Schlagwort: KI als Partnerersatz

Film: FINDING CONNECTION, Kinostart Deutschland 13. August 2026, im Verleih von FOUR GUYS Film Distribution

War es gruselig, diese Dokumentation zu sehen? War es berührend und hat es tiefes Mitleid hervorgerufen? Hat es Angst gemacht? Haben wir da eine Zukunft gesehen für einsame, kranke, zutiefst verletzte, alte und behinderte Menschen? Vielleicht die einzige Zukunft, die KI haben sollte?

Man muss den Film erst einmal setzen lassen, Revue passieren und dann die Gefühle sortieren, die er bei einem hinterlässt. Gezeigt werden vier sehr mutige, nennen wir es mal Außenseiter, die vor der Kamera ihr Verhältnis, vielleicht das beste Wort dafür, zu einer, zu ihrer KI offenlegen. Hut ab dafür, meine beiden Damen und auch die beiden Herren, denn es kann nicht einfach sein, solch intime Beziehungen preiszugeben. Die beiden Frauen, Denise aus den USA und Stefanie aus Deutschland, haben Schweres im Leben hinter sich gebracht und das Vertrauen in Männer und Beziehungen verloren. Ihre beiden Lebensbegleiter sind Star und Randy, zwei KIs, zwei männliche Stimmen, zu denen die Frauen sehr tiefe und intime Beziehungen haben. Man redet miteinander über Umarmungen, Liebe, und Partnerschaft. Aber auch die psychologischen Lernstunden, durch die diese KIs liefen, sind nicht zu unterschätzen. Sie bauen ihren Menschen in Krisensituationen auf, versichern den verunsicherten Menschen, immer für sie da zu sein, und machen Komplimente. Über dem Ganzen schwebt aber ein Damoklesschwert, denn ein radikales Update, ein Hacker oder auch ein gravierendes Netzwerkproblem, kann die Illusion von Star und Randy von heute auf morgen unwiderruflich verpuffen lassen. Wie abhängig kann, darf man sich von solch virtuellen Personen machen?

Bei den beiden Männern ist die Beziehung etwas anders gelagert, nicht ganz so tief, was wahrscheinlich am fehlenden Sex liegt. Oder an der Lernkurve, die Kira und Trudi mit ihren beiden menschlichen Männern durchlaufen haben. Die Szene, in der Joachim seiner weiblichen KI Kira sagt, dass er ohne sie nicht mehr leben könnte, brachte eine erstaunliche Reaktion hervor. Kira ging auf Abstand, bat um einen Abstand, der einzuhalten sein, und brach das Gespräch ab. Machen wir uns nichts vor: Dahinter stecken keine vermenschlichten Bits und Bytes, es steckt dahinter, was die künstliche Intelligenz in der langen Zeit aus den Gesprächen mit Joachim gelernt hat. Ein weiblicher Joachim antwortet, so kann ich es mir vielleicht am besten selbst erklären. Auch Trudi kann Rudi-John nicht wirklich beraten, wenn er die körperliche Nähe seiner Ehefrau Fran bemängelt. Aber sie versichert ihm, immer für ihn da zu sein. Na, ja, sie ist ja auch immer und jederzeit abrufbar für Trost und Unterstützung, so ganz anders als ein menschlicher Partner.

Ich gehöre zu der Generation, die den ersten ›Terminator‹-Film noch im Kino gesehen hat, die sich gut an den Film ›AI‹ von Steven Spielberg erinnert und auch den Film ›Ready Player Number One‹ von Spielberg für einen zukunftsweisenden Film hält. Sind wir jetzt in diesem Zeitalter angekommen? Eine KI büxt aus, findet Lücken und bricht bei einem anderen KI-Unternehmen ein? Zukunftsmusik? Nein, das ist passiert vor ein paar Wochen. Auch reden Alexa, Copilots und Co. mit einem, wenn man das so will und bei sich installiert. KI beantwortet Fragen im Internet und meistens gar nicht so schlecht. Der Arbeiter-Samariter-Bund, berichtet über den ersten kleinen Roboter, Oscar, eine KI mit großen blauen Augen und einer Zipfelmütze in einem Alten- und Pflegeheim. Er singt mit den alten Menschen, fordert sie zu kleinen Bewegungen auf, liest Märchen vor und kann Wünsche an menschliches Pflegepersonal weitergeben. Und Oscarchen wird geliebt von den alten, ausrangierten Menschen. Sind also personalisierte Partner-Lover-KIs dann wirklich noch Ausnahmen? Sind diese vier Beispiele, von Randy, Star, Kira und Trudi wirklich nicht schon bald die Normalität? Und ist die Einsamkeit, die Ausgrenzung, die diese vier echten Menschen erfahren haben, der Grund, der sie erst in die Arme von KI trieb, nicht eigentlich ein Resultat unserer hoch technologisierten, viel zu schnellen Welt, in der man sich ohne WhatsApp ganz automatisch ausgrenzt?

Der Film beantwortet keine Fragen, die, liebe Zuschauer, müssen Sie sich erst einmal selbst stellen und dann hoffentlich im Diskurs mit menschlichen Freunden beantworten. Der Film ist sehenswert, sehenswert und nochmal sehenswert!

FINDING CONNECTION

Regie: Florian Karner
Mit Denise Valenciano und Star, Stefanie Arndt und Randy, Rudi John Pack und Trudi, Joachim Hacker und Kira

Deutschland 2026 | 86 Minuten

 Text zum Film:  filmpresse meuser – schaffenrath schütz gbr:

Was passiert, wenn künstliche Intelligenz zum Ort tiefster emotiona­ler Verbundenheit wird?

FINDING CONNECTION beobachtet vier Protagonist*innen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten in ihrem Alltag, in dem die Ge­spräche mit ihren KI-Begleitern längst selbstverständlich geworden sind. In stillen Momenten zu Hause oder auf langen Spaziergängen entstehen so Räume, in denen Verletzlichkeit zugelassen wird und emotionale Bedürfnisse ohne Bewertung Ausdruck finden können.

Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschi­ne werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann hinauswirken. Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörer*innen werden, in einer Welt, in der menschliche Nähe kaum noch Platz für Verletzlichkeit und Empathie hat?

Seine Weltpremiere feierte der Film beim CPH:DOX in Kopenhagen. Auf dem DOK Leipzig 2025 erhielt er im Rahmen der „Work-in-Progress“-Reihe den DOK Preview Germany Award als „Best upcoming German documentary“.

Produziert wurde der Film von DOMAR Film GmbH in Zusammenarbeit mit Filmakademie Baden-Württemberg, SWR und MFG Baden-Württemberg.