Wie einmal ein Bagger auf mich fiel, René Marik

René Marik, da denkt man an die Handpuppen Maulwurfn und Froschn. Wie man sich gekringelt hat vor Lachen, bei seiner Show, am besten mit Barbara Schöneberger. Dann schreibt der Komiker ein Buch mit dem Titel, Wie einmal ein Bagger auf mich fiel – Eine Provinzjugend, und schon sind die Erwartungen gesteckt. Das muss eine lustige Autobiografie des Puppenspielers René Marik sein.

Weit gefehlt, denn dieses Buch ist ein ernstes, zum Teil dramatisches kleines Werk, bei dem ein Lachen des Öfteren vor Entsetzen im Hals stecken bleibt. Doch das ist auch der Charme dieses Buches. Denn es erzählt eine eher tragische Jugend mit einer Leichtigkeit und Authentizität, dass dem Leser die Bilder vor Augen stehen. Zwischen einem Schmunzeln muss man immer sehr tief Luft holen und am Ende auch mal traurig den Kopf schütteln. Sehr lesenswert, nur zu empfehlen.

René Marik, geboren 1970, ist Komiker, Gitarrist, Sänger, Schauspieler und diplomierter Puppenspieler, Anfang der Nullerjahre gelang ihm mit seinem Bühnenprogramm Autsch’n rund um die liebenswerte-cholerische Figur des Maulwurfn der Durchbruch. Seitdem lässt er im großen Stil die Puppen tanzen. Der Autor lebt in Berlin.

Wenn man als Kleinkind im tiefsten Westerwald auf dem Gebiet einer Kaserne aufwächst, ist eine Art Isolierung von der Außenwelt vorprogrammiert. Rene Marik wächst dort lange Zeit auf dem Gelände der Bundeswehr, unter lauter Grünen, mit seinen älteren Geschwistern und Eltern auf. Die immerzu hart arbeitende Mutter und der saufende Vater betreiben die Kantine auf dem Bundeswehrgelände.

So nimmt der kleine René schon in jungen Jahren die Welt anders wahr, als seine Altersgenossen, zu denen er nur Kontakt in der Schule hat. Sein Bruder ein Nerd geht auf ein Internat, um das Abitur zu machen und ist nur an den Wochenenden bei der Familie. Die Schwester ist emotional eine Tretmine und man weiß nie, wann sie explodiert und vor allem, warum. Tja, und der Vater abhängig von seinem Alkohollevel dümpelt entweder in sporadisch rührseliger Zuneigung zu den Kindern oder brüllt sie an und wird gewalttätig. Eine ganz normale Familie in den 70iger Jahren. Die Erwachsenen hauen mit Alkohol auf die Pauke, jeder raucht, was das Zeug hält und es wird fremdgegangen.

In dieser Welt fühlt sich René oder Marek, wie er dann irgendwann genannt wird, wie ein Alien von einem anderen Planeten. Oder sind die anderen Aliens? Hauptschule, erste Liebe, Mofa-Tuning, Alkohol und völlig irre Dummheiten führen irgendwann zu der Situation, dass ein Bagger auf ihn fällt. Wobei die Frage ist, ob das emotional, geistig, körperlich oder in dem Moment alles zusammen ist.

Ein lesenswertes Buch, das spielerisch erzählt. Ein unvergleichlicher Stil, da René Marik sich das kleine Kind und auch den Jugendlichen innerlich erhalten hat. So schreibt er immer aus der richtigen Perspektive und benutzt die richte Sprache. Sehr interessant vor allem für Menschen, die ebenfalls ihre Jugend in den 70igern und 80igern verbracht haben, denn es kommen automatisch viele Erinnerungen zurück. Eine Mischung aus tragisch-komischer Erzählung, Kritik an der Wirtschaftswundergeneration und für René Marik bestimmt ein Tribut an sein Geschwister und Mutter. Die ganz andere Seite des Schöpfers von Maulwurfn und Froschn, die man in dem Buch kennenlernen darf.

Wie einmal ein Bagger auf mich fiel, René Marik, Droemer Verlag, Taschenbuch, 237 Seiten, ISBN 978-3-426-30221-7, Euro 14,99.

 

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