Wie sollte es anders sein, wenn eine japanische Autorin, Junko Takase, einen Roman mit dem Titel „Richtig gutes Essen“ schreibt, spielt der natürlich in Japan. Japan hat ein spezielles, eigenes, kulturelles Arbeitsleben. Im Roman wird das normale Leben in der Bürowelt in Japan beschrieben. Genauso wie es ist, dass man Überstunden (ohne Bezahlung) erwartet. Es geht oft bis 20:00 Uhr und später hinaus. Dass da wenig Zeit für privates Leben ist, bleibt da nicht aus, dass dabei eine besondere Arbeitswelt mit dem Umgang miteinander, inklusive persönlichen Beziehungen, entsteht, ist zwangsläufig. Junko Takase beschreibt dieses moderne Arbeitsleben pointiert, mit allen Facetten des Bürolebens, inklusive der Rolle des (guten) Essens und der persönlichen Vorlieben.
Autorinnenfoto: Copyright ® Rana Shimada-Kodansha
Junko Takase, geboren 1988, ist die von der japanischen Presse gefeierte Autorin von sechs Romanen. Ihr Debütroman wurde mit dem Subaru-Literaturpreis ausgezeichnet, ihr zweiter Roman war für den Akutagawa-Preis nominiert. Ihr jüngster Roman „Richtig gutes Essen“ wurde mit diesem ausgezeichnet und wurde mehr als 180.000 mal verkauft.
Yoko Ann Hamann, geboren 1993, studierte Japanologie mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie Sophia University und der University of Tokyo. Sie lebt in Berlin.
Im Zentrum des Romans steht Nitani, ein Durchschnittsbüromensch in einer japanischen Firma, die Werbeetiketten herstellt. Nitani ernährt sich mit Freuden und Genuss von Instant-Ramen-Suppen. Welches eine Mitarbeiterin Ashikawa, die versucht, zu ihm eine Beziehung aufzubauen, mit frisch gekochtem Essen von seiner Affinität abzubringen. Weil richtig gutes Essen gesünder ist. Seine Abneigung gegen „richtiges Essen“ wird zum ironischen Leitmotiv eines Lebens, das zwischen Erwartung und Authentizität zerrieben wird. Dagegen gibt es eine andere Kollegin, Oshio, seine Ausgeh- und Gesprächspartnerin, die ihn versteht und akzeptiert. Das Arbeitsverhalten von Ashikawa, ihre übertrieben freundliche Art, die täglich versucht, mit selbstgebackenen Keksen für Harmonie im Büro zu sorgen, sorgt für Spannungen zwischen den drei Protagonisten. Junko Takase beschreibt gekonnt das Empfinden, Denken und Handeln in solchen Situationen, mit allen Eigenheiten. Die reglementierte Bürowelt, die Essgewohnheiten im Büro, den Pausengang zum Imbiss oder Restaurant um die Ecke. Insgesamt ist „Richtig gutes Essen“ ein leiser, aber tiefsinniger Roman über Identität, gesellschaftliche Erwartungen und die kleinen Freuden, die uns im Alltag erhalten. Wer erzählerische Literatur mit Witz, menschlicher Wärme und leisem Nachdenken schätzt, findet hier einen originellen, zum Teil philosophisch angehauchten Einblick in die moderne japanische Lebenswelt.
Richtig gutes Essen, Junko Takase, Übersetzung: Yoko Ann Hamann, DuMont Verlag, ISBN: 978-3-7558-0085-9, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Seiten 160, € 23,00, erschienen 10.Februar 2026.