Ilija Trojanov: Doppelte Spur

EINE (WAHRE) REISE INS LABYRINTH DER MACHT. Kurz vor der amerikanischen Präsidentenwahl ein Aufdeckungs-Roman. Der Whistleblower (Hinweisgeber, Enthüller oder Aufdecker) ist eine Person, die für die Allgemeinheit wichtige Informationen aus geheimen oder geschützten Zusammenhang an die Öffentlichkeit bringt. Der Whistleblower riskiert mit seinem Handeln persönliche Repressalien von Arbeitsverlust bis zu Gefängnisstrafe oder in einigen Ländern die Todesstrafe. Umso bewundernswerter ist ihr Handeln. Leider haben sie meistens das Nachsehen. Man liebt zwar den Verrat, aber nicht den Verräter! Der Investigative Journalist (lateinisch: investigare, aufspüren, genauestens untersuchen) setzt eine langwierige, genaue und umfassende Recherche vor Veröffentlichung voraus. Als Quellen verwenden investigative Journalisten häufig sogenannte Whistleblower. Immer dabei bedacht ihre Informanten nicht Preis zu geben. In „Doppelte Spur“ sucht der eine den anderen.

Ilija Trojanow
Foto: Thomas Dorn

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia. Unterbrochen von einem vierjährigen Deutschlandaufenthalt lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris. Von 1984 bis 1989 studierte Trojanow Rechtswissenschaften und Ethnologie in München. Dort gründete er den Kyrill & Method Verlag und den Marino Verlag. 1998 zog Trojanow nach Mumbai, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er nicht reist, in Wien. Seine bekannten Romane wie z.B. ›Die Welt ist groß und Rettung lauert überall‹, ›Der Weltensammler‹ und ›Eistau‹ sowie seine Reisereportagen wie ›An den inneren Ufern Indiens‹ sind gefeierte Bestseller und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei S. Fischer sein großer Roman ›Macht und Widerstand‹, sein Sachbuch-Bestseller ›Meine Olympiade: Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen‹ sowie der literarisch-politische Essay ›Nach der Flucht‹

Der als besonders investigativ bekannte Journalist Ilija wird innerhalb kurzer Zeit von zwei Whistleblower des amerikanischen und russischen Geheimdienstes kontaktiert. Ist es Zufall, arbeiten die Zusammen, eine Falle, soll er benutzt werden, entsprechen die Leaks der Wahrheit. Durch diesen doppelten Leak entdeckt Ilija ein undurchdringliches Netzwerk von Oligarchen, Mafiosi und Politkern. Selbst die beiden derzeitigen Präsidenten von Amerika und Russland sind involviert. Um mit der Fülle der Daten und der Recherche nach Echtheit, zu recht zukommen, bittet er seinen Freund Boris, ein Wirtschaftsjournalist und Emi, die über Kindesmissbrauch in der Geldaristokratie forscht und versucht daraus einen Film zu machen, um Hilfe. Zu dritt versuchen sie die Daten und Zusammenhänge zu erfassen und zu ordnen.

Zu welchem Preis darf man dieses Wissen veröffentlichen? Welche Gefahr besteht für sich selbst und eventuell für die Whistleblower. Warum haben sie die Information an sie weiter geleitet? Was ist Fiktion oder Wahrheit? Ein aufschlussreiches Buch mit sehr viel Wahrheit über unsere Geldmacht und deren Politiker. Das Wagnis dieses Wissen zu veröffentlichen. Ich zitiere mit einem Satz auf Seite 185: Wenn ich nur zuhören und nie reagieren würde, wenn ich nicht dafür sorge, dass Verschwiegenes hörbar wird, dass Geflüstertes laut und deutlich zu verstehen ist, würde ich eines Tages taub werden.

Ein besonders lesenswertes Buch über Lügen und Politik.

I L I J A    T R O J A N O V: D O P P E L T E    S P U R; Verlag: S.Fischer, ISBN: 978-3-10-390005-7, Gebundenes Buch, 239 Seiten, Preis: € 22,00

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