Harald Gilbert: Luftbrücke

Ein Krieg, wirft auch nach den Kampfhandlungen weiterhin seinen langen Schatten auf die übrig Gebliebenen. Ein besonderer Brennpunkt nach dem Zweiten Weltkrieg war die vier Mächte Stadt Berlin. Ihr versuchten die Siegermächte ihr jeweiliges Regierungssystem durchzusetzen. Das führte relativ schnell zu Spannungen, dass besonders die Zivilbevölkerung traf. Es kulminierte besonders im Jahr 1948 als die Westmächte ihre Westwährung durchsetzten. Bei der Spaltung der Stadt Berlin in zwei Teile war natürlich auch die Polizei stark betroffen. Sie spaltete sich machte kriminalistische Arbeit nahezu unmöglich. Neben der prekären Lebenssituation der Betroffenen, die der Autor drastisch vor Augen führt, feierte der Schwarzmarkt fröhliche Urständ und führte oft zu ekelhaften Situationen. Eine grauenhafte Mordserie, angelehnt an eine tatsächliche Serie, hat der Autor spannend in Szene gesetzt.

Harald Gilbers
Foto: Ronald Hansch

​Harald Gilbers, geboren 1969, stammt aus Moers am Niederrhein und lebt derzeit in Ostrhauderfehn. Er studierte Anglistik und Geschichte in Augsburg und München. Anschließend arbeitete er zunächst als Feuilleton-Redakteur beim Fernsehen, bevor er als freier Theaterregisseur tätig wurde.   Sein Romandebüt „Germania“, der erste Fall für Kommissar Oppenheimer, erhielt 2014 den Friedrich-Glauser-Preis und wurde bislang in acht Sprachen übersetzt. In Japan schaffte es der Roman gleich auf zwei Jahres-Bestenlisten mit ausländischen Krimis. Die Fortsetzung, „Odins Söhne“, wurde 2016 in Frankreich mit dem Prix Historia als bester historischer Kriminalroman ausgezeichnet.

Der 6. historische Berlin-Krimi mit Kommissar Oppenheimer spielt 1948 zur Zeit der Berlin-Blockade in der vielleicht gefährlichsten Phase des Kalten Krieges, als lediglich die »Rosinenbomber« der Luftbrücke die Versorgung mit dem Nötigsten sicherstellen. Das weiß ein Serienmörder für sich zu nutzen. Im vom Westen abgeschnittenen Berlin des Jahres 1948 finden Kinder beim Spielen am Spreeufer ein abgetrenntes Bein. Wenige Tage später werden menschliche Organe auf einem Schiff entdeckt, die allerdings von einem zweiten Opfer stammen müssen.
Kommissar Oppenheimer steht vor einem Rätsel. Bald darauf stößt er in einer Ruine auf ein bizarres Stillleben: ein Toter am Esstisch, nackt und offensichtlich aus verschiedenen Leichenteilen zusammengesetzt. Die ohnehin schwierigen Ermittlungen zwischen den Besatzungszonen gestalten sich im heraufziehenden Kalten Krieg beinahe unmöglich. Und der Mörder scheint genau zu wissen, welche Schlupflöcher ihm die aufgeheizte Lage bietet.

Harald Gilbert: Luftbrücke, Knaur TB, 464 Seiten, ISBN: 978-3-426-52688-0, € 10,99

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