Später, Stephen King

Spaeter von Stephen King

In meiner Jugend liebte ich es, mich mit Stephen King zu gruseln. Ich war so verrückt auf die Romane, dass ich den Vorabdruck von Friedhof der Kuscheltiere über ein Jahr im Sternmagazin las. Unglaublich! Gibt es Vorabdrucke noch? Eher nicht. Jedenfalls war es dann irgendwann mit der Stephen King-Ära bei mir vorbei. Ich hätte nie geglaubt, dass ich noch einmal einen King in die Hand nehmen werde. Doch wie Sie sehen, habe ich es getan.

Später ist wohl eine Horrorstory, doch man merkt, dass der Autor sie auch später geschrieben hat. Denn sie ist voller Verständnis, voller Gelassenheit, ironisch und manchmal sogar komisch. Außerdem ist sein Protagonist, in Anbetracht des Lebens, das ihn erwartet, bereits als Kind, als Jugendlicher und auch als junger Erwachsener eine total coole Socke. Ganz klar, kommt da die Erfahrung eines älteren Autors durch und genau das war so wahnsinnig reizvoll an Später.

Daher kann ich nur jedem Leser, der Stephen Kind nicht kennen sollte, empfehlen, lernen Sie ihn mit Später kennen. Dann haben Sie vielleicht auch den Mut, sich seine alten Hardcore-Horror-Romane wie Shining und Es vorzunehmen. Sind Sie aber eher von der alten Riege, die jung und damals mutig genug waren, King zu lesen, wird Später einer Überraschung für Sie. Aber keine schlechte!

Autorenfoto: ® Shane Leonard

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk bekam er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts. 2018 erhielt er den PEN America Literary Service Award für sein Wirken, gegen jedwede Art von Unterdrückung aufzubegehren und die hohen Werte der Humanität zu verteidigen.

Jamie Clonklin ist ein ganz normaler sechsjähriger New Yorker Junge, wenn er denn nur nicht Tote beziehungsweise frisch verstorbene Menschen sehen könnte. (Und hier gleich ein Einwand für Sie, nein es ist nicht wie in Six Sense, auch wenn der tote Radfahrer daran erinnert. Selbst der Autor weißt darauf hin, dass es nichts mit dem Film zu tun hat, in dem ein großartiger Bruce Willis mitspielt.) Die Toten die Jamie sehen kann, sind eher passiv und müssen seine Fragen mit der Wahrheit beantworten. Außerdem verschwinden sie wie Nebel, der sich auflöst nach ein paar Tagen. Jamies Mum weiß davon, doch hat beschlossen es zu ignorieren oder eher nicht daran zu glauben. Bis zu dem Tag, als die Nachbarin stirbt und Jamie genau weiß, wo sie ihre beiden Ringe noch hinverlegt hat, bevor es vorbei war. Ganz klar, denn sie hat es ihm gesagt.

Tia, Jamies Mutter ist Literaturagentin und führt das Unternehmen ihres an schlimmer Demenz erkrankten Bruder. Und so könnte Jamie eigentlich ein glückliches Leben führen, denn die Toten stören ihn nicht weiter. Sie winken, weil sie merken, dass er sie sieht, doch keiner rückt ihm auf die Pelle. Bis im Jahr des allgemeinen Wirtschaftsdesaster Tia ihr gesamtes Vermögen verliert. Jetzt gibt es nur eine Hoffnung und das ist Bestsellerautor Regis Thomas. Mit seiner vor Sexszenen triefenden Abenteuerserie landet er immer einen Hit und die Kasse seiner Literaturagentin ist ebenfalls gefüllt. Der letzte von den Lesern sehnlichst erwartet Teil ist noch nicht erschienen und der Autor schreibt gerade daran. Bevor das Buch fertig wird, macht Regis jedoch etwas, was Tia nie erwartet hätte: Er stirbt.

Und bevor sie und ihr Sohn auf der Straße stehen, nutzt sie Jamies Gabe. Er spricht mit dem gerade Verstorbenen und fragt ihn nach seinem neusten Buch, damit Tia es zu Ende schreiben kann. Damit ist etwas losgetreten, was nicht sein sollte. Denn plötzlich wollen auch andere von Jamies Gabe profitieren, was für den Jungen gar nicht gut ist. Denn es gibt nun mal Geister, die man nicht mehr loswird. Und manchmal Fragen sollte man Toten einfach nicht stellen!

Prima Unterhaltung, bei der man sich nicht, vielen Dank dafür, zu Tode gruseln muss. Im Gegensatz zu Es kann man Später auch alleine mitten in der Nacht lesen und die Geschichte genießen. Das Buch ist sogar manchmal witzig, elegant geschrieben und hat einen unerwarteten Plot, der einem den Protagonisten Jamie noch mehr ans Herz wachsen lässt. Denn seine Taktik ist einfach, er löst seine Probleme einfach später!

Später, Stephen King, Heyne Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, 304 Seiten, ISBN: 978-3-453-27335-1, Euro 22,00.

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