
Juli Gold, die Wächterin der Zeit, ist einfach ein wunderbares Abenteuer-Märchen-Fantasy-Buch mit all den Wohlfühl-Zutaten, die man von guten Jugend- und Kinderbüchern kennt. Den Anfang nimmt die Geschichte mitten in New York, wo Juli mit ihrem, ihr immer fremder werdenden Vater Johan lebt. Seit ihre Mutter vor einem Jahr spurlos verschwand, ist nichts mehr wie es war. Nur gut, dass ihre Oma in der kleinen Gärtnerei in Coney Island immer noch der liebste Mensch ihres Lebens ist. Denn Juli hat es auch sonst nicht einfach, keiner mag sie so richtig, weil sie einfach anders ist. Anstatt mit Facebook und Shopping ihre Zeit zu vergeuden, liebt sie es zu träumen und die Natur über alles. Ihr einziger Freund ist der Bäcker Maurice, dessen neuer Geselle ihr am Abend des 13. Geburtstags noch ein paar besondere Kekse vorbeibringt. Nachdem sie von ihrem Vater ein Smartphone bekommen hatte, das ihr vollkommen egal ist, konnte sie wenigstens mit ihrer Oma richtig feiern. Und die schenkt ihr ein echt tolles Zelt, das einmal ihrer Mutter, Dike gehörte. Kurzerhand lädt Juli den Bäckergesellen Janko ein, bei ihr im Garten im Zelt zu übernachten. Doch dieses Zelt ist nicht, was es scheint, denn kaum sind die Reißverschlüsse zu, bricht draußen ein ungeahnter Sturm los. Als sie ihre Köpfe endlich wieder herausstrecken, sind sie irgendwo in einer herrlichen Landschaft, die mit der heißen, vibrierenden New Yorker Stadtmitte so gar nichts mehr zu tun hat. Dieses herrliche Land wirkt wie aus der Zeit gefallen und die beiden Schwestern, die sie dort kennenlernen, sind genau wie das Picknick mit ihnen einfach nur wunderbar. Und da die Sommerferien gerade angefangen haben, beschließen Juli und Janko, etwas länger in diesem Zauberland zu bleiben. Hätten sie geahnt, dass sie in das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens gestolpert sind, wären sie ganz schnell wieder abgehauen. Doch dieses Land braucht Hilfe und alle haben nur auf Juli gewartet.
Trolle, Monster, gute Hexen, Geheimnisse, Zeitgeister und einen unbeschreiblicher Schurke gilt es zu bewältigen. Dabei kommen wunderbare Frühstücke, Imbisse und Picknicks nie zu kurz, sodass man das Gefühl bekommt, man reist wieder mit Hobbits zum dunklen Herrscher. Denn knuspriges Weißbrot, goldene Butter und süßer Honig gehörten im Herrn der Ringe genauso wie in Juli Gold einfach dazu. Es geht um Freundschaft, Mut, Verrat und am Ende um …
Es macht richtig Spaß, dieses Buch zu lesen. Für mich gibt es nur ein einziges kleines Manko, denn der Knesebeck Verlag ist vor allem berühmt durch seine wunderbaren Illustrationen. Auch das Buchcover von Juli Gold ist hübsch, doch das abgebildete Mädchen hat mit der Juli Gold im Buch so gar nichts zu tun. Denn ihr Blick ist unfreundlich und das spitze Gesicht mit dem schmalen Mund mehr als abweisend. Leider, denn Juli ist so ein tolles Mädchen, da hätte man sich ein bisschen mehr Mühe geben müssen. Aber das tut einer wunderbar erzählten Geschichte keinen Abbruch, denn all die jungen Leser erschaffen sich ihre Juli Gold einfach im Kopf! Weiterlesen
Maifliegen ist ein inniges und berührendes Buch über eine schottische Männerfreundschaft. Es ist eine Geschichte, die manchmal mit viel Komik, tieferschweifenden philosophischen und politischen Gedanken und am Ende auch mit ans Herz gehenden Worten erzählt wird. Dennoch betritt man dieses Terrain, als Frau und als nicht in dieser Zeit in England und Schottland aufgewachsener Mensch, mit einigem Erstaunen. Denn das in der ersten Hälfte des Buches beschriebene Wochenende auf dem New Musical Festival des Punkrocks in Manchester 1986 fiel in Thatchers Amtszeit. Und der umgreifende Thatcherismus hatte bereits die Arbeiterklasse erfasst. Armut, Verelendung und tiefgreifender sozialer Verfall waren in den Stahlindustriestädten Manchester und Glasgow bereits an der Tagesordnung. In dieser Zeit der allgemeinen Hoffnungslosigkeit und Depression wachsen Tully, Noodles und ihre Freunde auf. Und wie es bei Jugendlichen um die achtzehn Jahre nun mal so ist, können Partys, Mädchen und Musik das Leben in ein Abenteuer verwandeln, das nur in der Ekstase und dem vibrierenden Taumel der Jugend erlebt werden kann.
Zitat: „Ich sage immer, meine Kindheit war absolut menschenunwürdig. Mit vierzehn Jahren habe ich bereits in 27 unterschiedlichen Heimen und Pflegefamilien gelebt. Das bedeutet, ich bin 54-mal verschoben worden. Zwischendurch war ich immer mal wieder bei meiner Mutter. Doch auch dort war ich Gewalt, Demütigung und noch sexuellem Missbrauch durch den Stiefvater ausgesetzt.“ Zitat Ende
Als Erstes musste ich an den französischen Film „Pakt der Wölfe“ denken, der die Jagd und Tötung der sogenannten Bestie von Gévaudan ganz wunderbar in Szene gesetzt hat. Und tatsächlich handelt ein großer Teil der Geschichte über den roten Winter von dieser Jagd und dem Biest. Doch so ganz anders als im Kinospektakel „Pakt der Wölfe“ verfilmt, geht es im Buch viel mystischer zu. Und ich denke, was dieses Buch ebenso reizvoll macht, ist der Fakt, dass es die Bestie vom Gévaudan wirklich gab. Seine Angriffe 1764 kosteten über drei Jahre etwa 100 Menschen, besonders Kindern, Jugendlichen und Frauen, das Leben. Im wahren Leben wurde die Bestie erlegt, auch wenn man aus den Aufzeichnungen nicht sicher sein kann, ob es sich um einen großen Wolf oder ein aus Afrika mitgebrachtes besonders mächtiges Exemplar einer Streifenhyäne handelte. Ein Tier, das seiner Gefangenschaft in Frankreich entkam und in der Wildnis sein Unwesen trieb. Doch kommen wir jetzt zu „Red Winter“, seines Zeichens ein Fantasy-Mystery-Roman, fast ein Thriller in diesem Genre. Denn die Hauptperson Sebastian Grave ist selbst ein an einen Dämonen gebundenes Wesen, das alterslos ist und seit Jahrhunderten durch die Welt zieht. Er kennt das alte Rom, Jeanne d’Arc Lebensweg und viele historische Ereignisse aus persönlichem Erleben. Sebastian wird gebeten, sich an der Jagd im Gévaudan zu beteiligen, und er ahnt nicht, dass er sowohl der Liebe seines Lebens als auch dem größten Horror seiner Existenz begegnen wird.

Also, das ist ja mal ein echt cooles Buch. Denn es ist ein Buch, das einen in das ultimative Computer-Game bringt. Da braucht man gar nicht online zu sein, sondern nur das Buch zu lesen, um sich mit Monstern, geheimen Kräften und völlig verrückten Dingen auseinanderzusetzen. Gustav hat nicht nur einen bescheuerten Namen, er ist auch ein Loser. Na ja, niemand mag ihn wirklich, und seit sein bester Freund Wilhelm umgezogen ist, wird das Leben in der Schule nicht einfacher. Eines Tages kommt eine Neue: Ruby. Aber die ist noch eigenartiger und dann haben sich zwei Loser gefunden. Ruby lädt Gustav ein, mit ihr Deepworld zu spielen. Ein Online-Rollenspiel, das sich durch VR-Brillen und Sensoren am Körper wie die Wirklichkeit anfühlt. Nur in dieser Wirklichkeit gibt es Monster, Zauberer, Quests und wundersame Belohnungen. Das erste Mal kommen sich Ruby und Gustav etwas näher und so erfährt er von Rubys Bruder, der im Koma liegt. Doch Ruby erzählt ihm nicht die ganze Wahrheit, und als das Spiel sie beide plötzlich gefangenhält, versteht Gustav endlich, dass Rubys Bruder Luca wegen Deepworld krank wurde. Natürlich fragt er sich, ob er selbst nur Mittel zum Zweck ist und Ruby in Deepworld folgen sollte, um ihr auf der Suche nach Luca zu helfen. Koste es, was es wolle!
»Diese Frau habe ich für mich erschaffen. Niemand kommt mit heiler Haut aus der eigenen Geschichte heraus. Ich habe es getan, um hierherzukommen, und es gibt nichts dagegen zu sagen. Absolut nichts. Habe ich gelogen? Habe ich Opfer gebracht? Habe ich betrogen? Natürlich habe ich das! Und hier bin ich. Ich kann tief in mich hineinblicken, aber könnt ihr es? Hier bin ich. Hier ist ein Mensch. Könnt ihr das akzeptieren?« Mit diesem Zitat fast am Ende des neuen Buchs ›Hinter dem Nebel‹ von Krimigroßmeister Christoffer Carlsson wird bereits viel über diese Geschichte erzählt. Es ist ein superber Krimi, ein Thriller, eine Lebensgeschichte und vielleicht irgendwie auch eine Biografie. Auf jeden Fall ist es aber mehr als nur ein spannender Kriminalroman. So ein Buch ist Literatur und diese von der besseren Art. Wenn Sie Christoffer Carlsson kennen, dann lesen Sie auch diesen Roman, denn der Autor wird mit den Jahren mit jedem seiner Bücher immer besser. Falls Sie ihn noch nicht kennen, fangen Sie unbedingt damit an, liebe Leser.
