Soeben habe ich Endzeit verschlungen. Es ist der vierte Teil der Ted Garner-Reihe. Auch wenn es ein Roman ist, kann man die reale Wirklichkeit herauslesen. Beeindruckt bin ich von der Geschichte wie auch von Frauke Buchholz, die durch ihre jahrelangen Aufenthalte in Kanada auch den Mut hatte, so ein brisantes Thema in ihrem Thriller aufzunehmen, um es uns so näherzubringen. Gerade in welcher Art und Weise Frauke Buchholz die Geschichte der First Nations in Kanada aufgreift und die unfassbare Vergangenheit in Kanada mit Unterdrückung, Rassismus und Zwangseingliederung aufdeckt. Wir erfahren erst in letzter Zeit über die Medien, wie der Landraub vonstatten ging und mit welcher Gewalt bis in die heutige Zeit mit den indigenen Völkern umgegangen wird.
Autorinnenfoto: Copyright ® Claudia Fahlbusch
Frauke Buchholz wuchs in der Nähe von Düsseldorf auf. Sie studierte Anglistik und Romanistik und promovierte über zeitgenössische indigene Literatur. Ihre Leidenschaft gilt dem Reisen und fremden Kulturen: So besuchte sie zahlreiche Reservate in Kanada und verbrachte einige Zeit in einem Cree-Reservat in Alberta. Heute lebt sie in Aachen und schreibt Kriminalromane sowie Kurzgeschichten. Innerhalb der Ted Garner-Reihe sind folgende Bände erschienen: „Frostmond“, „Blutrodeo“ und „Skalpjagd“.
Ted Garner, ehemaliger Profiler, der seinen Job bei der Polizei aufgegeben hatte, weil vor seinen Augen eine Freundin erschossen und auch seine Familie bedroht wurde. Weil Ted als einer der besten Profiler gilt, wird er von seinem ehemaligen Chef gebeten, ihm doch bei einem unerklärlichen Fall zu helfen. Ted sagt notgedrungen zu und so gerät er in die Wildnis Kanadas, um einen Mehrfachmord aufzuklären. Die Spur führt zu einem, erst vor Kurzem freigelassenen indigenen Jugendlichen. Es sind die üblichen Verdächtigungen und Schuldzuweisungen, die uns auch hier begleiten. Die Geschichte ist nur der äußere Rahmen über Identität, Trauma und die Suche nach Gerechtigkeit, die, die Gebrandmarkten kaum erhalten. Mit beeindruckender Feinfühligkeit beschreibt Frauke Buchholz den Alltag der Indigenen zwischen Rassismus, Ausgrenzung und Unterdrückung, den Schmerz und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Ich muss gestehen, dass ich mich während des Lesens oft gefragt habe, wie es wirklich noch möglich ist, dass solche Verbrechen in unserem Jahrhundert noch immer passieren. Wahrscheinlich sind es unsere anhaltenden Vorurteile. Die Geschichte von „Endzeit“ ist eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und den Rechten der indigenen Völker im Jetzt. Frauke Buchholz hat einen großartigen Roman geschrieben, der nicht nur unterhält, sondern zum Nachdenken anregt. Mich hat er zusätzlich bewegt und angeregt, dass ich gewillt bin, Kanada zu besuchen.
Endzeit, Frauke Buchholz, Pendragon Verlag, ISBN: 978-3-86532-924-0, Paperback, Seiten 323, € 20.00, erschienen Februar 2026.