
Oscar Wilde war wohl der berühmteste schwule Autor seiner Zeit (1854–1900). Ein Vorreiter, der seine sexuelle Neigung, als so normal ansah, wie wir es heute tun. Der für seine Homosexualität ins Gefängnis musste und trotz seiner vielen Erfolge danach verarmt und von der Gesellschaft geächtet in Paris starb. Aber Wilde war wesentlich komplexer, nicht nur der arme, geniale, schwule Autor, dem so viel Unrecht angetan wurde. Er war auch ein Provokant, arrogant im Umgang mit fast jeder Person, aber besonders der sogenannten englischen Gesellschaft. Und leider war er recht rücksichtslos gegenüber den Menschen, die ihn liebten, was früher oder später zu seiner Vereinsamung und Mittellosigkeit führte. Mit Zitaten wie: »Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.« Oder: »Wenn mir die Menschen zustimmen, habe ich immer das Gefühl, ich müsse falschliegen.« Und: »Man solle seinen Feinden immer vergeben, denn nichts ärgere sie so sehr.«Daran merkt man schon, wie dieser brillante Schriftsteller durchs Leben ging.
Was mir so gut gefällt, ist, dass genau dieser Mensch in der Graphic Novel so gezeichnet wurde. Man ist als Leser nicht immer auf der Seite des eleganten Lebemanns, besonders wenn man die Sicht seiner Ehefrau einnimmt. Daher kann man es nicht anders sagen: Tommaso Vitiello hat seinem Wilde die richtigen Worte in den Mund gelegt und die Illustratorin Licia Cascione zeichnet den teils naiven, recht selbstsüchtigen, aber dennoch zutiefst verletzlichen Schönling so, wie ich mir Oscar Wilde immer vorgestellt habe.
Eine tolle Comic-Biografie oder Graphic Novel, um etwas über Oscar Wildes Leben und Werk zu erfahren. Und vielleicht bekommt man Lust, auch mal eines seiner Werke, wie zum Beispiel ›Das Bildnis des Dorian Gray‹, zu lesen.
Och nein, ist dieses Buch wirklich schon zu Ende? Kennen Sie das, liebe Leser, ein Buch, von dem man sich wünscht, dass es immer so weitergeht! Zu solchen Büchern gehört „Methusalem kauft Artischocken“. Es ist eine fesselnde, bizarre und vor allem kluge Geschichte über einen einhundertdreiunddreißig Jahre alten Mann in Rom. Und ja, ich glaube, es braucht einen Italiener, um solch einen wunderbaren Roman zu schreiben. Marco Presta hat mit diesem Buch eine Jahrhundertgeschichte geschrieben, die nicht nur mit privaten und geschichtlichen Rückblicken verzaubert, sondern auch die heutige Gesellschaft scharf beobachtet. Mit viel Liebe und Geduld stattet er seinen alten Mann Enrico aus, mit Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl seinen Ispettore Gizzi, der sich im Laufe der Geschichte noch ganz anders entwickelt, und dann gibt es da Eunice. Bei der Haushälterin braucht es Zeit, sie zu durchschauen.
Vor drei Tagen stellte ich bereits den Titel ›Eltern heisen Eltern weil sie Elter sind‹ vor. Heute möchte ich gerne auch noch dieses kleine Buch vorstellen. Es ist das gleiche Prinzip, der Kindermund erklärt die Welt mit hübschen Zeichnungen der Kleinsten. Auch dabei bleibt kein Auge trocken, denn allein, wenn Sie sich den Titel ansehen, wissen Sie, was ich meine. Die kleinformatigen Bücher sind gebunden und dafür, dass sie so viel Freude bereiten, haben sie einen erschwinglichen Preis. Ideale kleine Geschenke, falls Sie noch dringend etwas suchen.
Dies ist der Auftakt zu einer neuen Kinder- und Jugendbuchreihe von Fabian Lenk. Das Buch hat alles, was ein spannendes Jugendbuch ausmacht. Abenteuer, Magie, eine Kriminalgeschichte und der unverwüstliche Zusammenhalt von drei Geschwistern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als Yana, Yamon und Anouk ihren Onkel, Professor Klawitter, in ein Pharaonengrab im Tal der Könige begleiten, fällt ihnen eine alte Papyrusrolle in die Hand. Der Text scheint eine Art magische Formel zu sein, denn kaum hat Anouk sie ausgesprochen, verwandelt sie sich in eine Raubkatze. Bei erneutem Sprechen der Formel, ist sie wieder ein Mensch. Natürlich können die Zwillinge Yana und Yamon sich nicht zurückhalten und versuchen es ebenfalls. Yamon nimmt die Gestalt eines Hundes an, der Anubis, den Totengott, darstellt und Yana wird ein Falke wie der Kriegsgott Horus, während Anouk zur Katzengöttin Bastet wird. Überglücklich über ihre neuen großartigen Fähigkeiten, sich zu verwandeln, merken sie nicht, dass man sie in der Grabkammer belauscht hat. So hat auch der Verbrecher Dragor dieses Geheimnis entschlüsselt. Er jedoch verwandelt sich in hunderte kleiner Mistkäfer, die bei den alten Ägyptern als Skarabäus verehrt wurden. Aber was ein echter Krimineller ist, der kann sogar die Verwandlung zum Mistkäfer für seine Raubzüge verwenden. Nur hat er nicht mit seinen tierischen Gegnern gerechnet, die ihn durch ganz Kairo verfolgen, um den gestohlenen Schatz aus dem Museum wiederzubekommen.

Ein Kinderbuch von Ferdinand von Schirach?, dachte ich mir und habe es erst einmal mit Skepsis angefangen. Doch es war wieder eine Freude, das Buch zu lesen, wie jedes einzelne Buch dieses fantastischen Autors. Alexander ist eine rührende, berührende Geschichte über Menschenrechte, die nicht nur clevere ›Kinder‹ zum Denken anregt. Betrachte ich mir momentan einen großen Teil der deutschen Gesellschaft, ist dieses Buch jedoch auch vielen Erwachsenen ans Herz zu legen. Genau für die Menschen, die der Demokratie überdrüssig sind. Die von Freiheit, Gleichheit und Meinungsfreiheit nichts mehr halten und das Grundgesetz erst einmal durchblättern sollten, bevor sie die Grundfeste der deutschen Demokratie einreißen möchten. Das Buch hat mich tief bewegt, weil die Geschichte aus der Sicht eines unverdorbenen, klugen Jungen geschildert wird, der Despoten, Scharlatane und Schaumschläger als das erkennt, was sie sind. Der jedem Menschen jedoch Freiheit, Meinungsfreiheit, Gleichheit, Entfaltung der Persönlichkeit und vor allem die menschliche Würde wünscht. Auf seiner Suche nach gerechten Gesetzen, spricht er mit ganz verschiedenen Leuten, erfährt ihre Prioritäten und überzeugt am Ende einen strengen König, der sich dadurch für den Frieden entscheidet.
Die Serie Grenzfall, mit den beiden Ermittlern Alexa Jahn und Bernhard Krammer habe ich erst mit Band 6 entdeckt. Nun, eines muss man der Autorin lassen: Die beiden Protagonisten sind einfach sehr sympathisch und mit all ihren Sturheiten, Macken und dem Herzblut, mit dem sie ihren Fällen nachgehen, sogar realistisch. Außerdem sind sie Tochter und Vater, sie Polizistin in Bayern und er beim LKA in Tirol. Wobei es bei Oskar, Alexas Wunderhund, der Lassie Konkurrenz macht und fast sprechen kann, mit der Realität schon wieder aufhört. Der Fälle sind spannend und mehrgleisig erzählt und doch irgendwie hängen sie zusammen. Und bis zur Mitte ist alles sehr nachvollziehbar, leider überzieht der Krimi in der zweiten Hälfte für mich etwas. Es kommt einfach zu viel zusammen, doch wenn Sie solch komplexe Krimis mögen, sind die bei Anna Schneider genau richtig. Vielleicht hätte ich mit Band I beginnen sollen und wäre dann etwas begeisterter. Aber nicht falsch verstehen, es ist ein solider Krimi, der bestimmt seine Fans hat, und es ist eine Leseempfehlung.