
Die Skandinavier können einfach Thriller schreiben! Dieses Debüt ist der erste Teil einer Trilogie mit einem ganz gewöhnlichen Kommissar, dem das Leben bereits hart auf die Prüfung gestellt hat. Zusammen mit seinem nicht minder mürrischen Kollegen Andreas sollen sie einen Vermisstenfall untersuchen. Die Tochter einer berühmten Politikerin ist samt Enkelkind verschwunden. Das die Tochter Mitglied einer fanatischen Gottessekte ist, macht die Sache nicht einfacher. Doch als ein Amokläufer besagte Sekte überfällt und etliche Tote hinterlässt, wird der Fall plötzlich erste Priorität der Chefetage, besonders weil man ein unterirdisches Labor findet, von dem niemand weiß, was dort erforscht wurde.
Wie nähert man sich einem Roman, der Das Alte Böse heißt? Mit Humor? Die alte Böse, muss es heißen, und die ist tot. Oder doch mit freudiger Erwartung? So wie Brian, der im Internet Estelle kennengelernt hat. Die lässt sich von ihrem Enkel Stephen zum Rendezvous chauffieren. Enkel? Internet-Dating-Portal? Moment, wie alt sind die beiden denn? Sagen wir es so: Sie sind in der Mitte zwischen einer dreistelligen Altersangabe und dem Renteneintrittsalter. Und sie heißen eigentlich Betty und Roy. Und sie sind alt. Und einer von beiden (oder doch beide?) ist böse!
Kennen Sie das? Man hat seit fünfzehn Jahren ein Buch im Haus, es nie gelesen und dann aus einer Laune heraus greift man danach. Schon bei den ersten Sätzen wird einem klar, welch einen Schatz man so lange gehütet hat. So ging es mir mit Evas Cousine von Sibylle Knauss. Der Roman erschien im List Verlag und ist leider vergriffen, doch der Besucher von Secondhand- und Gebrauchtbuchforen im Internet wird immer noch fündig und ich sage nur, es lohnt sich! Der Roman gegründet auf lange Gespräche mit Eva Brauns Cousine, die mehr als fünfzig Jahre über ihre Erlebnisse schwieg. Die Autorin Sibylle Knauss zeichnet deren Aufenthalt am Obersalzberg, Hitlers innerem Machtzentrum, in den letzten neun Monaten seiner Herrschaft nach.
Es ist schon ein ungewöhnlicher Kriminalroman in dem der Protagonist schon auf den ersten Seiten erschossen wird und dann im Jenseits ermittelt. Der Autor hat für dieses Buch so scheint es einiges auf sich genommen. Wenn er alle die herrlichen Weine, die er im Buch vorstellt genossen hat, muss seine Leber einiges ausgehalten haben. Die Gasthäuser und Hotels haben bestimmt auch gut verdient. Brillant wird das Buch auch durch die Schilderungen der Farben die der Verblichene auch im Jenseits ausgiebig schildert und uns einen Einblick in die Farbenwelt der Normandie und Maler erlaubt.


