Dead Lions, Mick Herron

Was Sophie Hénaff mit ihrem Kommando Abstellgleis bei der Pariser Polizei ist, ist Mick Herron mit seinen Slow Horses beim englischen Geheimdienst MI5.

Wer beim MI5 richtig Mist gebaut, einem hohen Tier auf die Füße getreten oder sich ein echtes Laster angeschafft hat, der wird zur Truppe der Slow Horses ins Slough House verbannt. Einmal dort angekommen muss schon fast ein Wunder geschehen, um wieder im Regent’s Park in den aktiven Dienst des britischen Geheimdienstes zurückzukehren.

So fürchterlich die Büros in Slough House sind, so unsinnig sind auch die Aufgaben der Agenten auf der Ersatzbank. Man setzt darauf, dass die fast zu Tode gelangweilten Mitarbeiter irgendwann von selbst kündigen, weil sie die Beschäftigungstherapie einfach nicht mehr ertragen. So spart man Abfindungen! Angeführt wird der Klub der Loser von Jackson Lamb, einem in die Jahre gekommen, übergewichtigen, verfressenen Kettenraucher, der anstatt seinen Mitarbeitern Rede und Antwort zu stehen, lieber einen lautstarken Furz zum Besten gibt.

Bitterster englischer Humor gepaart mit scharfsinnigen, bissigen Dialogen treibt den Leser durch eine nervenaufreibende Spionagegeschichte.

Fotocopyright: Alberto Venzago/Diogens Verlag

Mick Herron, geboren 1963 in Newcastle-upon-Tyne, studierte Englische Literatur in Oxford, wo er auch lebt. Seine in London spielende ›Jackson-Lamb‹-Serie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem CWA Gold Dagger for Best Crime Novel, dem Steel Dagger for Best Thriller und dem Ellery Queen Readers Award.

 

Auszeichnungen:
  • Shortlist des ›CWA Gold Dagger 2018‹ für London Rules, 2018
  • Shortlist des ›Ian Fleming Steel Dagger 2018‹ für London Rules, 2018
  • Slow Horses auf der ›Krimibestenliste im November‹ der F.A.S., 2018

Jackson Lamb scheint abgehalftert und benimmt sich auch meistens so, doch wenn es um die größten Geheimnisse des Spionagedienstes geht, hat er immer noch eine sehr feine Nase. So ist er auch gleich zur Stelle, als ein ebenso vergessener und anscheinend völlig unwichtiger Kollege aus alten Berliner Tagen in einem Bus nach Oxford tot aufgefunden wird. Alles deutet auf Herzversagen hin, doch Lamb weiß es besser. Nicht nachweisbares Gift! Und weil er Lamb ist und kein anderer, darf er solche Behauptungen im Slough House einfach in den Raum stellen, ohne dass man ihn offiziell für völlig verrückt hält.

Dickie Bow der Tote hatte damals in Berlin behauptet, persönlich von Alexander Popow entführt worden zu sein. Nur hatte man zu dem Zeitpunkt bereits rausgefunden, dass Popow eine Erfindung des KGBs war und nie existierte. So war auch Bow abgeschoben worden aus dem Spiel der Spionage. Warum sollte er aber dann umgebracht werden. Als Lamb hinter dem Sitz auf dem Bow starb ein altmodisches Handy entdeckt und darin die letzte Eintragung, weiß der Chef der Slow Horses, dass seine Ahnung richtig war. CICADAS ist ein Codewort für eine Schläfer-Organisation, die genau wie Zikaden sich über Jahre eingraben, um dann zum rechten Zeitpunkt wieder im Einsatz zu sein. Damit beginnt der Teil der Geschichte. Gleichzeitig sind zwei seiner Mitarbeiter vom aktiven Büro angefordert worden. Es geht darum, die Bodyguards eines russischen Oligarchen zu sein. Blöd nur, das die Vizechefin Diana Taverner, genannt Lady Di nichts davon weiß. Wer im Regent’s Park fährt seine eigene Agenda und warum?

Wieder einmal raufen sich die Slow Horses zusammen und anstatt gegeneinander zu arbeiten, wie es an der Tagesordnung ist, ziehen sie an einem Strang. Und weil Lamb kann, wenn er denn will, wird sein Team zum vollen Erfolg, wenn auch mit außergewöhnlichen Methoden.

Eine tolle, manchmal derbe und dann wiederum wunderschön geschriebene Geschichte voll englischem Humor. Man muss Lamb und seine Horses einfach lieben.

Dead Horses, Mick Herron, Diogenes, gebundenes Buch, Seiten 478, ISBN 978-3-257-07046-0, Euro 24,00 Euro.

 

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