Léon und die Frau im blauen Kleid Alexander Oetker, Der erste Fall für de Cavallier und Bentaleb: Der Côte-d’Azur-Krimi

Was für eine Leistung: Alexander Oetker begnügt sich nicht mit seinen schon etablierten Krimis mit Luc Verlain an der französischen Atlantikküste und mit Signora Commissaire in der Toskana, nein, er hat ein neues Ermittlerduo an der Côte d’Azurzusammengestellt, das mit dem Auftakt gleich für Furore sorgt. Alexander Oetker muss in meinen Augen nur am Schreiben sein. Hochachtung vor den Ideen und Recherchen, um ein Thema so zur Vollendung zu bringen. Der neue Kriminalroman „Léon und die Frau im blauen Kleid“ ist weit mehr als ein klassischer Ermittlerkrimi. Alexander Oetker verbindet in diesem Auftaktband eine neue Reihe um Commissaire Léon de Cavallier, der ein ungewöhnlicher Protagonist ist: sehr reich, elegant, arrogant, snobistisch, aber hochintelligent. Fährt Ferrari, trägt Maßanzüge, Lebemann mit Champagner und gutem Essen, der lieber allein ermittelt als auf Teamarbeit steht. Dagegen die Commissaire Nadia Bentaleb, aus der Banlieue von Paris stammend, die sich nach Nizza hat versetzen lassen. Pragmatisch, bodenständig. Diese Gegensätze benutzt Alexander Oetker geschickt, um Reibung zu erzeugen.  Gerade dieser Gegensatz macht den Roman atmosphärisch dicht. Die schillernde Welt der Reichen mit Korruption, Drogenhandel und Machtmissbrauch vor dem Hintergrund der Postkartenfassade.

Autorefoto: Copyright David Maupilé

Alexander Oetker, geboren 1982 in der ehemaligen DDR, als Sohn einer Romanistin. Mit der Öffnung ist die Reisefreiheit gekommen, und von da an schlägt sein Herz für die Marseillaise. Als Frankreichkorrespondent berichtet er immer noch aus Paris und schreibt an den französischsten Krimis ihrer Art. Zusätzlich ist er Kolumnist für den Feinschmecker. Weiter berichtet er für RTL und n-tv über Politik und Gesellschaft der Grand Nation. Mit Commissaire Luc Verlain ist er zum Bestsellerautor avanciert. Seine Krimis sind Erfolgsgaranten im Buchhandel. Für „Mittwochs am Meer“ erhielt er die DELIA, den Literaturpreis für den besten Liebesroman des Jahres. 2022 wurde er mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis des Saarlandes ausgezeichnet. Sein Kochbuch „Chez Luc“ wurde vielfach prämiert, u.a. mit dem Gourmand World Cookbook Award und dem ITB Buch-Award 2023. Alexander Oetker lebt mit seiner Familie zwischen Brandenburg, Berlin und der französischen Atlantikküste.

Eine sehr schöne junge, im eleganten blauen Kleid, Frauenleiche wird am Strand angespült. Wer ist diese Frau? Die Ermittlungen bei der Wasserüberwachung haben keine Boote im Meer angezeigt. Erst nach persönlicher Recherche auf dem Meer und dem Zufall, dass ein Fischerboot Auskunft geben konnte, findet man das Boot, das leider einem der reichsten Architekten von Monaco gehört.  Leider darf die französische Polizei nicht in Monaco ermitteln, nur mit kurzzeitiger Sondererlaubnis. Doch halten die Reichen mehr als zusammen. Es fehlen Beweise. Die Handlung entwickelt sich eher atmosphärisch als rasant. Alexander Oetker legt mehr Wert darauf, seine Protagonisten langfristig anzulegen, was deutlich in der Kommunikation untereinander herauskommt. Die Beziehung zwischen dem exzentrischen Léon und der Banlieue erfahrenen Nadia entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Man hofft regelrecht darauf, dass die beiden sich verstehen. Alexander Oetker hat es wieder geschafft, mit diesem Roman einen stilvollen Krimi mit neuem, starkem Schauplatz, der Côte d’Azur, mit Nizza, Monaco und dem Hinterland, eine bildliche Reise zu vermitteln, an der man gerne teilnehmen möchte. Wer intelligente Krimis mit starkem Schauplatz und einem außergewöhnlichen Ermittlerduo mag, ist hier genau richtig. Für mich ist es ein überzeugender Serienauftakt, der Lust auf weitere Fälle macht.

Alexander Oetker, Léon und die Frau im blauen Kleid, Hoffmann und Campe, Paperback mit Klappenumschlag, Seiten 301, ISBN: 978-3-455-02164-8, Seiten 301, € 18, erschienen 6.5.2026.

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