Susanne Abel: Stay away from Gretchen

Der Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die mehr und mehr vergisst. Als die Diagnose Demenz im Raum steht, ist Tom entsetzt. Bis die Krankheit seiner Mutter zu einem Geschenk wird: Erstmals in ihrem Leben erzählt Greta von sich – von ihrer Kindheit in Preussisch Eylau mit den geliebten Großeltern, Der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, ihrer Begegnung mit dem GI Robert Cooper in Heidelberg. Ist das der Schlüssel, um Gretas Traurigkeit zu verstehen, die auch Toms Kindheit überschattet hat? Als Tom auf Briefe und Bilder aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stößt, kommt er einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Wer ist das kleine Mädchen auf dem Foto, das Greta wie einen Schatz hütet? Mehr und mehr erkennt Tom, dass auch sein Lebensglück mit der Vergangenheit seiner Mutter verknüpft ist …

Susanne Abel stammt aus einem badischen Dorf an der französischen Grenze, arbeitete bereits mit siebzehn Jahren als Erziehungshelferin und später als Erzieherin. Nach einer Ausbildung zur Puppenspielerin landete sie über den Weg des Theaters beim Fernsehen. Sie schloss ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ab und realisiert seither als Autorin und Regisseurin zahlreiche Dokumentationen fürs Fernsehen. Die Autorin lebt und arbeitet in Köln.

„Stay away from Gretchen“ bedeutet „Halte dich von den deutschen Fräuleins fern“ und war auf die erste Seite des Amerikanisch-Deutschen Wörterbuches gedruckt, das nach dem 2. Weltkrieg den in Deutschland stationierten GIs ausgehändigt wurde. Meine spontane Eingebung zum Titel, da kommt keine leichte Kost auf mich zu, bestätigt sich auf der zweiten Seite, aber da ist es für das Weglegen dieses Debütromans schon zu spät. Ich glaube Susanne Abel jedes Wort. Sie schreibt klar, schnörkellos und sehr bildhaft. Sie weiß, wie es in einem Aufnahmestudio zugeht und beschreibt nicht, wie sie es sich vorstellt, dass es zugehen könnte. Sie trifft den Ton der modernen Arbeitswelt genauso sicher wie den Ton einer älteren Dame. Was sie nicht aus Erfahrungen oder Erzählungen kennt, recherchiert sie gründlich. Mir gefällt Abels liebevoller Umgang mit ihrer Protagonistin Greta, der im weiteren Verlauf der Geschichte auch Tom, Gretas Sohn, zu Teil wird. Beide Figuren stehen für ihre jeweilige Generation: die eine, die das Erlebte ganz tief in sich vergräbt und den Traumata keinen Weg in ihre Erinnerung lässt, damit sie weiterleben kann, die andere Generation, die erst hinschaut, wenn man nicht mehr wegsehen kann.

Susanne Abel: Stay away from Gretchen, Dtv gebundene Ausgabe – 528 Seiten, ISBN 978-3-423-28259-8,  20 €

 

 

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