Jan Seghers: „Der Solist“ mit Interview des Autoren

Der Autor Jan Seghers, arbeitet das Attentat um den Breitscheidplatz und das gänzliche Versagen der Polizeibehörden investigativ als Kriminalroman auf. Das spiegelt die bundesdeutsche Wirklichkeit wider und schärft bei der Leserschaft den Blick auf unsere politische und gesellschaftliche Landschaft. Wenn man Ergebnisse der Untersuchungsausschüsse in Bund und in Hessen verfolgt, wird man diese in dem vorliegenden Band wiederfinden. Es erscheint unglaublich das ein mehrfach auffällig gewordene Straftäter sich in der Bundesrepublik unter mehreren falschen Namen auffällt und auch noch Sozialhilfe bezieht. Das Buch macht auch ein wenig wütend, dass die deutsche Bürokratie so verschnarcht ist, dass es keine einheitliche Erfassung von Zuwanderern über die Jahre gegeben hat. Das Buch wird ein voller Erfolg weil es spannend ist und viele Vorgänge in unserem Lande deutlich macht.

Jan Seghers© Susanne Schleyerautorenarchiv.de

Jan Seghers alias Matthias Altenburg wurde 1958 geboren. Der Schriftsteller, Kritiker und Essayist lebt in Frankfurt am Main. Nach dem großen Erfolg von «Ein allzu schönes Mädchen» und «Die Braut im Schnee» folgte «Partitur des Todes», ausgezeichnet mit dem Offenbacher Literaturpreis sowie dem Burgdorfer Krimipreis. Danach erschienen «Die Akte Rosenherz» sowie «Die Sterntaler Verschwörung» und «Menschenfischer». Seine Romane wurden für das ZDF verfilmt und von über 30 Millionen Menschen gesehen. Sein neuer Kriminalroman, «Der Solist», ist der erste Fall des eigensinnigen Ermittlers Neuhaus.

September 2017. Der Frankfurter Ermittler Neuhaus stößt zur neu gegründeten Berliner «Sondereinheit Terrorabwehr», die in einer Baracke auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof residiert. Die Bundestagswahlen stehen bevor, in der Hauptstadt hat sich die Gefährdungslage drastisch verschärft. Neuhaus ist ein erfahrener Ermittler, doch die Berliner Kollegen begegnen ihm mit Skepsis. Nur die junge Deutschtürkin Suna-Marie kooperiert mit ihm.
Da erschüttert eine Serie von Morden die Hauptstadt. Das erste Opfer: ein jüdischer Aktivist, das zweite eine muslimische Anwältin, weitere folgen.
Was verbindet die Fälle? Neuhaus, der Solist, macht sich auf die Suche. Und in dieser Stadt, in der einen überall die Vergangenheit anspringt und die Gegenwart bedrängt, kämpft er allein. Fast allein.

Da dies der erste Fall des eigensinnigen Ermittlers Neuhaus ist, dürfen wir auf viele interessante neue und spannende Kriminalromane des Frankfurter Jan Seghers erwarten.

Jan Seghers: Der Solist, Rowohlt Verlag, Originalausgabe 240 Seiten, ISBN: 978-3-498-05848-7,
€ 20,00

Ein Interview mit Jan Seghers:

Nach sechs Bänden mit Kommissar Marthaler gibt es nun auch einen neuen Ermittler: Was für ein Mensch ist dieser Neuhaus, der vom Bundeskriminalamt nach Berlin abgeordnet wird?

Ja, Marthaler macht eine Pause. Neuhaus ist anders, jünger, gelenkiger, ein Solist, der aus dem Koffer lebt. Er ist ein gutaussehender Loner, ein ruppiger Musikund Kunstliebhaber. Er hat vor nichts und niemandem Angst, und manchmal heult er einsam den Mond an. Ein schöner Beschädigter. Gespannt bin ich übrigens auf den Moment, wenn Neuhaus und Marthaler aufeinandertreffen, was nicht ganz unwahrscheinlich ist.

Ihr Buch spielt im Jahr 2017 kurz vor den Bundestagswahlen. Nach den Morden des NSU und dem Attentat von Anis Amri hat sich die Gefährdungslage in der Hauptstadt drastisch verschärft. In der Geschichte wird eine Sondereinheit gegründet, der auch Neuhaus angehört. Wie setzt sich diese Truppe zusammen?

Um die Fehler der Sicherheitsbehörden bei den Morden des NSU und rund um den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt nicht zu wiederholen, wurde eine Elite-Abteilung installiert: die SETA – Sondereinheit Terrorabwehr. Sie besteht aus insgesamt zwanzig bis fünfundzwanzig Ermittlerinnen und Ermittlern, abgeordnet aus dem BKA, einigen Landeskriminalämtern und dem Verfassungsschutz. Sie residieren auf dem Tempelhofer Feld in einem flachen Gebäude – genannt «Die Baracke» –, in dem zuvor der Wetterdienst der Flugsicherung untergebracht war.

Was macht Ihnen mehr Sorgen: gewaltbereite Islamisten oder rechtsextreme Polizisten?

Jetzt stellen Sie die Frage nach Pest und Cholera. Aber es kommt ja nicht darauf an, was mir Sorgen macht. Ich erzähle Geschichten, die möglichst nah an der Wirklichkeit sind. Wenige Tage nach dem Anschlag auf den Breitscheidplatz waren die Zustimmungswerte für die AfD in die Höhe geschnellt. Wenn man nun in den Sicherheitsbehörden Leute hat, die dieser Partei zuneigen, und davon gibt es viele, darf man zweifeln, dass die ein Interesse daran haben, das nächste Attentat zu verhindern.

Sie stellen Neuhaus eine besondere Ermittlerin zur Seite. Verraten Sie uns etwas über sie?

Ja, sie ist ein echter Knaller. Sie heißt Suna-Marie, ist in Berlin geboren und aufgewachsen, Tochter einer deutschtürkischen Familie, ein Kind der Sonnenallee. Wegen ihrer Kurzsichtigkeit wird sie Grabowski genannt, wie der Maulwurf in dem alten Kinderbuch. Ihre dicke Brille lässt sie manchmal ein wenig unbedarft wirken. Und ihr kompakter Körperbau könnte vermuten lassen, sie sei träge. Beides erweist sich schnell als Irrtum. Grabowski ist ziemlich smart und ziemlich sexy, auch wenn sie selbst das anders sieht. Neuhaus jedenfalls, obwohl er sich dagegen wehrt, bleibt keineswegs unbeeindruckt von ihr.

Das Interview stellte der Rowohlt Verlag zur Verfügung.

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