Luc Verlains Fall am Jakobsweg oder: Ein Krimi als literarischer Reiseführer. Espelette – baskisch Espeleta – ist ein baskischer, malerischer Ort in der Provinz Labourd zwischen dem Atlantik und den Pyrenäen. Besser bekannt durch seine leuchtend roten Paprikafelder, woraus der bekannte und weltweit exportierte Piment Espelette kommt. Man nimmt ihn zum Würzen und Haltbarmachen, z. B. für den berühmten Jambon Bayonne. In dieser baskischen Gegend ist der Piment d’Espelette ein Grundnahrungsmittel. Man benutzt ihn vom Aperitif bis zum Dessert und gilt dort als Pfefferersatz. Die Feinschmecker-Küche steht darauf. Genau in diese kulinarische Region entführt uns der Gourmet und Krimiautor Alexander Oetker in seinem neusten Kriminalroman „Wolfstal“.
Autorenfoto: Copyright ® David Maupilé
Alexander Oetker, geboren 1982 in der ehemaligen DDR. Sohn einer Romanistin. Mit der Öffnung ist die Reisefreiheit gekommen, und von da an schlägt sein Herz für die Marseillaise. Als Frankreichkorrespondent berichtet er immer noch aus Paris und schreibt an den französischsten Krimis ihrer Art. Zusätzlich ist er Kolumnist für den Feinschmecker. Weiter berichtet er für RTL und n-tv über Politik und Gesellschaft der Grand Nation. Mit Commissaire Luc Verlain ist er zum Bestsellerautor avanciert. Seine Krimis sind Erfolgsgaranten im Buchhandel. Für „Mittwochs am Meer“ erhielt er die DELIA, den Literaturpreis für den besten Liebesroman des Jahres. 2022 wurde er mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis des Saarlandes ausgezeichnet. Sein Kochbuch „Chez Luc“ wurde vielfach prämiert, u.a. mit dem Gourmand World Cookbook Award und dem ITB Buch-Award 2023. Alexander Oetker lebt mit seiner Familie zwischen Brandenburg, Berlin und der französischen Atlantikküste.
Mit „Wolfstal“ lädt Alexander Oetker nicht nur zu einer spannenden Kriminalgeschichte ein, sondern entführt uns Leser und Leserinnen auf eine atmosphärische Reise in eine Landschaft, die zu den eigentlichen Hauptfiguren des Romans zählt. Die Kulisse, das namensgebende Tal, entfaltet sich als wildes, fast mystisches Terrain, in dem dichte Wälder, nebelverhangene Wiesen und abgelegene Höfe den Ton angeben. Oetker versteht es meisterhaft, die Eigenheiten dieser Region einzufangen, und macht das Lesen zu einer literarischen Wanderung, zumal der Jakobsweg direkt durch Espelette, dem Herz des französischen Baskenlandes, führt. Im Zentrum steht eine Ermittlerin, die in das abgeschiedene Wolfstal reist, um einen rätselhaften Mord aufzuklären. Bereits die Anreise wirkt wie die Einleitung eines Reiseberichts. Schmale Straßen schlängeln sich durch tiefe Wälder, immer wieder öffnen sich Ausblicke auf sanfte Hügel, über die sich morgens der Nebel legt. Die Häuser des Dorfes schmiegen sich an Waldränder, deren Bäume rauschend Schutz bieten – aber auch Geheimnisse bergen. Die Einheimischen sind ebenso eigen wie ihre Umgebung, geprägt vom rauen Klima und der Nähe zur Natur. Die Ermittlungen bei den Dorfbewohnern erweisen sich als besonders schwierig. Sicherlich eine Folge der extremen Situation zu Zeiten der ETA, als Verschwiegenheit zum Überleben gehörte. Die Naturverbundenheit und das gegenseitige Misstrauen, verleihen dem Krimi eine besondere Authentizität. So wird das Wolfs-Tal auch zum Schauplatz uralter Legenden und zeitloser Konflikte, die in die Landschaft eingeschrieben sind. „Wolfstal“ ist weit mehr als ein spannender Krimi. Alexander Oetker gelingt es, das Tal so lebendig zu zeichnen, dass man sich als Leserin und Leser wie auf einer Wanderung fühlt – mit allen Sinnen in einer wilden, geheimnisvollen Landschaft. Ein Buch für Krimifans, Naturfreunde und alle, die literarisch verreisen möchten.
Wolfstal, Alexander Oetker, Hoffmann und Kampe, ISBN: 978-3-455-02031-1, Klappenbroschur, Seiten 368, € 18,00, erschienen September 2025.