Das Antiquariat am alten Friedhof, Kai Meyer

Nach dem Roman ›Das Haus der Bücher und Schatten‹ ist diese Geschichte ›Das Antiquariat am alten Friedhof‹ mein zweites Buch von Kai Meyer, bei dem es um das Graphische Viertel in Leipzig geht.

Dieses Mal nimmt Kai Meyer den Leser mit in die harte Nachkriegszeit. Das Graphische Viertel in Leipzig ist fast gänzlich zerbombt und die Menschen leben in und auf Trümmern. Hunger, Mord und andere Verbrechen sind an der Tagesordnung. Felix Jordan, der bereits in den dreißiger Jahren nach Amerika immigrierte und jetzt Amerikaner ist, wird zurück in seine Heimatstadt Leipzig beordert. Dort hat man einen Mann inhaftiert, der behauptet, Hitlers Vorleser gewesen zu sein und zu wissen, wo sich Hitlers Bibliothek befindet. Dieser entstellte Mann will jedoch nur mit Felix Jordan sprechen. Da die amerikanischen Besatzungstruppen nur noch wenig Zeit haben, bis die Russen Leipzig übernehmen, hofft man bei der US-Armee, Hitlers wertvolle Bücher zu finden. Als Felix den Mann, mit der Ledermaske und dem von Brandnarben gezeichneten Kopf, kennenlernt, behauptet dieser, sein alter Freund Vadim zu sein. In dem Moment bricht die Vergangenheit wieder über Felix herein. Es katapultiert ihn in eine Zeit zurück, an die er genauso wenig wieder erinnert werden wollte, wie er niemals daran dachte, nach Leipzig zurückzukommen. Aber damit Vadim, wenn er es denn ist, redet, muss Felix eine andere Person finden: Eva! Und das macht es besonders schwer, denn Eva war die große Liebe in Felix’ Leben.

Ein superspannender Krimi aus dem ersten Nachkriegsjahr, bei dem es um okkulte Sekten, besondere Bücher, Freundschaft, Liebe und Verrat geht. Aus der Hand legen mag man den über fünfhundert Seiten starken Roman nur ungern. Am liebsten würde man ihn in einer langen Nacht durchlesen, sich gruseln, sich erfreuen und sich vom wunderbaren Stil des Autors zu dieser Leseorgie verführen lassen. Daher ist ›Das Antiquariat am alten Friedhof‹ eine klare Empfehlung von mir.

Autorenfoto: Copyright ® Stefan Freund

Kai Meyer hat rund siebzig Romane veröffentlicht, von denen viele auf die SPIEGEL-Bestsellerliste gelangten. Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet.

Bei Kai Meyer sind die Geschichten immer komplex und es schwingt ein nebliger, unheimlicher und fast gespenstischer Ton mit. Ob es russische Okkultisten, das Erscheinen von Aleister Crowley oder ein sogenanntes Reliquiar, die Hand des E.T.A. Hoffmann, sind. Immer bereiten die Beschreibungen dem Leser einen kleinen Schauer. Mir gefällt der mystische Teil an den Büchern, der sich am Ende fast immer weniger geheimnisumwittert herausstellt, als es anfänglich den Anschein hat. Denn die Geschichten sind logisch und vorstellbar geschrieben und definitiv mit Fakten durchwebt. Allein die alten Beschreibungen des völlig zerstörten Graphischen Viertels machen Lust darauf, sich etwas näher mit dem vorkriegszeitlichen Leipzig zu beschäftigen. Auch für seine Charaktere hat Kai Meyer eine gute Hand. Sie sind lebendig und selbst in ihrer Schrulligkeit absolut vorstellbar. Manchmal lösen sie sogar eine Sehnsucht aus, dass der Leser von heute, gerne auch solche Freunde hätte. Ich für meinen Teil wäre gerne ein Mitglied des Club Casaubon geworden, auch wenn ich auf keinen Fall ihr letztes Abenteuer hätte miterleben mögen. Doch lesen Sie selbst diese Geschichte, die sich Wort für Wort lohnt.

Werbetext vom Knaur Verlag:
Die Bücherstadt Leipzig, 1930: Inmitten unruhiger Zeiten versammeln sich vier junge Männer in einem Antiquariat im Graphischen Viertel. Alle sind Söhne aus gutem Haus, alle sind vom Leben gelangweilt. Statt ihrem Studium nachzugehen, gründen Felix, Vadim, Julius und Eddie den „Club Casaubon“. Getrieben von ihrer Leidenschaft für Literatur und der Lust am Abenteuer werden sie zu Bücherdieben, spezialisiert auf kostbare, okkulte Bände. Doch als Eddies rätselhafte Schwester Eva zum Club stößt, werden sie immer tiefer in die Pläne erbarmungsloser Mächte hineingezogen.

Fünfzehn Jahre später, 1945: Nach dem Krieg arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner, um Millionen von geraubten Büchern zu katalogisieren. Seine Mission führt ihn zurück in das zerstörte Leipzig. Die Freunde von damals sind verschollen – oder nicht wiederzuerkennen. Und ist Eva wirklich tot? Während die Stadt unter dem Druck der nahenden sowjetischen Besatzung steht, gerät Felix in ein Netz aus Verrat und tödlichen Geheimnissen, das seinen Ursprung in den finstersten Winkeln seiner Vergangenheit hat.

SPIEGEL-Bestsellerautor Kai Meyer erzählt einmal mehr von Freundschaft, Liebe und dunklen Verbrechen in den nebelverhangenen Gassen des Graphischen Viertels.

Lesen Sie auch die anderen Teile der historischen Roman-Reihe »Die Geheimnisse des Graphischen Viertels«. Alle Teile sind unabhängig voneinander lesbar.

  • Die Bücher, der Junge und die Nacht
  • Die Bibliothek im Nebel
  • Das Haus der Bücher und Schatten

Das Antiquariat am alten Friedhof, Kai Meyer, Knaur HC Verlag, gebundenes Buch, Seiten 512, ISBN 978-3-426-29398-0, Buch Euro 24,00, E-Book 17,99 und Hörbuch vom Argon Verlag, erschienen November 2025.

 

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