Twelve Secrets, Robert Gold

Twelve Secrets von Robert Gold

Twelve Secrets ist ein über vierhundert Seiten starkes Debüt. Und für ein Debüt ist es wirklich stark. Doch eigentlich kein Wunder, denn der Autor kommt aus dem Journalismus und arbeitete jetzt für einen Verlag. Ein Mann, der schreiben kann und ein enormes Gefühl für Spannung und Pausen besitzt. Der Thriller selbst ist eine raffiniert aufgebaute Geschichte, die mit allen Abgründen des menschlichen Daseins spielt. Macht, Lust, Kontrolle und Reichtum führen zu einer Verkettung von Umständen, die gebrochene Herzen und Familien mit sich ziehen. Nur langsam löst sich der verschlungene Knoten. Obwohl Robert Gold immer wieder falsche Fährten legt, kann man fast am Ende eine Ahnung bekommen, wer hinter allem steckt. Doch das WARUM ist eine große Überraschung.

Robert Gold ist ein neues Thrillertalent, von dem wir hoffentlich noch viel hören werden.

Robert Gold begann seine Karriere als Praktikant bei CNN in Washington, D.C., bevor er in die Verlagswelt wechselte und als Bucheinkäufer tätig war. Heute arbeitet er im Vertrieb für einen Verlag. Er lebt im Londoner Stadtteil West Putney, wo man ihn oft beim Laufen am Flussufer trifft. »Twelve Secrets« ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe und sein Debüt.

 

 

 

Ben Haper ist ein erfolgreicher Journalist in London, doch seiner Vergangenheit kann er nicht entfliehen. Ob es nun der Todestag seines Bruders Nick ist oder der Tag an dem seine Mutter Selbstmord beging. Immer wieder zerrt die Presse die Geschichte hervor, denn sie ist grausam und sorgt für einen guten Zeitungsverkauf. Auch Bens Chefin Madeline möchte von ihm einen rührseligen Artikel in Memoria an seine Mutter. Doch Ben weigert sich, er kann die mitleidigen Blicke seine Mitmenschen nicht mehr ertragen. Als er noch ein Kind war, wurde sein Bruder und dessen bester Freund im Teenageralter von zwei Klassenkameradinnen grausam getötet und ausgerechnet Ben fand die beiden Toten. Obwohl die Mädchen des Mordes verurteilt wurden, dauerte es nur zehn Jahre, bis sie wieder auf freien Fuß waren. Denn auch sie waren damals noch halbe Kinder. Warum sich Bens Mutter kurz nach der Freilassung von Josie und Abigal vor einen Zug warf, konnte nie geklärt werden. Ben war ab dem Zeitpunkt auf sich allein gestellt und wäre ohne die liebevolle Nachbarin wahrscheinlich in seinem Leid ertrunken.

Sein Beschluss die Geschichte in einem Artikel wieder aufzunehmen, ändert sich, nachdem die Polizei ihm mitteilt, dass eine gewisse Demi Porter ermordet wurde. Sie starb auf genau die gleiche Art wie Nick und Simon damals. Und dann lässt DC Cash die Katze aus dem Sack: Demi Porter ist keine andere als Abigal Langdon, die unter diesem Namen in einer Art Schutzprogramm lebte. Was aber das Erstaunlichste bei der Sache ist, dass Bens Mutter mit Abigal korrespondiert hatte, bevor sie sich tötete. In den Briefen geht es um ein Geheimnis, dass Abigal ihr nur anvertrauen will, für viel Geld.

In dem Moment ist Bens Journalisteninstinkt geweckt, er will diesem Geheimnis auf den Grund gehen und damit die beiden schlimmsten Schicksalsschläge in seinem Leben endlich verstehen. Doch je tiefer er in die Ereignisse eintaucht, umso verwirrender werden die Aussagen der Beteiligten. Jeder in seiner Heimatstadt scheint zu lügen.

Trotzdem es um sehr schlimme Morde geht, ergießt sich der Autor nicht in blutigen Beschreibungen. Er wählt ein viel besseres Mittel, die Gefühle der Hinterbliebenen und das geht dem Leser richtig an die Nieren. Toller Thriller, gut geschrieben und richtig spannend.

Twelve Secrets, Robert, Gold, Goldmann Verlag, Klappenbroschur, Seiten 416, ISBN: 978-3-442-49438-5, Euro 16,00, Übersetzung Ivana Marinović, erschienen 27.Dezember 2023.

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