Was für eine Leistung: Alexander Oetker begnügt sich nicht mit seinen schon etablierten Krimis mit Luc Verlain an der französischen Atlantikküste und mit Signora Commissaire in der Toskana, nein, er hat ein neues Ermittlerduo an der Côte d’Azurzusammengestellt, das mit dem Auftakt gleich für Furore sorgt. Alexander Oetker muss in meinen Augen nur am Schreiben sein. Hochachtung vor den Ideen und Recherchen, um ein Thema so zur Vollendung zu bringen. Der neue Kriminalroman „Léon und die Frau im blauen Kleid“ ist weit mehr als ein klassischer Ermittlerkrimi. Alexander Oetker verbindet in diesem Auftaktband eine neue Reihe um Commissaire Léon de Cavallier, der ein ungewöhnlicher Protagonist ist: sehr reich, elegant, arrogant, snobistisch, aber hochintelligent. Fährt Ferrari, trägt Maßanzüge, Lebemann mit Champagner und gutem Essen, der lieber allein ermittelt als auf Teamarbeit steht. Dagegen die Commissaire Nadia Bentaleb, aus der Banlieue von Paris stammend, die sich nach Nizza hat versetzen lassen. Pragmatisch, bodenständig. Diese Gegensätze benutzt Alexander Oetker geschickt, um Reibung zu erzeugen. Gerade dieser Gegensatz macht den Roman atmosphärisch dicht. Die schillernde Welt der Reichen mit Korruption, Drogenhandel und Machtmissbrauch vor dem Hintergrund der Postkartenfassade.