Yassin Musharbash: Russische Botschaften

Yassin Musharbashs soeben erschienene dritte Thriller, Russische Botschaften, ist auf Augenhöhe mit seinen – von den Kritikern hochgelobten – Vorgängern und bestätigt, der Autor hat vom Besten des Genres gelernt, dem er auch diesen Thriller widmet: John le Carré. Musharbash sucht für seinen Plot nicht in den Sternen, sondern bemüht das Hier und Jetzt. Seine Protagonisten:innen springen nicht aus Flugzeugen, kämpfen nicht mit dem Gegner auf dem Dach eines fahrenden Zuges und müssen auch nicht die ganze Welt retten: nur die Wahrheit. Die Geschichte nimmt langsam Fahrt auf, ohne zu langweilen und gibt mir die Gelegenheit meinen Platz in dem Team von Investigativjournalisten zu finden. Ich verstehe, wie sie arbeiten, akribisch, vorsichtig und umsichtig, auf höchste Sicherheit bedacht, bemüht keine Spuren zu hinterlassen, denn es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass der Feind auch in den eigenen Reihen zu finden ist. Mir gefällt, wie mit Fortschreiten der Geschichte, der Autor seine Protagonistin Merle Schwalb an der Geschichte wachsen lässt. Sie, ihre Schüchternheit, die ihr in der Vergangenheit im Wege stand, eine ganz große unter den Besten zu werden, überwindet und die Führungsrolle übernimmt.

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Foto: Andrea Krone

Yassin Musharbash, geboren 1975, hat deutsche und jordanische Vorfahren. Während des Studiums der Arabistik und Politologie begann er als Journalist zu arbeiten, u.a. für die taz und Jordan Times. Seit etlichen Jahren beschäftigt er sich mit den Themen Terrorismus, Innere Sicherheit und Umwälzungen in der arabischen Welt, zunächst als Redakteur bei SPIEGEL ONLINE, heute im Investigativressort der Wochenzeit Die Zeit. Eine Zeitlang arbeitete Musharbash als Rechercheur für John le Carré. 2006 erschien sein Sachbuch „Die neue Al-Qaida. Innenansichten einen lernenden Terrornetzwerks“, 2011 sein Thriller „Radikal“, 2017 ein weiterer Thriller, „Jenseits“.

Merle Schwalb ist Investigativjournalistin beim Globus, einem der wichtigsten Nachrichtenmagazine der Republik, wo sie für Extremisten aller Art zuständig ist. Doch bei ihrer neuen Recherche ist von Beginn an alles anders. Ein Mann ohne Namen stürzt in Berlin von einem Balkon. Wer ist der geheimnisvolle Tote? Die Spuren führen ins Milieu krimineller Berliner Clans, zur Polizei und Verfassungsschutz. Aber nach einer verhängnisvollen Begegnung wird Merle Schwalb klar: Der Mann war ein russischer Agent mit brisanten Informationen und einer gefährlichen Mission. Und diese Recherche ist eine Nummer zu groß für sie allein. Wie weit reicht die Intrige? Wer sind die Verschwörer? Und wem kann man noch trauen? Um das herauszufinden, schließen Merle Schwalb und ihre Kollegen vom Globus einen Pakt mit der Konkurrenz der Norddeutschen Zeitung. In der Brandenburger Provinz errichten die Journalisten eine geheime Zentrale, sie recherchieren in Riga, Kaliningrad und Prag. Aber ihre Recherche bleibt nicht unbemerkt. Und plötzlich geht es um alles: um Vertrauen und Verrat, um Spione und Fake News, um Leben und Tod. Und um sie selbst. Denn wer sagt, dass die Wahrheit stärker ist als die Lüge?

Yassin Musharbash: Russische Botschaften, Kiepenheuer & Witsch – Klappenbroschur –  399 Seiten – ISBN 978-3-462-00096-2, 16,50 €

 

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