Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen

Da hat der Verlag seinem Verleger zum 90en Geburtstag ein wundervolles Buch auf den Gabentisch gelegt. Fulminant und bildreich schildert die Autorin eine Familie in den Marken in Italien. Das 18. Jahrhundert geht zu Ende und die Not der kleinen Leute wird immer größer. In der Familie ist das Bewusstsein durch den Großvater, einem Anarchisten, geprägt der seine Umgebung zum Widerstand gegen die Verhältnisse anregt. Die Frauen der Familie sind die tragischen Elemente des Romans. Die Mutter gebiert nur tote Kinder, die Tochter geht ins Kloster. Der Roman zieht die Leserschaft sofort in den Bann weil die Befindlichkeiten der Protagonisten klar und eindringlich herausgearbeitet werden.

Caminito Giulia

Giulia Caminito, 1988 in Rom geboren, wo sie politische Philosophie studierte. Sie hat zwei mehrfach preisgekrönte Romane geschrieben und betreibt mit vier Kolleginnen eine Verlagsagentur. »Ein Tag wird kommen« ist dem Andenken ihres Urgroßvaters gewidmet, einem in den Marken bekannten Anarchisten, dessen Spuren sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland verlieren.

Eine italienische Familiengeschichte in Zeiten des aufkeimenden Faschismus, ein politischer Roman über Schuld und Anarchie, Widerstand und unverwüstliche Hoffnung – in einer Sprache, so zärtlich-rau wie die Liebe zwischen zwei Brüdern.

Im Wald ist es warm und dunkel, als Nicola zitternd das Gewehr auf seinen geliebten Bruder Lupo richtet. Er bittet um Verzeihung, dann schießt er. Der Erste Weltkrieg hat Serra de’ Conti erreicht, ein Dorf in den italienischen Marken. An diesem Ort der Habenichtse zählt der Einzelne bloß, wenn er arbeitet, gehört keinem Bauern das Land, das er bestellt. In der Familie des Bäckers Ceresa überlebt kaum ein Kind, bald sind nur noch zwei Söhne übrig, so grundverschieden wie unzertrennlich: Nicola, der schwächliche Junge mit dem Prinzengesicht, und der aufsässige Lupo, der sich schon früh den Anarchisten anschließt. Unermüdlich beschützt Lupo den ängstlichen Bruder, kämpft gegen die Ungerechtigkeit der Mächtigen und die Märchen der Kirche. Doch zwischen den Brüdern steht eine Lüge, verborgen hinter Klostermauern.

In wirkmächtigen Bildern von karger Schönheit erzählt Giulia Caminito »von unten« aus der Geschichte Italiens: von Malatestas Anarchisten, dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe bis zum Aufstieg Mussolinis – ein Roman über zwei ungleiche junge Männer und über den unerschütterlichen Glauben an eine bessere Zukunft.

Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen, aus dem Italienischen von Barbara Kleiner, Quartbuch. 272 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-8031-3325-0, 23,– €

 

 

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