Mit „Die letzte Predigt“ beweist Eva Almstädt erneut, dass die Nordsee weit mehr ist als eine eindrucksvolle Kulisse. Das Wattenmeer, der Wind und die weite Landschaft prägen nicht nur die Atmosphäre des Romans, sondern spiegeln auch die Menschen wider, die dort leben. Hinter der oft rauen Schönheit der Küste verbergen sich Tradition, Zusammenhalt, Eifersucht und verschwiegene Geheimnisse. Eva Almstädts Darstellungen der kleinen Dörfer, in diesem Fall Estherwiek und Umgebung, wo jeder jeden kennt und die Erinnerungen dort Jahrzehnte zurückreichen und nie ganz verschwinden. Wer so wie ich auch in so einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt das aus eigenen Erlebnissen: die wachen Augen und Ohren der Nachbarn, aber genießt auch die Vorteile des dörflichen Miteinanders. Es gibt Geborgenheit und Verlässlichkeit. Da passen zwei hintereinander auftretende Leichen nicht hinein.
Autorinnenfoto: Copyright ® Inga Sommer
Eva Almstädt absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Sie ist Autorin der erfolgreichen Ostseekrimireihe um die Lübecker Kommissarin Pia Korittki und lebt in Hamburg.
Im Mittelpunkt steht ein rätselhafter Todesfall: Der Pastor von Estherwiek wird tot im Watt gefunden, kurz nachdem er eine ungewöhnlich aufwühlende Predigt gehalten hat. Was zunächst wie ein Unfall wirken könnte, entwickelt sich bald zu einem Kriminalfall. Als eine ehemalige Konfirmandin, die den Pastor vor dem Gottesdienst aufgesucht hatte, nun als vermisst gemeldet wird, gerät der reiche Journalist Niklas John unter Verdacht. Kann seine ehemalige Freundin, die Anwältin Fentje Jacobsen, seine Unschuld beweisen? Flentjes’ Nachforschungen bringen alte Beziehungen, Dorfgeheimnisse und unausgesprochene Konflikte ans Licht. Dabei gerät sie selbst in Gefahr. Das Leben an der Nordsee wird dabei ohne übertriebene Romantisierung dargestellt. Man spürt die Nähe zum Meer, die Abhängigkeit von Wetter und Gezeiten, aber auch den Zusammenhalt einer Region, in der Traditionen, Kirche, Landwirtschaft und Tourismus nebeneinander bestehen. Die Menschen wirken bodenständig, manchmal wortkarg, oft misstrauisch gegenüber Fremden oder Rückkehrern. Gerade diese Mischung aus Nähe und Distanz macht den Reiz des Romans aus. Fentje Jacobsen und Niklas John bringen zusätzlich Bewegung in die Handlung. Ihre unterschiedlichen Blickwinkel – juristisch, journalistisch und persönlich – sorgen dafür, dass nicht nur über Polizeiarbeit erzählt wird. Manchmal tritt die private Dynamik der Figuren etwas stark hervor, doch insgesamt trägt sie dazu bei, dass der Krimi lebendig bleibt und mehr ist als eine reine Mördersuche. „Die letzte Predigt“ ist mehr als ein klassischer Kriminalroman. Eva Almstädt erzählt von Gemeinschaft, Vertrauen und den Schattenseiten des Lebens. Die Verbindung aus atmosphärischer Nordsee, authentischen Dorfgemeinschaften und einer spannenden Geschichte macht dieses Buch ausgesprochen lesenswert.
Die letzte Predigt, Eva Almstädt, Lübbe, ISBN978-3-404-19445-2, Paperback, Seiten 397, € 13,90.