Schlagwort: Dokumentarfilm

Film: Eine Krankheit wie ein Gedicht, Ein Film von Jelena Ilić, ab 8. Oktober 2026 im Kino

Für ein Thema, in dem es um einen gewalttätigen Vater geht, der an einer drogeninduzierten, chronifizierten schizoaffektiven Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp, erkrankt ist, fällt es regelrecht auf, wie leise der Film ist. Wie weich und zart, die Annäherung der Tochter an den Vater vonstattengeht und wie sehr die Kamera dabei eine Rolle spielt. Denn sie ist sowohl Garant einer Realität, die aufgenommen wird, als auch der notwendige Abstand, der vor allem am Anfang, der wieder aufgenommenen Beziehung, zwischen Jelena und ihrem Vater Detlef steht.

Als Jelenas Mutter Detlef heiratet, ist er bereits psychisch krank, sie weiß das jedoch nicht. Für sie ist es die große Liebe. Als sie ihn das erste Mal in einer  psychiatrischen Klinik besuchen muss, ist sie bereits hochschwanger. Eine sehr schwierige Zeit für die junge Mutter und sie beschreibt es so:

Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill

»Er ist der Mann, in den ich mich verliebt habe, aber auch ein Monster. Er ist der gefährlichste Mensch auf der Welt, wenn er psychotisch ist …« Denn Detlef tritt, immer wieder in Phasen, wenn er auf Alkohol ist, Drogen genommen hat und in eine psychotische Episode gleitet, die Tür seiner Ex-Ehefrau ein und bedroht die Familie. Jelena ist beim ersten Mal ein Baby, dann erlebt sie es als Kind und das letzte Mal ist sie sechzehn Jahre alt.

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Zehn Jahre ist Detlef auf Amphetamin, bevor er derart gewalttätig wird, dass er jemanden verletzt und in den Maßregelvollzug kommt. Das damalige Gefühl seiner Tochter wird als Erleichterung beschrieben: Er ist eingesperrt, er kann uns nichts tun!

Schon immer malte der psychisch kranke Mann, besonders in den Kliniken. Später dann zu Hause und immer schienen seine Bilder einem Horrorkabinett entsprungen, wie er es selbst ausdrückt. Tiefe, schwarze Todesfantasien und fast apokalyptische Bilder der Verwirrung, wie sie oft von psychisch Kranken gemalt werden, prägten Jelenas Kindheit und Jugend genauso wie die Gewaltexzesse ihres Vaters.

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Als man ihn dann für fünf Jahre wegsperrte, fühlte die junge Frau endlich eine Art Ruhe, denn sie wusste, wo er war und dass er nicht auftauchen kann. Jedoch ist es auch die Zeit, in der sie wieder Kontakt mit ihm aufnimmt. Sie sprechen am Telefon und schicken sich eine Art Comicbuch hin und her, in das beide zeichnen und ihre Erlebnisse mit sich selbst und gemeinsam festhalten. Bei dem persönlichen Wiedersehen ist es jedoch die Kamera, die beide irgendwie schützt. Die Kamera scheint eine Art Vermittler zwischen den beiden zu sein, ohne die es für mich fragwürdig gewesen wäre, ob ein so vorsichtiges Wiederfinden einer Vater-Beziehung für Jelena überhaupt möglich gewesen wäre.

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Trotz aller Annäherung, ist diese Zeit von Unsicherheit geprägt, denn Jelena wusste nie, wann er aus dem Maßregelvollzug herauskommt. Das wurde Jahr für Jahr neu geprüft und bewertet. Als es dann soweit ist, klingt die Stimme der Filmemacherin unsicher mit einer gewissen Angst im Unterton. Die nächsten fünf Jahre wird Detlef auf Bewährung entlassen und im betreuten Wohnen untergebracht. Dort teilt er sich eine Wohnung mit einem Mitbewohner, der ihm durch die Forensik zugewiesen wurde. Für Jelena ist es ein gewisser Eiertanz, denn die Gefahr, wieder in die Psychose, in die Depression abzudriften, wird bei ihrem Vater nie mehr vergehen. Aber er muss jetzt eigenständig die Warnzeichen erfassen. So weist er sich das erste Mal selbst in eine Klinik ein, als die Depression zu groß wird. Als er zurückkommt, geht es ihm besser und auch die Beziehung zwischen Tochter und Vater scheint stärker zu werden. Doch dann kommt plötzlich ein weiterer Schlag für die beiden: Krebs wird bei Detlef festgestellt.

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Das Kinodebüt der Filmemacherin Jelena Ilić ist ein von Gefühlen geprägter Dokumentarfilm. Und die Bandbreite reicht von Wut, Angst und Misstrauen bis zu Wärme, Zärtlichkeit und Liebe. Doch man findet diese Gefühle meistens nur zwischen den Zeilen angedeutet, eher aber beim Spiel der Protagonisten mit der Kamera. Auch die animierten Zeichnungen der beiden sprechen in ihrer ganz eigenen emotionalen Tonlage. Es ist ein sehr persönlicher und intimer Film, der beim Zuschauer ein weiches Gefühl hinterlässt.

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Die Quintessenz, die für mich den Film auf den Punkt bringt, wird am besten durch diesen kurzen Dialog aus dem Film zusammengefasst:

Zitat aus dem Film:

Detlef, der Vater, fragt: »Wie kommst du klar mit so einem Vater?«

Jelena, die Tochter, antwortet: »Mal mehr, mal weniger gut.«

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Film: Heil dich doch selber, DVD

Jasmin ist kaum dreißig und ist Epileptikerin, ihr Vater erkrankte im Alter an Parkinson. Diagnosen, die plötzlich ein Leben bestimmen, den eigenen Körper außer Kontrolle geraten lassen und den Menschen die Selbstbestimmung nehmen. Bei beiden Krankheiten ist die Schulmedizin immer noch nicht weit fortgeschritten. Die Medikamente haben horrende Nebenwirkungen, die im Extrem genauso schlimm sind wie die Krankheit selbst. Jasmin Rams fragt sich, ob es Alternativen gibt zur Schulmedizin und ob sie sich nicht selbst heilen kann.

Es ist ein berührender Film, dennoch voller Lebenskraft und unmissverständlich, für jeden der selbst krank ist oder einen kranken Menschen in seinem Familien- und Freundeskreis hat. Denn trotz aller Errungenschaften der Schulmedizin wird jeder gute Arzt sagen: Wir wissen leider immer noch so wenig.

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Film: Herr Bachmann und seine Klasse – Silbener Bär Berlinale 2021

Die sechste Klasse einer Gesamtschule in Stadt Allendorf. Eine Stadt in Hessen, die durch ihre Industrie einen Ausländeranteil von einem Viertel der Einwohner  hat und bei den mittlerweile deutschen Einwohnern ebenfalls ein Viertel Migrationshintergründe hatten. Das spiegelt sich in Herrn Bachmanns Klasse wieder. Der kleine Klassenverband ist ein bunt gemischtes Völkchen von Kindern aus Bulgarien, der Türkei, Italien, Kasachstan und Rumänien, von denen viele noch vor Monaten kein einziges Wort Deutsch sprachen. Eine derweil alltägliche Schulsituation, die durch unrealistische Lehrpläne, überforderte Pädagogen und Pisa-Studien an den Bedürfnissen der Kinder vorbei erziehen. So bleibt es an den Lehrern hängen, die unterschiedlichen Anforderungen, Kulturen und Religionen so zusammen zu bringen, dass  ein echter Klassenverband entsteht.

Dass so etwas überhaupt möglich ist, zeigen Herr Bachmann und seine Klasse. Der Film ist eine Dokumentation, die aufzeichnet wie Vertrauen, Freundschaft, Freude am Lernen und Ehrgeiz entstehen kann, wenn man richtig auf die jungen Menschen zugeht. Ein berührender Film, der bei der Lehramtsausbildung zum Pflichtprogramm werden sollte.

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