Die Komponistin, Alissa Wenz, ein Roman über das Leben von Mélanie Bonis einem Musikgenie

Welch ein anmutiges Buch! Es ist ein geschriebener innerer Monolog in Du-Form und die Worte sind präzise und akzentuiert gesetzt. Es behandelt das Leben der interessanten Komponistin Mélanie Bonis aus ihrer Sicht heraus und weicht nur am Ende kurz davon ab. Natürlich hält sich der Roman an die biografischen Daten der 1858 in Paris geborenen und 1937 in Sarcelles verstorbenen Musikerin. Die Gefühle und der beschriebene Alltag von Mélanie sind jedoch einer sehr begnadeten Autorin zu verdanken und damit Fiktion. Selbst als absoluter Liebhaber klassischer Musik, hätte man dieses Buch nicht schreiben können. Und so ist es kein Wunder, dass die Autorin, Alissa Wenz, selbst Komponistin und Musikerin ist, am Konservatorium von Saint-Malo studierte und außerdem Literaturwissenschaft obendrauf gesetzt hat.

Es ist ein echtes Wagnis, ein gesamtes Buch als inneren Monolog zu gestalten, und es gehört Können und Talent dazu, die Gedanken einer Komponistin und eines musikalischen Genies so authentisch wie möglich wiedergeben zu wollen. Dieser Text reißt jeden Leser und Freund der klassischen Musik einfach mit. Es ist die Leidenschaft in den Worten, die den Leser regelrecht überschwemmt, wenn Mélanie ans Komponieren, ans Klavierspielen und an ihre einzige große Liebe Amédée, den Mann, der ihr von den Eltern verweigert wurde, denkt.

Der Seelenverwandte, Amédée-Louis Hettich, selbst Künstler, Musiker und der Einzige, mit dem sie über die musikalische Inbrunst in ihrem Herzen sprechen kann. Er versteht, dass sie Melodien in sich trägt, die ausbrechen wollen und müssen. So ist es kein Wunder, dass die gemeinsame Liebe zur Musik nicht platonisch bleiben kann und sich irgendwann in tiefer körperlicher Liebe verliert. Doch Mel ist auf der einen Seite mit einem wesentlich älteren Mann, von dem sie drei leibliche und etliche Stiefkinder hat, verheiratet, sie ist auch streng gläubig. Das schlechte Gewissen und auch die Gefahr, als Ehebrecherin ins Gefängnis gehen zu müssen, hängen wie ein Damoklesschwert über dem jungen Genie. Als sie jedoch von Amédée schwanger wird, scheint alles zu eskalieren. Sie trifft die schwierigste Entscheidung ihres Lebens, welche einen starken Einfluss auf ihre zukünftigen Kompositionen haben wird.

Man fragt sich, ob das künstlerische Genie einfach Tragödien braucht, um zu wahrer, reiner Schaffenskraft zu kommen, oder ob es trotz aller Hindernisse, die Mélanie Bonis in den Weg gelegt wurden, einfach ausbrechen musste, weil es nicht anders ging. Damals wie auch heute noch, hört man viel zu wenig die Kompositionen von Mel Boni oder auch Florence Price oder Emilie Mayer. Nur selten nehmen männliche Dirigenten diese Komponistinnen in ihre Konzerte auf. Dabei gibt es Tausende von klassischen Komponistinnen. Es wird Zeit, sie zu hören, und die wunderbare Schriftstellerin Alissa Wenz, hat mit ihrem Buch ›Die Komponistin‹ dazu beigetragen, die Neugier auf diese Frauen zu wecken. Danke für ein wunderbares Buch!

Autorinnenfoto: Copyright ® Cloé Vollmer-Lo

Alissa Wenz, geboren 1986 in der Bretagne, ist Autorin, Komponistin und Interpretin. Sie hat Klavier und Gesang am Konservatorium von Saint-Malo studiert, außerdem in Paris Literaturwissenschaft an der École normale supérieure und Drehbuch an der Fémis. Sie hat mehrere Studio-Alben und drei Romane veröffentlicht. »Die Komponistin« ist ihr erstes Buch auf Deutsch.

 

Auszug aus dem Werbetext des Wagenbach Verlags:

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts: Mélanie klappt den Deckel hoch und bringt sich das Klavierspielen selbst bei. Ebenso wie später das Komponieren, Lieben, Warten, Lügen, Trauern. Ein beispielloses Frauenleben, ein musikalischer Liebesroman. Mélanie Bonis wächst in einfachen Verhältnissen auf, leicht hat sie es nicht. Für Mädchen sind die Regeln streng, die Spielräume begrenzt. Doch Mélanie spielt – Klavier. Sie wird entdeckt, gefördert und am Pariser Konservatorium aufgenommen, sie studiert Komposition als eine von wenigen Frauen, unter ihren Kommilitonen sind Claude Debussy und Eric Satie. Sie lebt in der Musik, übt und komponiert und verliebt sich in den jungen Sänger Amédée-Louis Hettich. Es ist eine verbotene Liebe, die von den Eltern unterbunden wird und doch unzerstörbar bleibt. Die Konventionen, ihre Familie und Gottes Gebote zwingen sie in einen engen Rahmen, doch aus Mélanie wird Mel Bonis, Komponist.

Die Komponistin, Alissa Wenz, Wagenbach Verlag, gebundenes Buch, Seiten 224, ISBN: 978-3-8031-3390-8, Euro 24,00, übersetzt von Alecandra Baisch und erschienen am 20. August 2026.

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