Andreas Breidert: Das letzte Gericht | Interview: Fünf Fragen an den Autor

Andreas Breidert hat sich als Mundart-Autor bereits einen Namen gemacht und wurde 2017 mit dem Darmstädter Künstlerpreis für Maulkunst und Lebensart „Spirwes“ ausgezeichnet. Redde mer net lang rum: Die Komfort-Zone hinter sich zu lassen und sprachlich neue Wege zu gehen war so mutig wie richtig! Mit dem MEDU-Verlag hat der Autor einen Partner an der Seite, der die „literarische Neuausrichtung“ mitträgt. Das Cover macht Appetit, lässt aber auch erahnen, dass hier dunkle Mächte mitkochen. Breiderts Geschichte umspannt die Jahre 1988 bis 2014. Mir gefällt das Layout. Zusammen mit dem Cover bildet es ein einheitliches Bild. Die quer in den Seitenrand gedruckten Jahreszahlen sind eine gute grafische Lösung und Orientierung beim Lesen. Breidert erzählt ausgesprochen bildhaft und sein Schreibstil hält mich bei der Stange. Genüsslich zelebriert er die Gerichte – und die Morde. Die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet und der Autor lässt keinen Zweifel aufkommen, wem seine Sympathie und Empathie gehören: der Protagonistin Sabine. Trotzdem verlangt er ihr alles ab. Von der hochgelobten Chemiestudentin, die vergewaltigt und traumatisiert den Boden unter den Füßen verliert, sich zurück ins Leben kämpft hin zur Kneipenwirtin, die ihre Gäste mit anspruchsvollen Gerichten verwöhnt, ist ein weiter Weg. Und für den einen oder anderen speziellen Gast greift Sabine in die chemische Trickkiste für „das“ Gericht. Breidert schenkt ihr – fast – nichts. Außer einen Abend mit ihrer zur Adoption freigegebenen und wiedergefundenen Tochter Ricarda und ein selbstbestimmtes Ende.

Foto: Sven Klügl

Andreas Breidert, 1981 in Darmstadt geboren, ist begeisterter Vielleser, Sprachkünstler und heimatverbundener Karnevalist. Seine ersten drei Bücher, allesamt Lokalkrimis in südhessischer Mundart, wurden 2017 mit dem Künstlerpreis des „Spirwes – Darmstädter Preis für Maulkunst & Lebensart“ ausgezeichnet.

 

 

Sabines Kochkünste sind ein Fest für die Sinne. Mit ihrem feinen Geruchsinn kreiert sie Aromen, die ihre Restaurantgäste regelmäßig auf emotionale Reisen schicken. Doch eines Tages holt die Vergangenheit sie ein. Als sie ihrem einstigen Vergewaltiger wieder begegnet, steigen Rache­gefühle in ihr auf. Sabine will Gerechtigkeit und beschließt, ihn kulinarisch „um die Ecke“ zu bringen. Doch es soll nicht ihr letzter Mord bleiben. Ein pädophiler Pfarrer, ein brutaler Alkoholiker, ein gerissener Betrüger und noch weitere „böse Menschen“ werden Sabines Opfer. Von ihrem Gerechtigkeitssinn angetrieben entwickelt sie sich immer mehr zu einem Racheengel, der nicht mehr weiß, wie er aufhören soll.

MEDU Verlag – Paperback – 465 Seiten – 16,00 € – ISBN 978-3-9635-2106-5

Fünf Fragen an den Autor, gestellt von Angela Perez

Lieber Herr Breidert,

herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ersten – nicht mundartlichen – Roman. Nach zahlreichen Veröffentlichungen in südhessischer Mundart aus Ihrer Feder, haben Sie sich nun auf das glatte Eis der Überregionalität begeben. Leser: innen sind neugierige, wissbegierige Menschen und deshalb würde es mich sehr freuen, wenn Sie Antworten auf meine 5 folgenden Fragen haben.

Wie geht es Ihnen jetzt, wo das Buch auf dem Markt ist?

Es ist ein tolles Gefühl, sein eigenes Buch zum ersten Mal in der Hand zu halten. Es ist der Abschluss einer wunderbaren, abwechslungsreichen und langen Reise und zugleich war es der Beginn einer neuen Reise, angefüllt mit Begegnungen, Lesungen und Gesprächen über Sabine, Gerechtigkeit und Genuss, die ich jetzt sehr genieße. Der Austausch über das Buch in den unterschiedlichsten Facetten ist eine echte Bereicherung. Man lernt neue Menschen kennen – und manche Menschen lernt man neu kennen. Besonders die Wohnzimmerlesungen machen enorm viel Spaß.

Die Figur der Sabine ist so gelungen und realistisch, dass man sich fragt, gibt es eine reale Person, die der Protagonistin zugrunde liegt?

Nein, Sabine ist eine fiktive Person. Ich forme die Figuren vor meinem geistigen Auge, betrachte sie lange und „rede mit ihnen“, wenn ich mal nicht weiterweiß. Daher kenne ich meine Protagonistin sehr genau. Jeder Charakter in meinem Buch ist das Konglomerat einer Sammlung von Wesenszügen, Eigenheiten und Kanten, die mir in meinem Leben begegnet sind. Im Grunde ist es wie bei einem guten Essen: es kommt auf die richtige Mischung der Zutaten an.

Kennen Sie die Angst vor der ersten Seite?

Sicherlich kennt jeder das subjektive Gefühl der Angst – mal mehr, mal weniger intensiv. Man konfrontiert sich während des Schreibens auch mit seinen eigenen Ängsten. Das geschieht mal absichtlich um eine Beschreibung zu präzisieren. Manchmal steht man vor sich selbst und muss schlucken, weil die Angst in einem aufsteigt, welche die eigenen Gedanken heraufbeschworen haben. Egal auf welchem Weg – die Angst hilft beim Schreiben; oder vielmehr beim Beschreiben.

Eine Geschichte begleitet den Autor über eine gewisse Zeit: Idee, Recherche, Schreiben, Veröffentlichung, Bewerbung, Lesungen… Haben Sie ein Ritual diese Phase abzuschließen, sozusagen das Buch ins Regal zu stellen?

Ich habe jede Phase des Buchs mit einem Glas guten Weines abgeschlossen. So mache ich es auch nach jeder Lesungsphase. Dann ziehe ich mich zurück, genieße die Aromen und unterhalte mich mit Sabine.

Nach dem Buch ist vor dem Buch. Gibt es bereits Ideen für eine neue Geschichte?

Ja, es gibt bereits Ideen und auch erste Zeilen, allerdings habe ich mich entschieden, im nächsten Jahr den Fokus auf „Das letzte Gericht“ zu legen. Es wird also noch eine Weile dauern, bis Nachschub kommt.

Vielen Dank

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