
»Fremde«, der Sensationserfolg in den Staaten, besonders in New York, ist für mich als Deutsche oder, sagen wir lieber, Europäerin, sehr befremdlich. Wie eine in Harvard studierte Juristin, aus einem extrem reichen und berühmten Elternhaus in eine solche Situation kommen kann, ist mir unerklärlich. Aber vielleicht muss man das Buch unter dem Aspekt von Serien, wie »Sex and the City« betrachten, einer toperfolgreichen Serie, vor der ich ebenfalls völlig sprachlos stand und die ich nicht verstand. Wie vier interessante, nette junge Frauen ihr Leben nur um ein Ziel herum einrichten, nämlich den Ehemann zu heiraten, der voller Verständnis für ihre Louboutin-Schuh-Sucht, in der gemeinsamen Wohnung einen begehbaren Schuhschrank einbauen lässt, war mir ein Rätsel mit sieben Siegeln. Aber dass ich da eine Verständnislücke habe, zeigte sich, als diese Szene im Kino (in New York) von den fast ausschließlich weiblichen Zuschauern mit einem lauten Stoßseufzer kommentiert wurde. Zu meiner Ehrenrettung: Ich wurde von einer guten Freundin in den Film geschleppt.
Aber zurück zum Buch, denn so ging es mir ganz oft beim Lesen des Buchs »Fremde«. Fesselnd ist die Story schon, aber ich habe mich gefragt, wie die USA ihre Juristen ausbildet, wenn sich eine von ihnen so vom Ehemann ausnehmen lässt. Was Freundschaften im Country- und Tennisclub in den Staaten bedeuten, wenn sie nur an eine nach außen gut funktionierende Ehe gebunden sind? Und um furchtbar sarkastisch zu sein, hatte die Autorin vielleicht auch nur Pech mit ihrem Namen, denn Belle Burden kann man als schöne Belastung übersetzen. Aber bitte, nehmen Sie mein Unverständnis für die Situation von Belles Ehe und Trennung nicht zu ernst. Vielleicht bin ich einfach keine Romantikerin. Gut geschrieben ist das Buch alle Male und vielleicht haben Sie, liebe Leser, einen anderen Zugang zu der Geschichte und dabei hoffe ich sehr, nicht aus Erfahrung.
Autorinnenfoto: Copyright ® Charmaine Burden
Belle Burden gelang mit »Fremde« ein Sensationserfolg. Das Buch stand in den USA 2026 monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times. Belle Burden studierte in Harvard und an der New York University School of Law und leistete als Pro-bono-Anwältin Rechtshilfe für jugendliche Einwanderer. Sie stammt aus einer wohlhabenden New Yorker Familie. Ihre Großmutter Babe Paley war eine Mode-Ikone des 20. Jahrhunderts und gehörte zum Freundeskreis von Truman Capote und Jacqueline Kennedy. Ihr Vater entstammt der Vanderbilt-Dynastie. Belle Burden lebt mit ihren drei Kindern in New York City.
Auszug aus dem Werbetext Luchterhand Verlag: An einem kühlen Märztag 2020, zu Beginn der Pandemie, verkündet Belle Burdens Ehemann ohne Vorwarnung, dass er sie verlässt. Zwanzig Jahre sind sie verheiratet. Zuvor haben sie im Ferienhaus der Familie auf Martha’s Vineyard einen ganz normalen Tag verbracht: Feuer im Kamin gemacht, Whiskey Sours getrunken, Hähnchen gegrillt. Plötzlich wird aus dem zuverlässigen Ehemann und Vater ein Mensch, den sie kaum wiedererkennt. Er verlässt ihr gemeinsames Leben wie ein Schauspieler, der sein Kostüm ablegt. Mit fünfzig bricht für Belle Burden eine Welt zusammen. Mitten im Schock und Schmerz der Trennung muss sie erfahren, wie naiv es war, ihrem Mann blind zu vertrauen. Kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Während sie auf schonungslos ehrliche Weise nach der Wahrheit sucht, erwächst in ihr eine beeindruckende innere Stärke. Aus der schüchternen, scheuen Belle, die sich in die Rolle einer traditionellen Ehefrau und Mutter wie selbstverständlich eingefunden hatte, wird eine Frau, die die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnt.
Fremde, Belle Burden, Luchterhand Verlag, gebundene Ausgabe, Seiten 304, ISBN: 978-3-630-87873-7, Euro 24,00, erschienen am 12.08.2026, aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer.