von Philip Gwynne Jones wieder gefunden. Weiterlesen
Sabine Hofmann: Trümmerland
Wenn man Nachrichten schaut, und die Zerstörung von Städten, Häusern und Straßen sieht ist man betroffen. Zusammen mit diesem vorliegenden Roman kann man aber erahnen was die Menschen die dort gelebt haben oder leben durchmachen müssen. Es wird nachvollziehbar was man aus wenig machen kann und zu was es Menschen zwingt um ihr Überleben zu ermöglichen. Schwarzhandel, Lug und Betrug sind an der Tagesordnung. Im Fall des Nachkriegsdeutschland kommt noch hinzu, dass das zwischenmenschliche Verhältnis extrem zerstört ist. Niemand traut einander und man ist von denen, denen man getraut hat enttäuscht. Der vorliegende Roman ist auch die Schilderung des Lebens unserer Großväter. Weiterlesen
