Schlagwort: Lebensbilanz einer verlassenen Ehefrau

Fremde, die Geschichte einer Ehe, Belle Burden

»Fremde«, der Sensationserfolg in den Staaten, besonders in New York, ist für mich als Deutsche oder, sagen wir lieber, Europäerin, sehr befremdlich. Wie eine in Harvard studierte Juristin, aus einem extrem reichen und berühmten Elternhaus in eine solche Situation kommen kann, ist mir unerklärlich. Aber vielleicht muss man das Buch unter dem Aspekt von Serien, wie »Sex and the City« betrachten, einer toperfolgreichen Serie, vor der ich ebenfalls völlig sprachlos stand und die ich nicht verstand. Wie vier interessante, nette junge Frauen ihr Leben nur um ein Ziel herum einrichten, nämlich den Ehemann zu heiraten, der voller Verständnis für ihre Louboutin-Schuh-Sucht, in der gemeinsamen Wohnung einen begehbaren Schuhschrank einbauen lässt, war mir ein Rätsel mit sieben Siegeln. Aber dass ich da eine Verständnislücke habe, zeigte sich, als diese Szene im Kino (in New York) von den fast ausschließlich weiblichen Zuschauern mit einem lauten Stoßseufzer kommentiert wurde. Zu meiner Ehrenrettung: Ich wurde von einer guten Freundin in den Film geschleppt.

Aber zurück zum Buch, denn so ging es mir ganz oft beim Lesen des Buchs »Fremde«. Fesselnd ist die Story schon, aber ich habe mich gefragt, wie die USA ihre Juristen ausbildet, wenn sich eine von ihnen so vom Ehemann ausnehmen lässt. Was Freundschaften im Country- und Tennisclub in den Staaten bedeuten, wenn sie nur an eine nach außen gut funktionierende Ehe gebunden sind? Und um furchtbar sarkastisch zu sein, hatte die Autorin vielleicht auch nur Pech mit ihrem Namen, denn Belle Burden kann man als schöne Belastung übersetzen. Aber bitte, nehmen Sie mein Unverständnis für die Situation von Belles Ehe und Trennung nicht zu ernst. Vielleicht bin ich einfach keine Romantikerin. Gut geschrieben ist das Buch alle Male und vielleicht haben Sie, liebe Leser, einen anderen Zugang zu der Geschichte und dabei hoffe ich sehr, nicht aus Erfahrung. Weiterlesen