Schlagwort: Historisch

Das Buch der gefallenen Blätter, A.S. Tamaki, Fantasie-Epos Band I, Herbst des Imeriums

Man muss sich bei diesem ersten Teil einer neuen pseudo-japanischen Fantasiereihe stets vor Augen halten, dass es Mister Tamakis erster Roman ist. Ich vermute, er war Drehbuchautor in Hollywood, denn für ein Debüt ist der erste Teil seiner Fantasie-Trilogie wirklich ausgezeichnet. Es erinnerte mich an die Romane des Otori-Clans von Lian Hearn, die wirklich genial waren. Auch wenn der Autor sich mit den vielen japanischen Namen, Bezeichnungen und auch den Beschreibungen der Ländereien manchmal über den Horizont des Lesers hinauswagt – da helfen auch kein Namensglossar am Ende und keine Karte am Anfang –, so kommt man Seite für Seite tiefer in diese Welt der Fantasie hinein. Die Protagonisten, vor allem die Guten unter ihnen, sind sorgfältig gewählt und zeichnen sich am Anfang der Geschichte fast alle durch Unsicherheit aus. Ein wunderbarer Auftakt für eine große Trilogie, denn wir kennen das von Epen wie ›Der Herr der Ringe‹ oder auch ›Game of Thrones‹, dass die wahren Helden erst nach langem Ringen, ihre wahre Kraft und mutig ihr Schicksal finden.

Und das weiß auch A. S. Tamaki, denn sein Held Sen, steht irgendwie zwischen allen Stühlen und weiß eigentlich nicht, wie ihm geschieht, als er allein durch seine Abstammung in einen Konflikt des Kaiserhauses und seiner Vasallen hineingezogen wird. Seine einzige Freundin und das schon seit Kindertagen, als man seine Eltern niedermetzelte, ist Rui, ein Bauernmädchen. Doch auch Rui ist so viel mehr, als man von ihr glaubt. Denn sie scheint von den Göttern erwählt zu sein, wird zu ihrem Spielball und muss sich den Dämonen der anderen Seite stellen. Auch wenn die Lehren des Krähenmönch Jobo, Sens Meister, meistens sehr verworren sind, sowohl für Sen als auch für die Leser, finden wir dennoch langsam einen Zugang zu den Fehden des Gensei- und des Keishi-Clans, und verstehen, wie das Haus des Ten’in-Kaisers von seinem Großkanzler Seikiyo, aber auch vom Kaiservater Goshira zum Spielball der Politik gemacht wird. Schnell ist klar, wie die anständigen Menschen unter dem Vasallen einen Krieg verhindern wollen, der jedoch nicht mehr zu stoppen ist. Und das ist der Stoff, für große Geschichten, denn nur so kann der eigentlich unbedeutende Nachkomme von Verrätern, Sen Hoshiakari seinen Weg finden und gemeinsam mit Rui einer No’in, einer von niedriger Geburt, zu den wichtigsten Figuren im Kampf  um die Macht zwischen den Clans, aber auch der Götter und Dämonen werden.

Das Buch der gefallenen Blätter hat wirklich etwas! Auch wenn ich mich immer schwer tue mit zu vielen Clans, Namen, Bezeichnungen und dann noch auf Japanisch. In der Hinsicht habe ich bei den Büchern von Game of Thrones ebenfalls gestöhnt. Und wie Sie erkennen, ziehe ich hier den Vergleich mit der Crème de la Crème der Fantasie-Epen. Wenn Band zwei hält, was ›Das Buch der gefallenen Blätter, mit Herbst des Imperiums I‹ verspricht, könnte das eine ganz große Geschichte werden. Als Fantasie-Fan war ich hellauf begeistert.

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Anne Jacobs: Der Dorfladen

Anne Jacobs erzählt ihren neuen Mehrteiler über den Dorfladen des fiktiven Dorfes Dingelbach am Fuße des Taunus zwar routiniert, aber mit Herzblut. Und das aus gutem Grund: es ist unter anderem auch die Geschichte ihrer Mutter Frieda, der zweiten Tochter von Marthe Heller, ihres Zeichens verwitwete Dorfladenbesitzerin und Mutter von insgesamt drei Töchtern. Herta, die Vernünftige, Besonnene, die immer etwas zu tun haben muss, Frieda (17), die Verträumte, die schon als Kind Geschichten und Theaterstücke schreibt und für das jährliche Krippenspiel verantwortlich ist, aber Schauspielerin werden möchte und die Jüngste, Ida (13) schlau, wissbegierig, die Beste der Schule und völlig unterfordert.Jacobs beginnt ihre Saga im Oktober 1923, 5 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges. Viele Männer sind im Krieg gefallen die Witwen kämpfen ums Überleben, die Hyperinflation steuert auf ihren Höhepunkt zu. Man merkt, diesem Buch liegen neben Erzählungen aus dem persönlichen Umfeld auch gründliche Rechercheergebnisse zugrunde.

Innerhalb weniger Seiten bin ich in die Romanwelt eingetaucht. Neugier treibt mich voran. Denn: die einzelnen Erzählstränge sind spannend, atmosphärisch dicht, flott geschrieben und ich möchte wissen, wie es den Protagonisten im weiteren Verlauf ergeht (neben den Damen Haller treffe ich auf die resolute Ilse Küpper, die sich um die Stockschirmfabrik und die dazugehörige Villa der Familie kümmert. Ich erfahre, wie sehr die von allen Mädchen des Dorfes beneidete Jungbäuerin Helga unter ihrer Schwiegermutter und unter ihrem Mann, Bauer und Bürgermeister von Dingelbach zu leiden hat). Können sie ihre Träume und Wünsche realisieren, sich gegen Widersacher behaupten und schlussendlich ihr Glück finden?

Foto: Fotostudio Marlies GbR

Anne Jacobs veröffentlichte unter anderem Namen bereits historische Romane und exotische Sagas. Mit »Die Tuchvilla« gestaltete sie ein Familienschicksal vor dem Hintergrund der jüngeren deutschen Geschichte und stürmte damit die Bestsellerliste. Nach ihrer ebenfalls sehr erfolgreichen Trilogie um »Das Gutshaus«, die von einem alten herrschaftlichen Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern und vom Schicksal seiner Bewohner in bewegten Zeiten erzählt, legt Anne Jacobs nun fünften Band der »Tuchvilla«-Saga vor.

Der kleine Dorfladen von Marthe Haller ist das Herz des Örtchens Dingelbach am Fuße des Taunus. Hier kauft man ein, erfährt die neuesten Nachrichten und findet Unterstützung in allen Lebenslagen. Marthes Töchter greifen ihrer Mutter unter die Arme, wo es nur geht. Doch Frieda, die Mittlere der drei, hat große Träume: Sie hat sich in den Kopf gesetzt, Schauspielerin zu werden – zum Entsetzen ihrer Mutter. Zwischen dörflicher Tradition und Zusammenhalt, harter Arbeit und den Verlockungen der großen Stadt Frankfurt, muss Frieda noch einige Steine aus ihrem Weg räumen …

Blanvalet Verlag – broschiert – 576 Seiten – 18,00 € – ISBN 978-3-7645-0843-2

 

 

 

 

Die Kinder der Otori, Jugendbuch zur Otori-Serie, Lian Hearn

Wenn man wie ich die fünf Bücher des Otori-Clans gelesen und lieben gelernt hat, freut man sich immer über eine Fortsetzung. Doch es dauert ein wenig, um wieder in die Geschichten um den Otori-Clan hineinzulesen. Denn das letzte Buch von Lian Hearn über die Otoris, die Weite des Himmels, erschien 2007. Doch erst einmal eingelesen, kommt man zu Hause an. Die Geschichten die im alten Japan spielen und von Kriegern, magischen Wesen, von Schwertern, von weisen Mönchen und grausamen Herrschern handeln, ziehen einen schnell wieder in den Bann.

Machen Sie sich selbst eine Freude und beginnen Sie mit den Büchern über den Otori-Clan. Denn dann werden Sie auch die Kinder der Otori lieben. Eine fantastisch erzählte Geschichte aus einer alten, magischen Zeit in Japan. Weiterlesen