Fernanda Melchor: Saison der Wirbelstürme

Ein Buch für das man starke Nerven braucht. Gewalt, Drogen, Suff und Perspektivlosigkeit prägen das Leben der Menschen in der mexikanischen Provinz. Besonders über Gewalt gegen Frauen wird in diesem Werk berichtet. Da es keine Perspektiven gibt, besonders keine für Mädchen werden diese zum Spielball von Männern die ihre Perspektivlosigkeit an den Frauen und Mädchen ausleben. Wenn es dann einmal einem Mädchen gelingt aus diesem System auszubrechen, wir es durch Brutalität wieder auf Spur gebracht.

 

 

Fernanda Melchor:
Foto Privat

Fernanda Melchor, 1982 im mexikanischen Bundesstaat Veracruz geboren, schreibt Romane und Reportagen. Sie lebt in Puebla und gilt als die talentierteste Autorin ihrer Generation. 2019 wurde sie mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet. Ihr zweiter Roman »Saison der Wirbelstürme« erschien gleichzeitig in mehreren Ländern, unter anderem in den USA, Frankreich und Großbritannien, und steht auf der Shortlist zum Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt.

La Matosa, eine gottverlassene Gegend in der mexikanischen Provinz. In der brütenden Hitze bewegt sich eine Gruppe von Kindern durchs Zuckerrohrdickicht. Zwischen Plastiktüten und Schilf stoßen sie auf eine Tote, ihr Gesicht ist zu einer grausig lächelnden Grimasse entstellt: La Bruja, die Hexe, eine von den Dorfbewohnern so gefürchtete wie fasziniert umkreiste Heilerin. Manche sagen, in ihrer schwefligen Küche braue sie Tränke gegen Krankheit und Leid, andere sagen, die Alte treibe es mit dem Teufel. An Mordmotiven fehlt es nicht: Eifersucht, Drogenhandel, Leidenschaften, die besser nicht ruchbar werden – und hat die Hexe nicht doch einen Schatz versteckt? Selbst die Polizei sucht nach dem Geld …

»Saison der Wirbelstürme« ist die Chronik dieses unvermeidlichen Todes und zugleich die schwindelerregende Reise ins finstere Herz eines Landes, das bis in den letzten Winkel von Gewalt durchdrungen ist – vor allem gegen Frauen. Fernanda Melchor schafft eine brodelnde Atmosphäre, in der jede Geste der Zärtlichkeit im nächsten Augenblick in Brutalität umschlagen kann, gegen die kein Kraut, kein Zauberspruch mehr hilft.

Die Hexe ist tot, ermordet – aber hat sie’s nicht genau so gewollt? Sprachgewaltig, schmutzig und mit der Sogkraft eines Wirbelsturms schreibt Fernanda Melchor, eine der wichtigsten jungen Stimmen Lateinamerikas, über die viel zu alltägliche Gewalt gegen Frauen.

Fernanda Melchor: Saison der Wirbelstürme, Wagenbach Verlag, aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar, Quartbuch. 2019, 240 Seiten. Klappenbroschur, ISBN 978-3-8031-3307-6, 22,– €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.