Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte; Kunsthistorikerin.
In ihrem neuen Roman breitet Meg Wolitzer einen Überblick über die Geschichte des (amerikanischen) Feminismus anhand von differenziert gestalteten Charakteren aus. Das gut lesbare Buch bietet einen Überblick über den Feminismus, seinen Kampf für die Rechte der Frauen, seine Ideale, wobei es bei aller Ernsthaftigkeit auch manchmal originell auftritt (wie die Erwähnung von Faith Franks Buch von 1984 „Das weibliche Prinzip“), phasenweise aber auch langatmig wirkt. Zum Schluss soll Greers Wunschadresse an Faith zitiert werden:
„Du hast im College für eine Offenbarung gesorgt. Danach habe ich jahrelang beobachtet, wie du alles, was du aufzubieten hattest – deine Kraft, deine Ansichten, deine Großzügigkeit, deinen Einfluss und natürlich deine Wut über Ungerechtigkeiten, alles zusammen – , anderen Frauen geschenkt hast, was oft passiert ist: die lange und großartige Geschichte von Frauen, die alles an andere weiter geben. Vielleicht ist das ein Reflex, manchmal auch eine Pflicht; aber wir tun es stets in dem Gefühl, dass es notwendig sei.“ Weiterlesen




Ein Detektivroman reinsten Wassers. Wenn ein Polizist in Rente geht und er sich durch seinen Beruf definiert hat, fällt das Nichtstun schwer. Wenn dann auch noch die Beziehung auf Eis gelegt wird, dann muss der Vergaser der Panhead Harley Davidson von 1955 herhalten. Aber da ist eine Mordermittlung an der Seite eines Verteidigers schon ein verlockendes Angebot auch wenn die Ex Kollegen das garnicht gerne sehen. Spannend und auch ein wenig Systemkritisch was den American Way of Life angeht.
Da ist einer, der hat ein Motel und beobachtet 15 Jahre lang durch ein präpariertes Loch Menschen. Er schreibt auf was er sieht und teilt es dem Sachbuchautor Talese mit. Schockierend? Erhellend? Studie? Es ist auch ein bisschen von Allem. Am Ende des Buches vergleicht der Voyeur die Überwachung des Staates mit seinen vielen Kameras mit seinem Voyeurismus. Interessant!
Mit einer Reihe von Neuübersetzungen wurde den Werken des Krimiautoren Dennis Lehane Rechnung getragen. Angepasst an heutige Redewendungen und Sprüchen erschließen sich die Zustände des heutigen Amerika recht deutlich. Ein Lob gilt daher auch dem Übersetzer. Der Autor zeigt in seinen Werken Mystic River, Der letzte Drink, ein Land, in dem täglich mit Waffengewalt Banden und auch die Polizei Rechte, in welcher Art auch immer durchgesetzt werden. Weiß gegen Schwarz und anders herum, die Kämpfe sind gnadenlos. Lehane nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Mit seinen beiden Detektiven in Boston dringt er tief in die Unterwelt und des organisierten Verbrechens ein. Ein Meister der schreibenden Zunft nimmt uns in seinen Werken quasi mit in ein Land, das scheinbar immer mehr zu den Waffen greift.
Lutz Reigber Gastrezension: Lutz Reigber: Der Roman „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ von Ben Fountain ist erst Ende 2013 in Amerika erschienen und schon 2016 verfilmt worden. Das aus gutem Grund, denn es entspricht der Zeit. Bei uns kommt der Film ab 2. Februar 2017 in die Kinos mit einer Starbesetzung Kristen Stewart, Chris Tucker, Garrett Hedlund, Vin Diesel, Steve Martin und Joe Alwin. Eine grandiose Verfilmung des dreifachen Oscar-Preisträgers Ang Lee, bekannt durch „Life of Pi“, „Brokeback Mountain“ und „Tiger und Dragon“.
Ein beeindruckender Thriller, der den Gesellschaftswandel in den 70iger Jahren mit einer unglaublichen Realität beschreibt. Die Polizisten, die fast alle in irgendeinem Krieg gekämpft hatten, bevor sie zum Polizei Corps gingen, kommen mit dem Wandel nicht klar. Frauen im Beruf, Schwarze und Homosexuelle sind der Feind und das in den eigenen Reihen des Police Departments. Doch die starken Frauen der Einheit kämpfen um ihre Stellung und decken Stück für Stück eine erschreckende Wahrheit auf, der Shooter muss der Polizei nahe stehen und tötet die Polizisten, die intern bereits als Feinde gesehen werden.