Caroline Stadsbjerg, Carnivora

Carnivora – Fleischfresser – allein das Bild auf dem Umschlag, eine halbe Seite Kuhkopf, eine halbe Seite Menschenkopf lässt schon erahnen: Hier geht es um ein brisantes Thema der Zukunft.

„Carnivora“ von Caroline Stadsbjerg hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Schon der Titel hat bei mir sofort Bilder von animalischen Trieben und dunklen Schattenseiten geweckt. Zumal man durch die Medien und Umweltorganisationen auf einiges schon aufmerksam gemacht worden ist und man sich gut solch ein Szenario vorstellen kann. Das Buch hat meine Erwartungen sehr gut erfüllt. Ein Leseerlebnis, das lange nachhallt, einige Fragen in mir hinterlassen hat und mich wirklich in meinem Lebensstil beeinflusst.

Caroline Stadsbjerg, geboren 1994. Hat einen Abschluss in Psychologie von der Universität Aarhus. Sie besuchte die „Writers Academy“ und nahm an einem Mentorenprogramm der Schreibwerkstatt der Danish Talent Academy teil. „Carnivora“ ist ihr Debütroman.

Justus Carl studierte Politikwissenschaft, Romanistik und Skandinavistik in Frankfurt am Main. Seit 2017 übersetzt er aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen, u.a. Werke von Thomas Korsgaard und Andrev Walden.

Im Mittelpunkt steht Hannah, eine Computerspezialistin mit einer besonderen Gabe, Programme zu entwickeln, um digitale Zugangscodes oder Netze zu knacken. Durch ihre zurückhaltende und sympathische Art ist sie mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Gerade weil sie auch Gefühle, Gedanken und Verletzlichkeit gezeigt hat. Nach einem prägenden Ereignis verändert sich ihr Leben vollkommen – und ich konnte ihre innere Zerrissenheit förmlich spüren. Für mich fühlt sich „Carnivora“ wie eine Mischung aus nervenaufreibendem Psychothriller und tiefgründigem Gesellschaftsroman an. Besonders beeindruckt hat mich, wie glaubhaft und authentisch Stadsbjerg die Entwicklung Hannahs schildert, die man als Leser sehr gut nachvollziehen kann. Es gab so viele überraschende Wendungen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die dichte Atmosphäre hat sich für mich wie ein Nebel über die Seiten gelegt und mich bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Caroline Stadsbjerg hat in ihrem Debütroman ein für mich realistisches Thema unserer Zukunft angefasst. Man identifiziert sich damit, es bereitet einem Ängste und man muss ständig darüber nachdenken. Die fleischfressenden Instinkte, auf die der Titel anspielt, habe ich als kraftvolle Metapher für die dunklen Seiten in unserer Gesellschaft empfunden. Das Negieren der Menschen, das Rechtfertigen der Wirtschaft und das Leugnen der Politik kennt man aus Erlebtem. Diese Realitätsnähe hat für mich das Buch sehr wertvoll gemacht. Oft habe ich mich dabei ertappt, über meine eigenen Grenzen und Werte nachzudenken. Für mich ist „Carnivora“ ein besonderes Buch, das ich noch lange nicht vergessen werde. Die spannende Handlung, die psychologische Tiefe und wer gerne in anspruchsvolle Geschichten eintaucht und sich nicht scheut, sich mit den dunkleren Seiten des Menschseins auseinanderzusetzen, dem kann ich „Carnivora“ nur ans Herz legen. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so sehr gefesselt und zum Nachdenken gebracht hat.

Carnivora, Caroline Stadsbjerg, Edition Westend, ISBN: 978-3-949671-20-3, Gebundenes Buch, Seiten 262, € 24,00, erschienen November 2025.

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