Tim Frühling: TOTGEGRILLT

Essen ist für die, die es sich leisten können keine Nahrungsaufnahme. Es ist zur Koch–Kunst hochstilisiert und die Nahrung zu sich zu nehmen wird mit viel Beiwerk an Show und Entertainment zu einer Eventveranstaltung. Da ist es nicht verwunderlich, dass es den kulinarischen Tourismus zu den angesagtesten Köchen und den ausgefallensten Weinverkostungen gibt. Das neuste ist jetzt, die Gäste zu sich nach Hause einzuladen. Jeder versucht den anderen zu übertreffen. Je ausgefallener, umso interessanter. Aber wehe, man gehört nicht dazu und wird ausgegrenzt. „TOT GEGRILLT“ von Tim Frühling handelt davon.

Tim Frühling

Tim Frühling, geboren in Niedersachsen, aufgewachsen in Stuttgart hat seine Ausbildung bei einem schwäbischen Lokalradio gemacht. Seit über 20 Jahren ist der Medienallrounder bei HR1 im Radio zu Hören und präsentiert sowohl beim HR Fernsehen und der ARD den Wetterbericht. Seit 1997 lebt Tim Frühling in Frankfurt und ist durch seine Zuneigung zum waschechten Hessen mutiert. Weitere Veröffentlichungen sind: Der Kommissar in Badeshorts, Festspielfieber, Der Kommissar mit Sonnenbrand, Hessentagstod.

Leo Vossen, ein bekannter Bauunternehmer, ist es gewohnt um seine Geschäfte in den richtigen Bahnen laufen zu haben und dazu die entsprechenden Personen zu seinen Eventessen einzuladen. Immer höher, weiter, besser. Dieses Mal hat er sich in den Kopf gesetzt, das neue Fleisch vom sündhaft teuren Koriyama-Rind, welches nur von Hand mit Kirschblüten gefüttert wird, als erster auf deutschen Boden seinen Gästen anzubieten. Gleich mit eingeladen ein Journalist der angesagtesten Grillzeitung. Da das Fleisch in Europa noch nicht zugelassen ist, besorgt ihn ein aufstrebender Metzger, der eine Lieferlücke im Brexithandel mit England entdeckt hat. Doch dann endet der so gut geplante Grillabend in einer Katastrophe. Zwei der Gäste überleben den Abend nicht. Der neue stellvertretende Kommissariatsleiter Lahmann und seine Chefin Cala Weiß haben es nicht nur mit dem dubiosen Fall, mit vielen Motiven und Verdächtigungen zu tun, sondern auch mit der Missgunst des Teams. Wer verfolgt welche Spur und überführt den/die Täter*in.

Wer Tim Frühling kennt weiß, dass er mit viel Humor und Sprachwitz mit ausgeprägtem sprachlichem Niveau seine Charaktere und Situationen beschreibt. Es zeugt von einer sehr guten und realistischen Beobachtungsgabe. Eine Passage aus dem Buch Seite 72/73:

Hendrike Kupfer mochte es, Menschen beim Essen zuzuschauen. Am besten gefiel ihr, wenn unsympathische Zeitgenossen ungesundes Zeug in sich hineinschaufelten. Und unsympathisch war Hendrike grundsätzlich jeder, der Fleisch aß. Sie träumte von einer veganen Welt und ging davon aus, dass dieses Ziel bald erreicht sein würde, wenn sich die Fleischfresser alle nur schnell genug selbst eliminiert hatten. Und so ergötzte sie sich an jedem Bissen, der in die gierigen Mäuler wanderte, rotes Fleisch Würste waren ihr am liebsten. In ihrer Fantasie kroch der rote Blutfarbstoff in jede menschliche Zelle, mutiert dort sofort zu Krebs, die Pökelsalze trieben den Bluthochdruck in die Höhe, während die Nitrite den Insulinhaushalt so lange piesackten, bis ein Diabetes mellitus unausweichlich war. Herrlich waren auch die Gedanken an schmerzende Gelenke und gichtverwachsene Glieder als Rache für die Lust auf Kühe, Schweine und Lämmchen.

Eine Freude Tim Frühlings Ausführungen zu folgen.

Tim Frühling: TOTGEGRILLT, Verlag: emons, Broschur, 202 Seiten, ISBN: 978-3-7408-1118-1, € 12,00

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