Ryan Gattis: Das System

Das vorliegende Buch, lässt einen tiefen Einblick in das amerikanische Rechtssystem zu. Der Autor zerlegt quasi mit dem Skalpell die einzelnen Akteure, die bei einem Fehlverhalten in Amerika in Aktion treten. Das sind zum einen die Täter, die Polizeibehörden und die Justizbehörden. Jedes Mitglied dieser Behörden kocht sein eigenes Süppchen und zieht Vorteile aus dem System ohne auf die Anderen Rücksicht zu nehmen. Koste es was es wolle! Und es kann schon einiges an Jahren im Gefängnis kosten. Ryan Gettis führt uns vor Augen, wie es sein kann wenn Profitgier und Drogenkriminalität überhandnehmen. Sozialen Verhältnisse haben sich wesentlich in Amerika seit 1993 weiter verschlechtert, sodass es in Amerika, in dem Gefängnisse privat betrieben werden, zu Überfüllung gekommen ist, sodass Häftlinge vorzeitig entlassen werden mussten.

Ryan Gattis, geboren 1987 in Illinois, lebt in Los Angeles. Sein Roman „In den Straßen die Wut“ war eine internationale Sensation und wird von HBO als TV-Serie adaptiert werden. Die Filmrechte von „Safe“ sind bereits von der 20th Century Fox optioniert.

Am 6. Dezember 1993, in der Vorweihnachtszeit, wird die Dealerin Scrappy direkt vor dem Haus ihrer Mutter erschossen. Der Junkie Augie ist Zeuge der Tat, er hat vor Scrappys Türe um Drogen gebettelt. Seine Reaktion: Er raubt der Sterbenden ihre Vorräte und lässt auch noch die Tatwaffe mitgehen; lässt sich ja alles versilbern. Kurz darauf wird er verhaftet und sagt aus, der Mord sei von Wizard und Dreamer begangen worden, zwei Mitgliedern einer Gang. Tatsächlich findet sich bei einer Hausdurchsuchung die Tatwaffe; die beiden wandern in das L.A. County Jail – ein eigener Planet, auf dem das Gesetz des Stärkeren herrscht.

Wizard und Dreamer wissen natürlich, dass ihnen jemand die Tat angehängt hat. Aber vor der Polizei schweigen sie. Während sie ihrem Prozess entgegensehen, soll Dreamers bester Freund Little herausfinden, wer mit der geschickt platzierten Waffe den Verdacht auf die beiden gelenkt hat – und warum.

Ryan Gattis im Vorwort von «Das System»: 1993 saßen in Kalifornien fünfzehn Prozent der Gefängnisinsassen der USA ein – mehr als in jedem anderen Bundesstaat – und innerhalb der Strafanstalten zeichnete sich eine Veränderung ab. Eine Veränderung, die sich schon seit Jahren angebahnt hatte.
Organisierte Gefängnisgangs versuchten, obwohl hinter Gittern, die Aktivitäten von Straßengangs zu steuern, und je erfolgreicher sie waren, desto mehr ging die Macht von den Straßen auf die Untersuchungsgefängnisse und Haftanstalten über.
Die Gefängnisgangs boten ein Mitgliedschaftsmodell an, und das aus einem einfachen Grund: Wenn sie das Milieu hinter Gittern kontrollieren konnten – der schlimmstmögliche Auswuchs kriminellen Verhaltens –, dann konnten sie praktisch jeden kontrollieren, überall.
Dies ist die Geschichte eines solchen Verbrechens – derjenigen, die dafür angeklagt wurden, der Zeugen, der Polizeibeamten, die dazu ermittelten, der Anwälte und Strafverteidiger, die vor Gericht damit befasst waren, und derjenigen, die Draußen zurückgelassen wurden

Ryan Gattis: Das System, Rowohlt Hundert Augen Verlag, Übersetzt von: Ingo Herzke, Michael Kellner, 544 Seiten, ISBN: 978-3-498-02538-0, € 22,00

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