Das Online-Magazin aus Eschborn am Taunus
16.06.2012
Seit Freitagabend hat Eschborn neben dem wohl größten Stuhl Europas (beim Möbelhaus im Camp Phönix) eine weitere rekordverdächtige Bereicherung: Eine der größten öffentlich sichtbaren Nordkorea-Flaggen außerhalb Asiens hängt seither in der Mitte der Börsenstadt. Stolze 1,30 Meter mal 2,60 Meter misst sie, und sie schmückt die Grenze eines Hausgrundstücks in der Kurt-Schumacher-Straße.
Nicht viele Passanten werden die Fahne sofort als die Nordkoreas erkennen. Angesichts der vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen, die im Zuge der Fußball-EM Autos und Häuser zieren, dürften die meisten Passanten die Flagge zunächst einem weniger geläufigen EM-Teilnehmerland zuordnen. Doch mit der Fußball-EM hat das ganz offensichtlich nichts zu tun.
Die genauen Hintergründe konnte das ESM zunächst nicht ergründen. So bleibt Raum für Spekulationen. Ein Test für die Toleranz und Weltoffenheit von Eschborn? Oder einfach nur eine Provokation? Und wenn letzteres: Wer soll provoziert werden?
Rechtlich dürften die Grundstückseigner auf sicherer Seite sein. Nordkorea hat offizielle diplomatische Beziehungen zu Deutschland; die Flagge darf, obwohl das Land zum Beispiel von den USA neben Iran, Kuba und Belarus zu den „Bösen“ gezählt wird, selbstverständlich öffentlich gezeigt werden - ebenso wie die Deutschland- oder USA-Flagge.
Auch wenn zunächst nicht klar ist, was die konkreten Beweggründe für den ungewöhnlichen Fahnenschmuck sind: Pinkant ist das Ganze schon, denn zwischen Nordkorea und Eschborn gibt es durchaus Verbindungen, wenn auch keine offiziellen. 2008 war Eschborn Tagungsort der internationalen Konferenz der Korean Friendship Organisation. Nordkoreanische Diplomaten waren zu Gast, ebenso Konferenzteilnehmer aus den USA, England, der Schweiz, Thailand, Taiwan, Rumänien und Spanien – und natürlich Deutschland. Obwohl die internationalen Gäste und die nordkoreanischen Diplomaten gerne auch mit Eschborner Offiziellen die Hände geschüttelt hätten, zogen letztere es vor, unter Vorgabe anderer dringender Termine das Weite zu suchen. Stattdessen war der Bundesnachrichtendienst (neuerdings angesichts der Niebel-Teppich-Affäre als „Bundesnachsendedienst“ verulkt) in Eschborn und suchte – vergeblich wohl – nützliche Erkenntnisse zu gewinnen.
Das ESM bleibt – um EM-gerechte Sprache zu verwenden - „am Ball“. (fwh)
Foto: fwh (Schnappschuss mit dem Mobiltelefon)
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