Transfusion, Jens Lubbadeh

Als der Autor diesen Thriller schrieb, dachte noch niemand an Corona. Daher ist der Roman jetzt so brisant. Es geht zwar nicht um einen Virus und eine Ansteckungsgefahr, doch es geht um den Kampf gegen Alzheimer und Parkinson. Wie weit würden Pharmakonzerne gehen, um ein Heilmittel für diese Krankheiten zu entwickeln. Wer würde die Last tragen und vor allem, wem gibt man die Injektion, wenn das Mittel nur begrenzt vorhanden ist.

Ein superspannender, sehr schneller Thriller der in Hamburg, Indien und in Russland spielt. Die Skrupellosigkeit einiger der Protagonisten ist so realistisch, dass man ein solches Schreckensszenario für durchaus möglich hält. Fantastische Unterhaltung.

Fotocopyright: Random House/Christina Körte

Jens Lubbadeh ist freier Journalist und hat bereits für »Die Zeit«, »NZZ«, »Bild der Wissenschaft«, »Technology Review«, »Spiegel Online« und viele weitere Print- und Digitalmedien geschrieben. Für seine Arbeit wurde er mit dem Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet. Der Science-Thriller »Unsterblich«, sein Romandebüt, hat auf Anhieb Kritiker und Leser gleichermaßen begeistert. Jens Lubbadeh lebt in Hamburg.

 

Der Pharmakonzern Astrada ist momentan mit einem Medikament der globale Shootingstar. Sie haben als erstes das Heilmittel für Alzheimer produziert und es wirkt ausgezeichnet. Iliana, die stellvertretende Forschungschefin der Firma konnte so ihren über alles geliebten Vater retten. Jetzt denkt der Konzern, mit dem gleichen Mittelkonzept eventuell auch Parkinson in den Griff zu bekommen.

Erste Unruhen in der Öffentlichkeit entstehen, als man in einem Container aus Indien kleine Mädchen findet, die auf der langen Reise erbärmlich verhungerten. Das Außergewöhnliche an ihnen ist, sie sehen alle jünger aus, als ob sie in ihrer Entwicklung stehengeblieben wären. Außerdem haben sie Astradas Werbekuscheltiere bei sich und in ihrem Arm einen Shunt. Ein operativer Eingriff, bei dem ein Schlauch in die Vene gelegt wird, um regelmäßig Injektionen verabreichen zu können. Sofort fällt der Verdacht auf Astrada. Werden in Indien an kleinen Mädchen Medikamentenstudien durchgeführt?

Als nach dem Aufruhr, Ilianas Chef Mark verschwindet und der abgebrühte Konzernchef Freimuth behauptet, dass Mark gekündigt hat, wird Iliana selbst hellhörig. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass Astrada so etwas tun könnte. Geht es um Studien für das Parkinsonmittel? Bei ihren Nachforschungen wird jedoch schnell klar, dass das Blutplasma, was für ihr Alzheimer Mittel Bimini verarbeitet wird, zu hundert Prozent von der Firma Devaduta stammte, die ihre Produktionsbetriebe ausschließlich in Indien haben. Ihr unglaublicher Verdacht, wird bestätigt, als Mark verschwörerisch bei ihr zu Hause auftaucht. Beide machen sich auf den Weg nach Indien, in eine der ärmsten Regionen in der Devaduta ihrer Produktionsstätten hat. Dort wird kein synthetisches Plasma hergestellt, auch keine Blutspenden von Erwachsenen entnommen. Kleinen Mädchen bis elf Jahre wird in der Einrichtung regelmäßig Blut abgenommen. Dafür erhalten sie Obdach, Ausbildung und Fürsorge. Anstatt von den Familien in die Sexsklaverei verkauft zu werden, zahlt der Pharmakonzern den gleichen Betrag und bemächtigt sich des Blutes der Kinder. Für Iliana und Mark beginnt eine Hetzjagd, um dieses Verbrechen offenzulegen, doch als sie endlich die Möglichkeit haben, den Vorstand von Astrada zu informieren, erlebt Iliana eine bittere Überraschung. Von der Sekunde an, ist ihr Leben nur noch einen Pfifferling wert.

Wenn Sie glauben, dass ich bereits zu viel verraten habe, irren Sie sich. Denn die Geschichte nimmt immer wieder ganz erstaunliche Wendungen. Brisante Hochspannung, die in mir den Gedanken weckte, wie man in der Coronakrise einen möglichen Impfstoff behandeln wird. Wer bekommt ihn, wenn er nur begrenzt vorhanden ist? Wer oder was entscheidet über die Zuteilung?

Transfusion, Jens Lubbadeh, Heyne, Broschiert, Seiten 380, ISBN 978-3-453-32008-6, Euro 14,99 Euro.

 

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