Ravna, Die Tote in den Nachtbergen, Elisabeth Herrmann

Den großen Reiz, den dieser Krimi auf den Leser ausübt, ist, dass er in einem Sommerlager der Samen spielt. Vor zehn Jahren verschwand dort eine junge Frau, die Tochter des norwegischen Veterinärs. Er war mit ihr zu Mittsommer hergeflogen, um sich um die Rentierkälber zu kümmern. In der Nacht verschwand Linnéa und tauchte nie mehr auf. Zehn Jahre später kehrt die Polizeistudentin Ravna aus Oslo zurück zu ihrer Familie, um bei der Kälbermarkierung zu helfen, denn auch sie ist eine Sami. Es ist mehr ein Zufall, dass sie beim Einfangen von streunenden Rens abstürzt und in eine Höhle fällt. Beim Versuch sich zu befreien, stößt sie auf ein Skelett und anhand der Kleidungsreste weiß Ravna sofort, es ist Linnéa. Sie war damals neun Jahre, aber hatte dieses wunderschöne Mädchen kennengelernt.                                                                                                            Eine Mischung aus spannenden Kriminalfall, ursprünglicher Sami Magie und Tradition, sowie dem ewigen Überlebenskampf der Naturvölker in der heutigen Zeit. Elisabeth Herrmann hat sich richtig in die Mentalität der Samen gekniet und rausgekommen ist ein fantastischer glaubwürdiger Thriller, bei dem man als Leser das Gefühl hat, immer direkt dabei zu sein. Erste Sahne!

Die Autorin Elisabeth Herrmann am 17.09.2018 in Berlin

Autorenfoto: ® Dominik Butzmann

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin arbeitete sie beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman »Das Kindermädchen« ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Joachim Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin und im Spreewald.

 

Linnéa war einer dieser jungen Frauen, die Männer verrückt, Frauen neidisch machte und alle anderen bezauberte. Sie war eine Prinzessin, so erinnert sich Ravna an sie. Damals war sie neun Jahre alt und traf Linnéa in der Sommersiedlung der Sami in der Mittsommernacht. Es war nur Stunden, bevor Linnéa für immer verschwand.  Mittlerweile ist Ravna eine junge Frau und angehende Polizistin. Ausgerechnet sie findet durch Zufall die sterblichen Überreste von Linnéa. Schnell wird klar, dass es kein Unfall war. Jemand hat sie vor zehn Jahren getötet. Rune Thor der wortkarge Kriminalkommissar wird auf den Fall bei den Sami angesetzt. Seine ungewöhnlichen Methoden wundern nicht nur die Samen, auch die norwegischen Kollegen haben daran zu kauen. Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, das Ravna eigentlich zur Kälbermarkierung Urlaub genommen hat, vereinnahmt er sie bei der Ermittlung im Sommercamp. Eine Sache wird sofort klar, die damaligen Jugendlichen, die mit Linnéa Mittsommer feierten, halten Informationen zurück. Aber auch einige der erwachsenen Sami wissen mehr, als sie damals zugeben haben, allen voran Májá die Schamanin der Waldsamen.

Ein wirklich großartiger Thriller, der Lust mache das karge Land an der Grenze Finnlands kennenzulernen. Die Beschreibung der wilden Rentierzüchter, die Naturverbundenheit des Volkes der Samen, aber auch ihr existenziellen Kampf, die Traditionen nicht zu verlieren, ist gepaart mit einem überaus spannenden Mordfall. Diese Mischung lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen.

Ravna, Die Tote in den Nachtbergen, cbj Verlag, gebundenes Buch, Seiten 464, ISBN: 978-3-570-17609-2, Euro 20,00, erschienen 23.05.2022.

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