Eine literarische Fiktion und ein historischer Roman. Eine Biografie der 1930er Jahre von Anaïs Nin, während sie ihre Affäre mit Henry Miller in Paris hatte. Charlotte von Feyerabend entführt den Leser mit Leichtigkeit in das Paris der dreißiger Jahre und zeichnet mit wortgewaltigen, oft leisen Tönen eine lodernde Liebesbeziehung, einen regelrechten Rausch zwischen den beiden Literaten Nin und Miller. Beide leben dabei nicht nur ihre sexuelle Ekstase und Lust aus, als gäbe es keine gesellschaftlichen Konventionen. Sie sind gleichzeitig auf der Suche nach Worten für diese Leidenschaft, die eingefangen und niedergeschrieben werden muss. Und das ist beiden Schriftstellern auch gelungen: Miller mit dem damals aufsehenerregenden Roman ›Wendekreis des Krebses‹ und Anaïs Nin mit ihren Tagebüchern ›Henry, June und ich‹, welche erst viel später veröffentlicht wurden. Wer mehr Einsichten in die Personen Nin oder Miller erwartet, ist mit ›Liebesrausch‹ fehl am Platz. Darum geht es auch nicht, es soll eine Zeitspanne der beiden Literaten aufzeigen, die durch einen fast zerstörerischen erotischen Rausch geprägt war. Und diese Zeitspanne hat die Autorin wunderbar eingefangen und unterhaltend niedergeschrieben.
Wer weder Anaïs Nin noch Henry Miller kennt, bekommt mit diesem Roman vielleicht Lust, diese beiden extremen Schriftsteller und Lebenskünstler näher kennenzulernen.

Ich habe einige von Konstantin Weckers Büchern gelesen: Der Klang der ungespielten Töne, Mönch und Krieger und Uferlos. Mit sechzehn Jahren sah ich den damals dreißigjährigen Sänger das erste Mal live und ich war im Laufe meines Lebens unzählige Male bei seinen grandiosen Konzerten. Das Konzert 2024 in der Alten Oper in Frankfurt war mein Letztes. Konstantin Wecker, ein Sänger im Alter von siebenundsiebzig Jahren, und auch ich mittlerweile eine ältere Frau, war ich doch immer noch Liebhaberin seiner Musik. Er hat mit seinen Liedern und seiner Bühnenpräsenz eine enorme Botschaft herübergebracht – und das immer leidenschaftlich!




Ferdinand von Schirachs Gedanken, in seiner neuen Kurzgeschichtensammlung, »Der stille Freund« ähneln dem Buch, »Kaffee und Zigaretten«. Dieses Mal jedoch eher subtiler und, wie es mir scheint, persönlicher. Er spricht zum Beispiel über den Tod mit der Stimme einer totkranken Freundin, was ich an der Stelle zitieren möchte: Den Tod darf man nicht zu ernst nehmen. Wenn man verzweifelt ist, stirbt man. Wenn man nicht verzweifelt ist, stirbt man. Besser also, man ist nicht verzweifelt. Oder er führt den Lesern, in seiner kleinen Erzählung über seinen stillen Freund Massimo, die Unfähigkeit der Menschheit vor Augen, aus Geschichte und Erfahrung irgendetwas lernen zu können. Handfester wird dann schon die Geschichte, »Wirklichkeit und Wahrheit«. Vom Stil her eher eine Zusammenfassung von Ereignissen zum Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 auf israelische Zivilisten. Es geht um die Geiseln, die auf abscheulichste Art und Weise den Tod fanden, während in den westlichen Ländern Menschen über den Terroranschlag jubelten und kurz danach in London 100 000 Demonstranten für die Palästinenser auf die Straße gingen. Wenn man sich die ethische oder philosophische Definition von Wahrheit und Wirklichkeit ansieht, ist diese in unserer Zeit wirklich in Auflösung begriffen, und das, durch die Macht der sozialen Medien. Alles in allem steht wie immer der Mensch im Mittelpunkt der Geschichten. In all seiner Größe, seiner Niedertracht, seinem Mut, seiner Unsicherheit und auch seinem Genie und dessen Teufel und Gott.